Bei "Knallhart" handelt es sich um die Verfilmung eines gleichnamigen Romans von Gregor Tessnow. Der Multikulti-Stadtteil Berlin-Neukölln stellt den Hintergrund für eine Story dar, die genauso lakonisch und witzig wie eiskalt und gnadenlos ist. Der 15-jährige Michael Polischka leidet unter der Hilflosigkeit und Gleichgültigkeit seiner alleinerziehenden Mutter, einer eigensüchtigen Schlampe, die sich am liebsten von wohlhabenden Männern aushalten lässt, aber durchaus auch mit bettelarmen Künstlern ins Bett hüpft, wenn's denn gerade so passt. Dabei stört Michael dann nur.
Am Anfang des Filmes werden Mutter und Sohn aus einer Zehlendorfer Villa geworfen und landen in einer heruntergekommenen Neuköllner Mietwohnung. Michael wird in der neuen Schule gleich am ersten Tag als neuestes Opfer einer brutalen Türkengang ausgeguckt. Da er zwar durchaus sensibel, aber absolut kein Weichei ist, weiß er sich schon bald mit Hilfe einer Gruppe von Drogendealern seiner Haut zu wehren. Diese setzt ihn flugs als Kurier ein, was ihm anfangs zu Anerkennung und neuem Selbstbewusstsein verhilft. Michael wird von dem 1990 in Bargteheide bei Hamburg geborenen David Kross dargestellt, einer wunderbar natürlich aufspielenden Zuckerschnute.
Alle Haupt- und Nebenrollen in diesem Film sind unvergesslich gut besetzt, und selbst die ehedem notorisch nervige Partymaus Jenny Elvers-Elbertshagen, die sich ja seit einigen Jahren Schauspielerin nennt, zieht sich als Michaels nie wirklich erwachsen gewordene Mutter ganz respektabel aus der Affäre.
"Knallhart" war leider kein Kinoerfolg, gewann aber trotzdem 2006 verdientermaßen drei Deutsche Filmpreise. Wer frühere Werke des Regisseurs Detlev Buck kennt ("Männerpension"), dürfte sich über die ungeahnte Meisterschaft dieses schnellen, in blassen Farben gedrehten, mit großartigen Bildern und Einfällen wuchernden, wie mit einem Seziermesser auf den Punkt inszenierten Großstadtthrillers nur wundern - und natürlich sehr freuen. Ein wenig schade ist es allerdings, dass die Geschichte am Ende mit einem tragischen Racheakt von gleichsam schon biblischen Dimensionen belastet wird. Es hätte besser zu diesem Streifen gepasst, wenn es Michael gestattet worden wäre, in jedem Sinne seine bis dahin nur leicht befleckte jugendliche Unschuld zu bewahren.
Die DVD wartet mit einer Wundertüte an Bonusmaterial auf. Neben dem 'Making of' gibt es unter anderem viele Interviews, ein Musikvideo und eine von David Kross sehr sympathisch kommentierte Bildergalerie. Das 'Making of' zeichnet sich dadurch aus, dass der Regisseur während der Aufzeichnung seiner persönlichen Kommentare an offenbar nicht zu stoppendem Nasenbluten litt. Den Meister selbst scheint das nicht besonders zu stören, um so mehr dafür aber den Zuschauer am heimischen Bildschirm. In diesem Sinne: Gute Besserung, Herr Buck!