84 Seiten im nicht nur griffigen, sondern übersichtlichen Großformat, gespickt mit mehr als 750 Einzelfotografien - die Knotty Boys geben sich alle Mühe, ihre praktischen Anleitungen anschaulich aufzublättern. Doch Mühe allein genügt oft nicht, weshalb ein genauerer Blick auf den Inhalt nötig ist, bevor voreilig bewertet wird.
Die beiden Fesseljungs positionieren ihr Handbuch als "Schritt-für-Schritt-Anleitung", das zudem bei Anfängern und Einsteigern seine Stärken ausspielen soll. Genau dafür spricht auch der Aufbau des Bandes , setzen die beiden doch vor dem Knoten die Sicherheit. Deshalb stolpern wir - und das natürlich sehr zu recht - zuerst in das Kapitel mit den Sicherheitshinweisen. Die Ratschläge sind recht knapp gehalten, richten das Augenmerk aber auf die wichtigen Aspekte, indem sie Dos und ganz besonders Don'ts auflistet.
Trotzdem sollten sich neue Knotenjünger noch weise Tipps aus anderen Quellen besorgen, denn nichts ist im schlechten Sinne nachdrücklicher, als eine wegen mangelnder Kenntnisse schief gelaufene Session oder, noch schlimmer, ein Bondage, das mit nicht gewünschten Schmerzen endet.
Da passt es auch gut, dass die Knotty Boys ihr Handwerk von der Pike auf erklären. In rascher Folge werden die möglichen Seile mit ihren Vorzügen und Nachteilen dargelegt: Nylon, Jute/Hanf und Baumwolle. Auch hier geht es ausführlicher, und auch das Wissen sollte man andernorts noch ergänzen und erweitern, zudem es durchaus differenzierte Ansichten zu den Seilarten gibt.
Damit sind die Vorwegdetails vom Tisch, und endlich wird geknotet. Die kurzen erläuternden Texte gehen dabei zügig in Fotos über, die jedes so untertitelt sind, dass jeder Handgriff akribisch genau nachvollzogen werden kann. Das ist dann dermaßen ausführlich, dass für jeden noch so einfachen Knoten bis zu 10 Abbildungen parat stehen: genug, um sich Schleife für Schleife voranzuarbeiten, bis der Knoten sitzt. Allen Anleitungen sind Maßgaben über Seillängen und empfohlenem Durchmesser beigeordnet.
Sobald die Griffe sitzen, geht's es endlich ans Eingemachte. Vier Kapitel mit jeweils bis zu sieben Fesselungen runden das Handbuch nicht nur ab, sondern sind zugleich der Höhepunkt. Basic Bondage, Decorative Bondage, Dominance Bondage und Sex Bondage führen weit über wirres Winden hinaus in Bereiche, die schon einiges an Geschick und Gelassenheit erfordern. Und das mit einem Ergebnis rechtfertigen, das je nach Vorliebe verzierend, einschnürend oder einfach "nur" erotisch ist. Sehr geschickt machen es die beiden Jungs, indem sie einige der Knoten miteinander kombinieren, andere Techniken in Verbindung zueinander bringen und regelrechte Kunstwerke entstehen lassen. Die "Dragonfly Sleeve beansprucht deshalb auch 56 Fotos, bis die Arme ästhetisch eingewickelt und wieder "entwickelt" sind. Neben kompletten Fesselarbeiten präsentieren die Zwei dann noch einige kleinere Arbeiten für den "Quick Bit Gag" oder "Bridle", die ohne großen Aufwand schnell ihren Reiz entfalten.
Muss ich "Showing You the Ropes" noch großartig anpreisen - nein. Der Preis spricht zudem für sich. Als Handbuch für den Einstieg in Bondage leisten die Knotty Boys ganze Arbeit, noch dazu fasziniert die Vielfalt an Fesselvorschlägen, die fürs erste mehr als eine Handvoll vergnüglicher Abende garantieren. Das ist ein praktisches Handbuch im allerbesten Sinne.