28 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Was macht man, wenn es kein Morgen mehr gibt?, 30. Oktober 2009
Mitte der 90er gab es insbesondere zwei Filme, die die deutsche Filmlandschaft verändert haben. Zum einen war das Peter Thorwarths "Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding" und zum anderen Til Schweigers "Knockin' On Heaven's Door". Dominierten bis dahin hauptsächlich einheimische Beziehungskomödien ("Der bewegte Mann") die Kinos, so konnte nun endlich auch einmal das Genre der Actionkomödie aus deutschen Landen von sich Reden machen. Aber alles von Anfang an...
Martin Brest (Til Schweiger, "Keinohrhasen") und Rudi Wurlitzer (Jan Josef Liefers, "Rossini") sind zwei vollkommen unterschiedliche Typen, aber sie haben eines gemeinsam: beide sind todkrank. Also beschließen sie, aus dem Krankenhaus auszubrechen, sich ein Auto in der Tiefgarage zu klauen und zum Meer zu fahren. Zufälligerweise entdecken sie im Kofferraum des Wagens einen Koffer mit einer Millionen Mark darin, dumm nur, dass diese dem Gangster Frankie "Boy" Beluga (Huup Stapel, "Verfluchtes Amsterdam") gehören, der das Geld seinem Boss Curtiz (Rutger Hauer, "Blade Runner") schuldet. Also hetzt er den beiden seine Killer Henk (Thierry van Werveke, "Troublemaker") und Abdul (Moritz Bleibtreu, "Lammbock") hinterher. Gejagt von Polizei und Gangstern, begeben sich Martin und Rudi auf ihre letzte Reise, doch ihre Zeit läuft ab...
Was waren das für DVDs, auf denen dieser Film bisher "vergewaltigt" wurde. Da stimmte das Format nicht, das Bild war zu dunkel, der Ton war katastrophal und an Extras war gar nicht zu denken. Erst 12 Jahre nach Kinostart kam "Knockin' On Heaven's Door" endlich auf einer würdigen DVD auf dem Markt. Das Bildformat ist im korrekten 2,35:1 dargestellt und die Farben wurden durch die neue Abtastung noch einmal verbessert. So kann man z.B. zum ersten Mal Cornelia Froboess Augen erkennen, was bei der bisherigen dunklen Abtastung nicht der Fall war. Auch über den Ton gibt es nur Positives zu berichten (u.a. ist sogar die englische Synchronisation vorhanden).
Doch als wahre Überraschung entpuppen sich die Extras, was für eine deutsche Produktion aus dem Jahr 1997 nicht selbstverständlich ist. Neben Trailern, dem Musikvideo, einer Slideshow und Ausschnitten vom Filmpreis 1997 und der Video Winner Gala 1998, gibt es auch eine große Anzahl Deleted Scenes (bei denen leider der Ton nicht abgemischt wurde), die von Til Schweiger angekündigt und kommentiert werden. Die neuen Interviews mit Jan Josef Liefers, Moritz Bleibtreu und Leonard Lansik, sowie die zwei Audiokommentare (einen mit den Schauspielern Schweiger, Bleibtreu und Liefers, sowie einen seperaten mit Regisseur Thomas Jahn) bieten eine tiefen Einblick in die Entstehung und Produktion des Filmes. So erfährt man u.a., wie Regisseur Jahn, der bis dahin als Taxifahrer arbeitete, Til Schweiger in einer kölner Buchhandlung kennenlernte, oder warum Joachim Król ("Gloomy Sunday") die Rolle des Rudi Wurlitzer ablehnte, warum Liselotte Pulver ("Eins, Zwei, Drei") zu teuer war, warum Mario Adorf ("Milano Kaliber 9") die Rolle des Curtiz zu klein war, wie es zu der Begegnung mit Rutger Hauer ("Hitcher, der Highwaykiller") kam, warum Schweiger gegen den Rob Reiner Film "Das Beste kommt zum Schluss" gerichtlich vorgehen wollte, warum ein lang geplantes Sequel mit Henk und Abdul in den Hauptrollen nie zustande kam und warum Quentin Tarantino den Film so liebt...
Schade ist eigentlich nur, dass das im Audiokommentar angekündigte Interview mit Regisseur Thomas Jahn nicht vorhanden ist. Schön hingegen ist der 8minütige Ausschnitt aus dem Film "Inthierryview", der als Hommage an den 2009 verstorbenen Thierry van Werveke entstanden ist und Einblicke über dessen Werdegang, seinen Alkoholismus und seinen kritischen Gesundheitszustand während der Produktion bietet. Van Werveke selbst hatte nie die Gelegenheit den Film zu sehen, da er zwei Wochen vor dessen Veröffentlichung verstorben ist.
Als der Film 1997 in die Kinos kam, wurden von Kritikern sofort Bezüge zu Quentin Tarantinos Werken gezogen. "Gewollt, aber nicht gekonnt" titelten die Zeitungen, doch schaut man sich "Knockin' On Heaven's Door" einmal genauer an, so verfügt der Film über eine absolute Selbstständigkeit. Nun gut, es gibt wenige unverkennbare Parallelen zu den Filmen des Pulp Fiction-Machers, z.B. der berühmte "trunk shot" oder die schwarzen Anzüge mit den dünnen Krawatten, die Abdul und Henk tragen. Doch selbst Tarantino hatte die Idee mit den Anzügen nur aus John Woos "A Better Tomorrow II" entnommen. Und was gibt es für eine größere Ehrung, als das der Meister himself während der Dreharbeiten in Deutschland zu "Inglourious Basterds" eine Extravorstellung von "Knockin' On Heaven's Door" für die Schauspieler und die Crew organisiert und danach mit den Worten adelt: "This movie holds up."
Rückblickend betrachtet ist es schade, dass beispielsweise Regisseur Jahn in den Folgejahren den Schwung des Films nicht für sich nutzen konnte. Als "deutscher Tarantino" betitelt, entwickelten sich seine weiteren Werke sowohl kommerziell ("Kai Rabe gegen die Vatikankiller"), als auch qualitativ ("Auf Herz und Nieren") zu Flops und so landete er letztendlich im deutschen TV-Einheitsbrei ("Der Dicke", "Sperling"), da er nie wieder, den, an ihn gestellten Erwartungen, gerecht werden konnte.
Fazit:
Erstklassiger Film auf einer erstklassigen DVD...endlich!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Guter neuer Transfer, aber lange nicht perfekt!, 14. September 2009
Lange, sehr lange hat's gedauert, bis es von einem der erfolgreichsten deutsche Filme mal eine gescheite Blu-ray bzw. DVD Veröffentlichkeit zu kaufen gibt.
12 Jahre sind seit der Kinostart vergangen und Knockin' macht noch immer mehr als Spaß. Ein Film, dem man deutlich anmerkt, dass er mit viel Liebe gemacht wurde. Mit viel Liebe zum Film, viel Liebe bei der Arbeit mit einander und sehr viel Liebe zum Detail. Noch immer sind Zitate des Films im wahrsten Sinne des Wortes "spruchreif".
Knockin' zeigt auch, was die von Til Schweiger produzierten "Deutschen Filme" von anderen "Deutschen Filmen" unterscheidet: Sie sind einfach handwerklich auf einem internationalen Niveau und bieten echtes Kinofeeling. Genau das geht den meisten übrigen deutschen Produktionen komplett ab, die sich allenfalls nach TV-Filmen anfühlen.
Die Bildqualität der neuen Abtastung für die Blu-ray/DVD Veröffentlichung ist im Vergleich zu den bisherigen Veröffentlichung zwar eine Offenbahrung, aber nüchtern betrachtet immer noch lange nicht perfekt. Das fällt direkt zu Beginn des Films bei den Anfangstiteln auf, wo deutliche Verunreinigungen zu ekennen sind. Auch fehlende Schärfe und ein deutliches Rauschen ziehen die Qualität des neuen Transfers nach unten. Wer den Film allerdingsnur von den bisherigen, nicht anamorphen DVD Veröffentlichungen her kannte, die den Film zum Teil sogar im falschen Bildformat (1. Auflage) und in gräßlicher Qualität präsentierten, kann sich über diese Neuauflage wirklich nur freuen.
Besonders hervorzuheben ist das umfangreiche Bonus-Material, was wirklich unterhaltend und invormativ ist. Die Interviews und Kommentare machen einmal mehr deutlich, dass damals zur richtigen Zeit, die richtigen Leute zusammengekommen sind und einfach wirklich Spaß hatten bei diesem Film. Besonders gelungen ist der Kommentar von J.J. Liefers, Schweiger und Bleibtreu.
Ein weiteres Manko: Der Kunde bekommt kein Wendecover geboten, um dem grenzdebilen, deutschen FSK Kennzeichnungswahn- und Unsinn zu engehen. Da hätten Schweiger und Co. wirklich mit auf Buena Vista Einfluss nehmen müssen. Schließlich richtet sich diese VÖ von Aufmachung und Inhalt her vor allem an Filmliebhaber, die auch ein unverschandeltes Covermotiv verdient hätten.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spitzenfilm - schlechte DVD, 14. November 2004
Die gute - und auch wichtigere - Seite ist, daß "Knockin' on Heavens Door" der wohl beste deutsche Film des letzten Jahrzehnts ist.
Neben den jährlich abgelieferten deutschen Volksfernsehproduktionen, die eher dazu angetan sind, den deutschsprachigen Senderaum mit billiger, lizenzkostenfreier Ware zu beliefern (und die deutsche Schauspielerschaft beschäftigt zu halten), hebt sich Thomas Jahns kleines Meisterwerk wie eine Bob Dylan Platte aus der Masse der Bravo-Hitsampler.
"Knockin' on Heavens Door" ist ein junger, engagierter Film, der seine Vorbilder einerseits in der poppigen Action der Tarantino-Schule findet, und andererseits in seiner tiefgründigen Melancholie an die klassischen Produktionen des Film Noir - Genres erinnert.
Wie schwer wiegt seine Melancholie? Nun, für den, der sie hinter den Zeilen zu erkennen vermag, ist sie tief, geradezu besinnlich. Für den, der von der vordergründigen und absolut gelungenen Komik vereinnahmt ist, ist sie vielleicht nicht einmal erkennbar. Das macht die Kunst dieses Werks aus: Es ist in all seinen Facetten gelungen und vermag unterschiedlichster Zuseherschaft mit leichter Hand seine Botschaft zu vermitteln.
Aber jetzt mal zum schlechten Teil der Nachricht: Die vorliegende DVD des Labels Cine Plus ist dermaßen schlecht kopiert, daß sie eher wie ein Bootleg, das im Vorführraum heimlich mitgefilmt wurde, wirkt, und nicht wie ein Originaltransfer des Kinofilms! Das Bild ist unscharf, sehr kontrastarm und die Schattenanteile laufen bis zur Unkenntlichkeit zu. Wer den Film im Kinosaal gesehen hat, wird entsetzt sein.
Deshalb nur 4 Sterne in der Gesamtwertung. Es bleibt allerdings sehr zu hoffen, daß es demnächst auch mal einen Transfer gibt, der des Mediums DVD würdig ist!
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein