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9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ständig fehl am Platz, 12. November 2001
Von Ein Kunde
Walter hat gerade das Abitur hinter sich. Der Ernst des Lebens beginnt. Aber eigentlich weiss er nicht, wohin er gehört. Er studiert Philosphie, leistet seinen Zivildienst ab, arbeitet in einer Buchhandlung. Doch nirgends gehört er dazu, nirgends kann er sich sozialisieren. Walter kann einfach kein Ich ausbilden. Er ist kaum je ein Handelnder, höchstens ein Stolpernder, eine Entwicklung findet nicht statt. Seine Tante ist die einzige Person, die ihn versteht, und sie stirbt. Culicchia lässt an all den Nebenfiguren kein gutes Haar. Mit satirischen, ironischen und sarkastischen Mitteln legt er deren Handeln bloss, das kein kritisches Moment der Reflektion kennt, sondern sich nur an Bewährtes und Normiertes lehnt. Culicchia greift gern Klischees auf, um sie dann spielerisch blosszustellen. Das liest sich sehr flüssig, immer wieder lacht man laut auf. Aber es ist oft ein Lachen, das aus einer Traurigkeit entspringt, dem es so vorkommen muss, als dass man die Dinge kaum ändern kann, und dass die Welt trotz aller Ideale nicht bevölkert ist von guten Menschen, sondern vor allem von eitlen und eigennützigen Menschen, die sich durch jede Mode zum Clown machen, die sich durch den Mainstream ihrer Identität berauben lassen.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein seltener Glücksfall, 26. Dezember 2000
Von Ein Kunde
Wenn man das heutige Italien nicht nur aus den Hochglanzbroschüren der Reisebüros kennt oder sich mit tradierten Vorurteilen über dieses Land begnügt, kann man nicht umhin über dieses knappe und gelungene Portrait eines Landes und seiner Gesellschaft zu staunen und vor allem zu lachen. Ich habe noch nie ein Buch gelesen, bei dem ich so viel lachen mußte, wie bei diesem. Zwar bleibt einem da von einiges im Halse stecken, aber immerhin. Die Hauptperson Walter passt einfach nicht in seine Zeit und in seine Gesellschaft. Er trägt keine Markenklamotten, gehört nicht der richtigen Clique an, und was in Italien das schlimmste ist, hat keine Beziehungen. Und weil er sich nicht verbiegen möchte, und an seinen Vorstellungen festhalten will, íst er in einem Volk, das von Fernsehen, Karriere und Geld besessen ist ein prächtiger Outsider. Der Vorwurf seines Vaters, er sei nicht wie die anderen, er denke, bringt es auf den Punkt. Nach dem Abitur beginnt für ihn der wahre Ernst des Lebens, der in Italien für einen Jugendlichen ein bißchen ernster ist, als z.B. in Deutschland oder Frankreich. Konfrontiert mit dem alltäglich Wahnsinn gelingt es ihm nicht, seinen persönlichen Vorteil im Auge zu behalten und z.B. durch geschicktes Kriechen sein Glück zu machen: ein feste Stelle zu bekommen. Und so kommt es, wie er es schon immer geahnt hat, er bekommt eine Stelle als Verkäufer, verdient einen Hungerlohn, ständig den Launen sei ner neurotischen Chefin ausgesetzt. Man merkt dem Autor an, daß seine literarischen Vorbilder Hemingway und P.P. Pasolini sind. Keine überflüssigen Beschreibungen, immer auf das wesentliche konzentriert, gelingt es ihm,die alltäglichen Widersprüche aufzuzeigen und unvermittelt nebeneinander zu stellen. Durch seine klare, knappe Sprache ist das Buch leicht zu lesen. Dieser Roman hat ein bißchen mehr zu bieten als "eine leichte Sommerlektüre" für denjenigen, der die Verhältnisse aus eigener Anschauung kennt. Selten wurde das Dolce Vita so ehrlich und witzig dargestellt wie von diesem Autor. Unbedingt lesen!
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
der italienische t.c.boyle? NEIN!, 30. Oktober 1999
Von Ein Kunde
wieso müssen die schönsten bücher gleichzeitig auch immer die kürzesten sein? würden sie sonst von ihrer perfektion und ihren reiz verlieren? bei solchen büchern bin ich nach weglegung der lektüre immer nahe dran, mich depressionen hinzugeben. man traut sie sich fast nicht lesen, weil man weiß, je schneller man dieses tut, desto schneller ist man die geschichte los. der vergleich mit bukowski und t.c.boyle erscheint mir aber nicht ganz richtig. bukowski trumpft vor allem mit seiner zeitweise allzu rauen schreibweise auf, boyle ist politisch ambitionierter. ich würde "knapp daneben" beinahe als etwas simpel bezeichnen, was aber eigentlich nicht allzu störend ist, gibt man sich voll und ganz dem gemeinen humor hin. alles in allem ein buch, dass nicht viel aufmerksamkeit und nachdenken verlangt, dennoch begeisterung hervorruft und manchmal nur allzu wahr ist.
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