Ich hatte mich schon auf den zweiten Fall von Chastity Riley gefreut und bin nicht enttäuscht worden. Mit einer ganz eigenen manchmal etwas derben Poesie fängt Simone Buchholz die Stimmung der heißen Sommertage in der Stadt ein - und nicht nur die Stimmung der Stadt, sondern auch die von Chas Riley, die sich diesmal mit Männern befassen muss, die sich sicherlich nicht selbst zerlegt und fein säuberlich in Plastikfolie verpackt, tief in den Elbschlamm begeben haben.
Die Autorin gibt Chas das Wort und lässt sie von diesen heißen Sommertagen und den lauen Nächten berichten, in denen sie sich in dieser Stadt immer wieder verliert und wieder findet. Mir kam dieser Krimi so vor, wie eine einzige Liebeserklärung an Hamburg im Sommer. Es sind die knappen Sätze, die trotz ihrer Kürze so voller Aussagekraft stecken und die vieles auf den Punkt bringen. Sie lassen außerdem sehr tief in das Wesen der Erzählerin blicken und zeigen, obwohl sie in ihrer Wortwahl gern burschikos vorgeht, eine hoch sensible, verletzliche und ungemein sympathische Frau, der man gern zuhört und bei ihren Ermittlungen über die Schulter blickt. Der Plot selber bietet nicht wirklich aufregend Neues, es sind vielmehr die einzelnen Personen, die hier das Herz der Handlung ausmachen und die so gut gelungen sind, dass man gern noch mehr über sie zu lesen bekommen möchte. Ich hoffe, es wird noch mehrere Fälle für dieses Hamburger Team geben.
Mein Fazit: Ein toller Hamburg-"Wohlfühl" -Krimi, spannend, etwas gefühlvoll, und voller Wärme wie ein lauer Sommerabend.