Nach 3 Wochen intensiver Nutzung hier ein erster Bericht:
Welche Erwartungen hatte ich?
1. Bequemes Lesen von eBooks, gute Bedienbarkeit, Akkulaufzeit
2. Nutzung von eBooks verschiedener Anbieter (bevorzugt EPUB)
3. Inbetriebnahme und Verwaltung unter Linux
Weshalb die Entscheidung für Kobo Touch?
Aus stundenlangen Recherchen in Foren und Testberichten kristallisierte sich heraus, dass qualitativ nur 3 Geräte in Frage kommen können: Kindle 4, Sony PRS-T1 oder Kobo Touch.
Erwartung 1 wird meiner Meinung nach von allen 3 Geräten mit kleinen Einschränkungen gut erfüllt. So ist der glänzende Rand beim Sony auf Grund der Reflektion bei hellem Umgebungslicht störend. Die Displays ähneln einander sehr. Das fehlende Touch-Screen beim Kindle ist beim Lesen nicht von Nöten, jedoch ist die Eingabe von Texten bei der Suche im Buch, Wörterbuch oder Shop mit dem Touch-Screen des Sony bzw. Kobo doch wesentlich bequemer. Die in vielen Bewertungen erwähnte Trägheit des Kobo Touch beim Umblättern ist übrigens nur bei alten Firmware-Ständen der Fall.
Erwartung 2 wird nur vom Sony und Kobo Touch erfüllt
Den Amazon-Kindle hatte ich bereits in den Händen und finde Ihn im Gesamtpaket mit Amazon sehr gut bezüglich Shop-Anbindung und Bedienung. Wer sowieso vor hat, generell bei Amazon zu kaufen und niemals eine Online-Ausleihe (Onleihe) nutzen zu wollen, der wird damit glücklich sein. Aber genau das wollte ich nicht. Den Diesel meines Autos möchte ich ja schließlich auch an der Tankstelle meiner Wahl kaufen. Folglich fiel der Kindle heraus.
Erwartung 3 wird im weitestgehenden Umfang nur durch den Kobo Touch erfüllt, da es hier (zwar inoffiziell, aber immerhin lauffähig) die Desktop-Software als (Debian-)Linux-Version gibt. Mir ist es sogar unter einer völlig anderen Distribution (Arch Linux) gelungen, diese Software zu installieren. Damit konnte ich den Kobo Touch registrieren und damit im vollen Umfang nutzen (WLAN, Kobo-Shop usw.).
Da der letzte Punkt nicht ganz so wichtig war (schließlich findet sich auch irgendwo außerhalb meines Reiches ein Windows-PC zur Registrierung des Gerätes), entschied ich mich, beide Geräte im Großmarkt anzusehen. Und hier hat mir der Kobo Touch im Vergleich zum Sony PRS-T1 einfach besser gefallen. Die in vielen Foren erwähnte bessere PDF-Funktionalität beim Sony war mir völlig egal, da ich keinen der am Markt befindlichen eReader mit eInk-Technologie dafür geeignet finde.
Inbetriebnahme
Die ersten Leseproben habe ich ohne jegliches Setup durchgeführt, indem ich einfach ein paar Gutenberg-Bücher heruntergeladen, den Kobo am USB-Anschluss angesteckt und die Bücher einfach mit dem Dateimanager (unter Windows hieße dies Explorer) auf den Kobo kopiert habe. Keine Probleme. Nach zwei Tagen Test und der Entschlossenheit diesen eReader zu behalten, machte ich mich daran die Desktop-Software zu installieren. Unter Linux nicht ganz einfach aber machbar. Also installiert, Kobo angeschlossen, synchronisiert und dabei wurde auch die Firmware sofort aktualisiert. Ab da konnte ich bequem dank Touch-Screen (für die Eingabe meines paranoiden 63stelligen Schlüssels) am Kobo mein WLAN einrichten. Damit klappte auch sofort der Zugriff auf den Kobo-Shop. Es lassen sich Schriftart, Schriftgröße, Zeilenabstand und Ränder sehr flexibel einstellen.
Weitere Funktionen
Der Kobo besitzt ein Wörterbuch zum schnellen Nachschlagen der Bedeutung eines Wortes oder zur Übersetzung. Hierbei gibt es eine Einschränkung, dass es lediglich Englisch-Deutsch nicht Spanisch-Deutsch oder Französisch-Deutsch gibt. Um also ein französisches Wort ins Deutsche zu übersetzen, muss man erst ins Englische und dann ins Deutsche übersetzen. Wie das bei anderen eReadern ist, weiß ich nicht.
Die Navigation innerhalb eines Buches ist kinderleicht und reicht vom Inhaltsverzeichnis über Seitensprünge bis zur Volltextsuche.
Die Shop-Anbindung an den Kobo-Shop funktioniert gut jedoch findet man (noch) nicht so viele Bücher wie bei anderen Anbietern. Aber genau das ist der Vorteil eines "Nicht-Kindle", man kann auch bei anderen Anbietern kaufen. Zwar nicht direkt mit dem eReader aber am PC/Laptop, indem man zunächst ADE (Adobe Digital Editions) installiert und sich registriert um eine ID zu erhalten. Nun kann man getrost bei buch.de, weltbild.de, libri.de oder sonstigen Nicht-Amazon-Buchhandel seine eBooks kaufen, die dann mittels ADE heruntergeladen werden können und einfach auf den Kobo kopiert werden. Ratsam ist als Zwischenschritt die Verwaltung mittels Calibre, denn diese freie Software ist hervorragend geeignet, um die gesamte Bibliothek egal ob EPUB, MOBI oder welches eBook-Format auch immer zu verwalten.
Neben den klassischen Funktionen für das Lesen hat der Kobo Touch noch einen kleinen Browser installiert, mit dem man durchaus schnell im Internet etwas suchen kann.
Und wer unbedingt Sudoku oder eine Freihand-Notizfunktion brauch, der wird auch dies auf dem Kobo finden.
Was viele sehr vermissen, ist eine mangelnde Möglichkeit Bücher in Ordnern zu verwalten. Man kann zwar Ordner auf dem Kobo Touch anlegen. Die Bücher darin werden auch erkannt aber erscheinen als eine komplette Liste in der Bibliothek. Laut Foren-Einträge besteht aber die berechtigte Hoffnung, dass es hierfür demnächst ein Update gibt.
Fazit
Bis jetzt funktioniert alles reibungslos. Ich habe bereits von den verschiedensten Shops Bücher heruntergeladen und auf dem Kobo "geschoben". Offensichtlich kommt das Gerät am besten mit EPUB zurecht, weshalb ich diverse MOBI-Dateien mittels Calibre ins EPUB-Format konvertiert habe. Aber das werden die wenigsten Anwender benötigen, da die meisten Shops/Onleihe EPUB anbieten. Das Lesen damit macht Spaß und das Umblättern mittels Touch-Screen ist sehr angenehm und lässt sich mit der neuen Firmware auch so konfigurieren, dass mit einer Hand vor- und zurückgeblättert werden kann. Die technischen Details erspare ich mir, denn dies ist bereits ausreichend im Internet zu finden. Jeder der 3 genannten Geräte hat seine Vor- und Nachteile. Letzten Endes muss jeder für sich entscheiden, welchen Schwerpunkt er setzen möchte.
Einfachste Bedienung und Bindung an Amazon (à la iPod und Co.) -> Kindle
Beste PDF-Unterstützung, keine Bindung, Updates schleppend -> Sony PRS-T1
Einfache Bedienung, gute Haptik, keine Bindung, regelmäßig Updates -> Kobo Touch
Bewertung
Eigentlich müsste ich einen Stern wegen der nicht vorhandenen Ordner-Funktion abziehen. Da aber vor mir eine völlig vermessene negative Kritik steht, lasse ich die volle Punktzahl um dies etwas zu kompensieren. Zudem glaube ich fest, dass diesbezüglich bald ein Update kommt.
Anmerkung
Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wieso Amazon seine eBooks nicht auch als EPUB anbietet und somit den Verkauf ihres Kindle erzwingen möchte. Ich finde dies als langjähriger Amazon-Kunde zu viel Bevormundung und werde die eBooks eben woanders kaufen. Selbst meine Frage diesbezüglich an Amazon blieb unbeantwortet. Das ist meiner Meinung nach der falsche Weg.
Update 29.02.2012:
Mittlerweile gibt es ein sog. Tweaks-Plugin, welches eine Regalfunktion aktiviert, somit zu recht volle Punktzahl!
Update 28.12.2012:
Schon lange ist die Regalfunktion fester Bestandteil der Firmware. Also wird kein Plugin mehr benötigt. Das Lesen mit diesem Reader macht nach wie vor Spaß, obwohl ich inzwischen auch einen PocketBook 622 besitze. Letzterer bietet noch mehr Funktionen und ist im Umgang mit Wörterbüchern wesentlich flexibler. Dennoch möchte ich meinen Kobo Touch nicht missen.