Aus der Amazon.de-Redaktion
Europa ist nur durch eine Schutzmauer vor den reißenden Fluten des Thetismeers geschützt, das nach der Klimakatastrophe längst fast alle anderen Landmassen überflutet hat. Vor der Strahlung schützt ein energetisches Kraftfeld, eine Kuppel aus Hodna, die auch die Verwendung von Simulakren ermöglicht. Doch diese energetisch erzeugten, humanoiden Wesen sind mit ihrem Dasein als Arbeitssklaven nicht zufrieden und hoffen auf eine ihnen angemessene Art des Daseins.
Die Armut der Flüchtlinge im Osten und der Reichtum im Westen führt zu neuen Ausbeutungen und Krankheiten in den Slums. Kulte und Religionen, Amazonenstämme bildeten sich und bieten den Armen eine Zufluchtstätte in der unwirklichen Realität dieser Zukunftsvision.
Aber Thetis. Anderswelt ist kein einfach zu lesender Science-fiction-Roman, sondern eine literarische Melange von SF-Versatzstücken mit phantastischen Elementen, Märchen und Parabeln. Und so findet man als Leser keine lineare Handlung vor, sondern wird mit fließenden Übergängen zwischen den Ebenen des Romans konfrontiert, die den virtuellen Übergang der Hauptperson Hans Deters so auch erzähltechnisch widerspiegeln. Alban Nikolai Herbst verändert dafür als Autor auch die Sprache und paßt sie den Bedürfnissen des Romans an.
In seiner Verwendung von SF-Elementen erinnert der Roman an die Romane und Kurzgeschichten von Ady Henry Kiss (Manhattan II, Baker's Barn und Atlantic City, oder Norman Ohlers Die Quotenmaschine.
Thetis. Anderswelt wurde im September 1999 mit dem Phantastik-Preis der Stadt Wetzlar ausgezeichnet. --Florian Breitsameter
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Konr@d (1/99)
Thetis. Anderswelttreibt Hans-Erich Dieters um. Da flaniert er durch die Stadt, und ihm scheint, als riefen die Hauswände: "Das hier könnte auch Paris sein! Oder Los Angeles! Oder Buenos Aires!" Noch glaubt Dieters, daß sein Kopf spinnt, da reißt ihn eine Unbekannte aus der Realität in die Anderswelt: "Komm ins Cafe Samhain und warte auf mich." Dieters rennt gleich hin, die Schöne aber läßt sich Zeit. So sitzt er also. Denkt weiter nach über die Geschichte einer computerisierten Anderswelt-Stadt. Und merkt nicht, wie sich das Kaffeehaus langsam mit den Gestalten seiner Phantasie füllt. Eine feine Idee von Autor Herbst; sprachlich allerdings ist sein Wälzer gewöhnungsbedürftig.
©Konr@ad
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.