Ein wunderbares Kräuterbuch! Pfarrer Kneipp - diesen Mann von «etwas herber und derber Gemütsart», wie er selber sagt - schon im Originalton zu lesen, ist ein Genuss, seine Erfahrung offenbar gigantisch und seine Ehrlichkeit sympathisch. Das gilt auch für seinen Umgang mit Heilwissen: Wie heutige Open-Source-Vertreter Computer-Software so will Kneipp dieses Wissen nämlich allen zugänglich machen, und das möglichst gratis. Sehr aktuell sind auch seine Ratschläge zur ordentlichen Führung einer Hausapotheke und zur richtigen Ernährung - wobei er in letzterem Punkt etwas gnädiger ist als heutige Naturheilkundler.
Ein Kränzchen winden muss man auch dem Verlag, der Kneipps Buch um einen biografischen Abriss zu dessen beeindruckendem Leben und Wirken erweitert und sorgfältig redigiert hat. So ist, wo (selten) nötig, ein Warnhinweis platziert und manch nützliche Übersetzung zu einigen von Kneipps heute nicht mehr gängigen Ausdrücken aufgeführt.
Allerdings funktioniert Kneipps «Hausapotheke» wirklich wie eine solche: Wer in ihr ein Mittel gegen ein bestimmtes Missbefinden sucht, muss wissen oder erst lesen, welches der versammelten Medikamente sprich Kräuter wogegen nützt. Ein Register, das einzelne Beschwerden bestimmten Kräutern zuordnet, wär hier noch nützlich gewesen.