Diese Platte legte 1986 beredtes Zeugnis von Dylans in der zweiten Achtzigerhälfte einsetzender Identitätskrise und Schreibblockade ab: von den acht Titeln sind drei gecovert, von den anderen fünf schrieb er drei mit Koautoren. Das hatte es lange nicht mehr gegeben: zuletzt hatte Dylan '75 zusammen mit Jacques Levy an mehreren Titeln der "Desire" gearbeitet - aber was dabei herauskam, war nun wirklich eine gänzlich andere Liga als das hier!
"Knocked out loaded" stellt einen (wenn nicht den) absoluten Tiefpunkt in Dylans Diskographie dar, und darauf wiederum den Tiefpunkt bilden der Pseudo-Reggae Precious Memories (mit Steel Drums!) und vor allem They killed him - hier bringen die Trompeten und gar ein Kinderchor (!!) einen Dylan-Song auf Schlagerniveau runter. Auch namhafte Gastmusiker wie Dave Stewart, Ron Wood, Al Kooper, Al Perkins, T. Bone Burnett und ein Song wie Got my Mind made up, geschrieben mit Tom Petty und eingespielt mit den Heartbreakers, können es nicht rausreißen. Was umso erstaunlicher ist, als Dylans '86er Tour-Video "Hard to handle" belegt, wie die Heartbreakers ihn live zu Höhepunkten an Intensität beflügelten! Und auch wenn die Single Band of the Hand im selben Jahr nicht gerade Dylans größtes Werk war, zeigte sie doch ebenfalls, dass Dylan und die Heartbreakers ROCKEN konnten! Warum also nicht hier, warum dieser gesichtslose Produktions-Sirup? Einige Titel stammen von Sessions zum Vorgängeralbum "Empire Burlesque", und bezeichnenderweise finden sich auf beiden Alben keine Produzenten-Angaben - man darf vermuten, aus Scham...
Hatte Dylan in den Sechzigern begonnen, das Studio mit großer Souveränität als Werkzeug zu benutzen, um seine Visionen in Klang umzusetzen, so war er mit diesem Album zu einer reinen Marionette des Studios und der Anbiederung an den radiokompatiblen (vermeintlichen) Massengeschmack verkommen: es dominieren fette Sacharin-Synthis und ein Schlagzeug, das meistens über ein stupides "Uff-TSCHACK!!-uff-TSCHACK!!" nicht hinauskommt - der Sound leider so vieler Achtziger-Jahre-Produktionen. Wäre nicht Dylans Stimme unverkennbar zu hören, man würde sich fragen, welche Band hier zu Werke ging - aber nur für ein paar Augenblicke...
Den zweiten Stern bekommt die Platte von mir mit Ach und Krach einzig für das umwerfende Brownsville Girl, eine elfminütige Ballade, in der der wahre Dylan durchscheint und die unnachahmlich zwischen erzählten Strophen und einem jauchzenden Refrain hin- und herwandert. Der Text bietet genug Stoff als Entwurf für ein paar Drehbücher und fasziniert ungebrochen. Die fürchterlich zeitgeistige Produktion kann dem Song nicht wirklich etwas anhaben, und vom Qualitätsniveau her passt er im Grunde nicht auf diese Platte. Zum Glück ist er auch getrennt von diesem Album auf "Greatest Hits Vol. 3" (1994) und auf dem neuen Dreifach-Set "Dylan" zu finden.