Der Mann hat's endlich geschafft. Nur noch oberste Plätze in den Americana Charts. Gute Verkaufsergebnisse, hohe Spielzahlen in den amerikanischen Radiosendern. Wenn das nix is?! Und da hatte ich schon die Befürchtung jetzt hat er sich angepasst - nix da! Er macht sein Ding, und das noch stärker akzentuiert als "wirklich sein Ding", sehr originär, sehr originell - was auch an der neuerdings stark politischen Ausrichtung der Texte liegen mag. Vor allem hat er sich aber auch bei weitem vom Klangeindruck seines Mentors Ray Wylie Hubbard emanzipiert.
Diesmal ist seine Aufnahme im Gegensatz zur letzten ohne jeden Stareinsatz eingespielt. Das musikailsche Spektrum umfasst hahezu den gesamten Americanabereich - lässt man mal dessen schwarze Teile außer acht - ergibt aber ein rundes Ganzes. Sie beginnt mit knalligem Sun Studio R`n'B (klasse E-Gitarre, superquietschige Orgel), geht über zu Country, setzt sich fort in spanischer Gitarre (sehr kunstvoll), es folgt ein Duett im Countrystil, danach eine Ballade, bevor es wieder kracht - und alles in allem zeitlos, geradezu neuartig! Selbst seine Stimme klingt nicht so abgehangen nach Ray Wylie Hubbard, wie vermeintlich auf seinen vergangenen Aufnahmen - denk' ich im ersten Moment.
Ich leg also aus Vergleichsgründen seine erste Aufnahme von 2002 auf....die klang doch tatsächlich schon genauso! War er denn nicht früher einfach nur der kleine Bruder von Ray Wylie Hubbard?! Genau hier tritt der erstaunlichste Effekt ein: würde ich heute eine R.W. Hubbard CD auflegen, würd' ich sagen "klingt wie ein reichlich müder Hayes Carll, sehr nett, sehr anarchisch aber verglichen mit Hayes Carll völlig unoriginell." Wie Zeit so alles umkehrt.....