Erst einmal das Positive:
Für die geringe Größe des Spiels ist die Grafik wirklich sehenswert, gerade bei den Seegefechten, durchaus nett gemacht. Auch die einzelnen Häfen sind keine Einheitsware, jeder Hafen sieht anders aus und diese sind auch hübsch animiert.
Die Bedienung ist relativ simpel, nach einer halben Stunde hat man die wichtigsten Befehle gelernt und könnte das Spiel dann genießen.
Ja, das war es schon, mehr Positives kommt nicht.
Jetzt das Negative:
Um das Spiel zu installieren, genügt nicht allein die Seriennummer, man muss zusätzlich eine Email-Adresse angeben und dann erfolgt eine Online-Aktivierung. Für Käufer ohne Internet (zwar relativ selten aber kommt vor) sieht es dann ganz düster aus. Ohne die Online-Aktivierung ist das Spiel nämlich nicht spielbar. Auch nicht im Einzelspieler-Modus, das Spiel verweigert schlicht den Abschluss der Installation und bei jedem Neustart wird die Aktivierung verlangt. Welche Daten bei dieser Aktivierung, außer der Email-Adresse und der Seriennummer, übertragen werden, bleibt ein Geheimnis des Herstellers.
Beim ersten Start des Spiels wird direkt darauf hingewiesen, das ein Update zur Verfügung steht, mit einem Bestätigungsklick wechselt das Spiel zum Desktop, startet den jeweiligen Internet-Browser und öffnet die Downloadseite von der man den Patch laden kann. Das Spiel selbst läuft währenddessen im Hintergrund weiter. Da man zum Installieren des Patches das Spiel ohnehin beenden muss, erschliest sich mir dieser Vorgang nicht ganz.
Nach dem Installieren des Patches geht es dann los, man hat eine anschauliche Oberflächenkarte von Europa, mit den Häfen, kleinen Bergen auf den Landmassen und auf der See kreuzen die ersten Schiffchen der Konkurrenten - alles hübsch zurechtgemacht.
Das Spiel führt den Spieler dann mit einigen Hinweistexten über die ersten Hürden, zuerst betritt man seinen Heimathafen. Das Betreten des Heimathafens dauert dann gefühlte 10 Minuten, während man auf ein 'gemaltes Bildchen' schaut und den Fortschritt des Ladebalkens betrachtet. Im Hafen gibt man dann den Bau eines Schiffes in Auftrag und kann mit seinem bereits fertigen Schiff den ersten Handel durchführen. In meinem Fall Waren von London nach Indien bringen, bzw. in London ankaufen, in Indien verkaufen.
Also Flottenfenster öffnen, Schiff auswählen, auf Ladung klicken, Handelspostenfenster öffnen, gewünschte Ware (einzeln, 10t oder alles) in den 'Bauch' des Schiffes ziehen. Mit einem Klick auf ein kleines Globus-Symbol gehts dann wieder auf die Europakarte zurück. Heißt, wieder warten und den Ladebalken betrachten. Auf der Karte dann das Schiff auswählen und mit einem Rechtsklick zum gewünschten Hafen schicken. Zum Glück kann man die Zeit 4-fach beschleunigen aber trotzdem wartet man ziemlich lange bis das Schiff endlich da ist. Dann heißt es wieder zur Hafenansicht zu wechseln, Ladebalken betrachten, Waren verkaufen, neue Waren aufnehmen, zurück zur Karte, Ladebalken betrachten, zurück zum Heimathafen, zur Hafenansicht wechseln, Ladebalken betrachten, der immer gleichen Dudelmusik im Hintergrund lauschen.
Vom Spielprinzip erinnert mich East India Company sehr an Patrizier 2, wobei man bei Patrizier 2 auch seine Stadt direkt umgestalten konnte, nach eigenen Wünschen. Bei East India Company geht das nur über ein weiteres Fenster-Menü und auch nur dann, wenn einem der Hafen gehört (Einnahme der Häfen dann später im Spiel). Man kann keine Gebäude selbst platzieren, den Bau der Gebäude kann man auch nicht verfolgen, dieser findet über Tage, Wochen statt, während man wieder stumpf irgendwelche Handelsgeschäfte (nebst dem Ladebalkenbetrachten) absolviert.
Die Seegefechte sind, wie gesagt, recht nett anzusehen aber die ausbleibenden Aktionen auf die Steuerung der Schiffe nimmt einem schnell die Lust sich das anzutun. So überlässt man dies einfach dem Spiel/Computer und bekommt einfach nur den Abschlussbericht. Achja, hab ganz vergessen von dem lustigen Ladebalken zu berichten, den man vor und nach dem Seegefecht genießen darf.
Ich könnte jetzt noch auf die Diplomatie eingehen, auf die ganzen hübschen, kleinen Berichte über irgendwelche Aktionen der Gegner, Schiffsfertigstellungen, Bau der Häfen, Jahresabschlussberichte usw. aber das spar ich mir.
Als Mindestanforderungen gibt der Hersteller folgendes an:
Processor: AMD AthlonXP 1600+ / Intel Pentium 4 1.6Ghz
Display Card: 128MB DirectX 9 video card with PS2.0 /
128MB DirectX 9 video card with PS2.0
Memory: 1024MB
Free Disk Space: 6GB
Operating System: Windows XP
Mit der o.a. Konfiguration dürften dann die gefühlten 10 Minuten, beim Ladebalken betrachten, durchaus Wirklichkeit, wenn nicht soagr überschritten werden. Ein angenehmer Gamer-PC mit ordentlich Krawall im Gehäuse sollte es schon sein, um es mal salopp auszudrücken. Allgemein kann man wohl sagen, das der Hersteller eine einfache Handlung mit überproportionierten Grafiken vollgestopft hat. Ein wirklich simples Spiel, das gewiss Spaß machen würde, wären da nicht die endlos erscheinenden Ladezeiten. Auch kommt mit der Zeit irgendwann Langeweile auf, weil man immer und immer wieder die gleichen Vorgänge wiederholen muss. Eine Übersicht über die eigenen Flotten fehlt, bei 5 geht es ja noch aber hat man erstmal mehr, wird es langsam unübersichtlich, gerade wenn die Kapitäne auf's Geratewohl wechseln. Von Übersicht allgemein kann man sowieso nicht sprechen, das verhindern schon die langen Landezeiten, in denen man sich mal gerade einen Kaffee macht und dann vergisst, was man noch machen sollte/wollte.
Für diese schlecht programmierte Katastrophe, die einem mit der Zeit den letzten Nerv raubt, auch noch happige 40 Euro zu verlangen erscheint mir mehr als dreist.
Für mich ist dieses Spiel eine absolute Enttäuschung und ich werde wohl mein altes Patrizier 2 wieder auskramen und damit ein wenig handeln gehen.