Der ganz minimale Wermutstropfen vorab: Ein professioneller Lektor würde am vorliegenden Buch sicherlich noch ein bisschen herumdoktern: Rechtschreibung und Zeichensetzung bedürften an einigen Stellen des Buches einer Korrektur, zudem wäre ein professioneller Satz sicherlich ansprechender
Das tut aber weder der Wichtigkeit noch der Spannung dieses Buches einen Abbruch (daher auch die maximale Sternzahl).
Birgit Schlicke erzählt autobiographisch, wie sie mit der brutalen Diktatur der DDR aneinander geriet. Ein Ausreiseantrag, einige Briefe ins "westliche Ausland" und an die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt waren für das SED-Regime Grund genug, nicht nur ihren Vater, sondern auch sie selbst in Stasi-Untersuchungshaft zu nehmen (sie hatte die Briefe auf ihrer Schreibmaschine getippt). Dort erlebt sie widerwärtigen Zynismus und ungeheuren psychischen Druck. Von der Rechtsstaatlichkeit, die die DDR nach außen hin so gern vorgaukelte, keine Spur - was auch in ihrem Gerichtsverfahren deutlich wird. Das Urteil entspricht exakt der Forderung des Staatsanwaltes, sogar als Urteilsbegründung wird die Anklageschrift weitestgehend übernommen. Als "Langstraferin" mit einer Haftstrafe von mehr als 2 Jahren ohne Bewährung kommt Birgit Schlicke in einen Knast für Schwerverbrecherinnen. Die folgende Zeit ist für sie die Hölle. Was hat sie, die doch nichts weiter wollte als ihr Land zu verlassen, unter Mörderinnen und Räuberinnen zu suchen?
Erst die Wende am Ende des Jahres 1989 bringt für sie die lang ersehnte Entlassung aus der politischen Haft der grausamen Diktatur.
Ich habe dieses Buch in zwei Tagen durchgelesen - und in dieser Zeit jede freie Minute zum Lesen genutzt. Die autobiographischen Schilderungen von Frau Schlicke sind ungeheuer spannend und gleich in mehrfacher Hinsicht ein beeindruckendes Zeugnis: Ein Zeugnis der Widerwärtigkeit der Diktatur, aber auch ein Zeugnis ihres stellenweise unglaublich starken Willens und der Kraft, die ein Mensch auch in der scheinbar ausweglosesten Situation aus dem christlichen Glauben ziehen kann. So werden die Schilderungen abgerundet durch Zitate aus der Bibel und prominenter Glaubenszeugen wie Theresa von Avila oder Dietrich Bonhoeffer.
Das Buch ist unschätzbar wichtig und sollte jedem zu lesen gegeben werden, der die DDR immer noch für das "bessere Deutschland" hält.
Die Tatsache, dass sich für dieses beeindruckende Buch offenbar kein Verlag fand und es daher bei "Books on demand" erschienen ist, ist nichts weniger als eine Schande für das deutsche Verlagswesen. Auch und gerade deshalb würde ich für das Buch von Birgit Schlicke am liebsten noch einen sechsten Stern vergeben. *