Mitte der 90er gab es insbesondere zwei Filme, die die deutsche Filmlandschaft verändert haben. Zum einen war das Peter Thorwarths "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" und zum anderen Til Schweigers "Knockin' On Heaven's Door". Dominierten bis dahin hauptsächlich einheimische Beziehungskomödien ("Der bewegte Mann") die Kinos, so konnte nun endlich auch einmal das Genre der Actionkomödie aus deutschen Landen von sich Reden machen. Aber alles von Anfang an...
Martin Brest (Til Schweiger, "Keinohrhasen") und Rudi Wurlitzer (Jan Josef Liefers, "Rossini") sind zwei vollkommen unterschiedliche Typen, aber sie haben eines gemeinsam: beide sind todkrank. Also beschließen sie, aus dem Krankenhaus auszubrechen, sich ein Auto in der Tiefgarage zu klauen und zum Meer zu fahren. Zufälligerweise entdecken sie im Kofferraum des Wagens einen Koffer mit einer Millionen Mark darin, dumm nur, dass diese dem Gangster Frankie "Boy" Beluga (Huup Stapel, "Verfluchtes Amsterdam") gehören, der das Geld seinem Boss Curtiz (Rutger Hauer, "Blade Runner") schuldet. Also hetzt er den beiden seine Killer Henk (Thierry van Werveke, "Troublemaker") und Abdul (Moritz Bleibtreu, "Lammbock") hinterher. Gejagt von Polizei und Gangstern, begeben sich Martin und Rudi auf ihre letzte Reise, doch ihre Zeit läuft ab...
Was waren das für DVDs, auf denen dieser Film bisher "vergewaltigt" wurde. Da stimmte das Format nicht, das Bild war zu dunkel, der Ton war katastrophal und an Extras war gar nicht zu denken. Erst 12 Jahre nach Kinostart kam "Knockin' On Heaven's Door" endlich auf einer würdigen DVD auf dem Markt. Das Bildformat ist im korrekten 2,35:1 dargestellt und die Farben wurden durch die neue Abtastung noch einmal verbessert. So kann man z.B. zum ersten Mal Cornelia Froboess Augen erkennen, was bei der bisherigen dunklen Abtastung nicht der Fall war. Auch über den Ton gibt es nur Positives zu berichten (u.a. ist sogar die englische Synchronisation vorhanden).
Doch als wahre Überraschung entpuppen sich die Extras, was für eine deutsche Produktion aus dem Jahr 1997 nicht selbstverständlich ist. Neben Trailern, dem Musikvideo, einer Slideshow und Ausschnitten vom Filmpreis 1997 und der Video Winner Gala 1998, gibt es auch eine große Anzahl Deleted Scenes (bei denen leider der Ton nicht abgemischt wurde), die von Til Schweiger angekündigt und kommentiert werden. Die neuen Interviews mit Jan Josef Liefers, Moritz Bleibtreu und Leonard Lansik, sowie die zwei Audiokommentare (einen mit den Schauspielern Schweiger, Bleibtreu und Liefers, sowie einen seperaten mit Regisseur Thomas Jahn) bieten eine tiefen Einblick in die Entstehung und Produktion des Filmes. So erfährt man u.a., wie Regisseur Jahn, der bis dahin als Taxifahrer arbeitete, Til Schweiger in einer kölner Buchhandlung kennenlernte, oder warum Joachim Król ("Gloomy Sunday") die Rolle des Rudi Wurlitzer ablehnte, warum Liselotte Pulver ("Eins, Zwei, Drei") zu teuer war, warum Mario Adorf ("Milano Kaliber 9") die Rolle des Curtiz zu klein war, wie es zu der Begegnung mit Rutger Hauer ("Hitcher, der Highwaykiller") kam, warum Schweiger gegen den Rob Reiner Film "Das Beste kommt zum Schluss" gerichtlich vorgehen wollte, warum ein lang geplantes Sequel mit Henk und Abdul in den Hauptrollen nie zustande kam und warum Quentin Tarantino den Film so liebt...
Schade ist eigentlich nur, dass das im Audiokommentar angekündigte Interview mit Regisseur Thomas Jahn nicht vorhanden ist. Schön hingegen ist der 8minütige Ausschnitt aus dem Film "Inthierryview", der als Hommage an den 2009 verstorbenen Thierry van Werveke entstanden ist und Einblicke über dessen Werdegang, seinen Alkoholismus und seinen kritischen Gesundheitszustand während der Produktion bietet. Van Werveke selbst hatte nie die Gelegenheit den Film zu sehen, da er zwei Wochen vor dessen Veröffentlichung verstorben ist.
Als der Film 1997 in die Kinos kam, wurden von Kritikern sofort Bezüge zu Quentin Tarantinos Werken gezogen. "Gewollt, aber nicht gekonnt" titelten die Zeitungen, doch schaut man sich "Knockin' On Heaven's Door" einmal genauer an, so verfügt der Film über eine absolute Selbstständigkeit. Nun gut, es gibt wenige unverkennbare Parallelen zu den Filmen des Pulp Fiction-Machers, z.B. der berühmte "trunk shot" oder die schwarzen Anzüge mit den dünnen Krawatten, die Abdul und Henk tragen. Doch selbst Tarantino hatte die Idee mit den Anzügen nur aus John Woos "A Better Tomorrow II" entnommen. Und was gibt es für eine größere Ehrung, als das der Meister himself während der Dreharbeiten in Deutschland zu "Inglourious Basterds" eine Extravorstellung von "Knockin' On Heaven's Door" für die Schauspieler und die Crew organisiert und danach mit den Worten adelt: "This movie holds up."
Rückblickend betrachtet ist es schade, dass beispielsweise Regisseur Jahn in den Folgejahren den Schwung des Films nicht für sich nutzen konnte. Als "deutscher Tarantino" betitelt, entwickelten sich seine weiteren Werke sowohl kommerziell ("Kai Rabe gegen die Vatikankiller"), als auch qualitativ ("Auf Herz und Nieren") zu Flops und so landete er letztendlich im deutschen TV-Einheitsbrei ("Der Dicke", "Sperling"), da er nie wieder, den, an ihn gestellten Erwartungen, gerecht werden konnte.
Fazit:
Erstklassiger Film auf einer erstklassigen DVD...endlich!