Auf keinen Fall was für Leser, die sich nur gut unterhalten wollen. Hier geht es wirklich knallhart zur Sache. Was mit dem 15jährigen Michael passiert, ist für den Leser nur schwer auszuhalten. Eigentlich wächst Michael nur per Zufall in Zehlendorf, einem Villenviertel Berlins, auf, weil seine Mutter dort mit einem reichen Typen zusammen lebt, der die beiden vor die Tür setzt, als sie allmählich zunimmt und nicht mehr dem Ideal ihres Lovers entspricht. So müssen die beiden nach Neukölln ziehen, einem sozial schwierigen Viertel Berlins. Michael erfährt schon am ersten Schultag am eigenen Leib, dass hier nur das Gesetz des Stärkeren gilt. Prügel, bis Blut fließt, Abzocke und Erpressung durch die Clique Errols, eines türkischen Jungen, sind nun sein Alltag. Mit Crille und dessen Bruder Matze, seinen einzigen Freunden, gerät Michael auf die schiefe Bahn, begeht Diebstahl und handelt für Hamal mit Drogen. Schließlich endet alles in einer Katastrophe, der Leser hofft vergeblich auf ein Happy End für Michael. Aber das muss man als Leser eben aushalten können, obwohl ich am Ende geflennt habe. Trotzdem würde ich es wieder lesen, denn diesen Michael kann es in jeder Großstadt mit sozialen Problemen geben, seine Geschichte ist hart, aber so oder etwas anders "wahr". "Neukölln" gibt es nicht nur in Berlin und ist kein Fantasyland. Ich weiß jetzt nicht, ob ich das Buch ohne Einschränkung weiterempfehlen würde, aber auf jeden Fall ist das für mich eine Fünf-Sterne-Geschichte, weil der Autor ehrlich ansagt, was Sache ist.