Volker Arzt Schreibstil hat auf mich einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Auf der einen Seite finde ich es gut, dass Arzt seine Themen personalisiert, will heißen: er fährt weltweit zu Forschern und lässt diese 'im Feld' vom Gegenstand ihres Interesses erzählen. Hier läuft er zur Hochform auf und seine Schreibe ist plastisch, interessant und gut.
Auf der anderen Seite langweilt mich Arzts immer wieder geschilderte Ungeduld (z. B. S. 39 'über eine Stunde blieben wir in Bereitschaft, doch die Action wollte sich nicht einstellen') oder warum muss einem Buch mit dem Titel 'Kluge Pflanzen' ein mehrseitiger Sermon vorangeschaltet werden, warum man als Tierfilmer auch etwas Nettes über Pflanzen produzieren kann?
Gut finde ich auch nicht, dass Arzt in seinen Filmen gefaked hat, wie er auf Seite 157 im Zusammenhang des Schlüpfens der Nachtschwärmer zugibt.
Die abgehandelten Themen sind vielfältig: fleischfressende Pflanzen, Orchideen, Pflanzen und Ameisen, Gefahrenabwehr, Sex, Sprache bei Pflanzen und elektrische Signale bei Pflanzen. Genau dieses Kapitel war das für mich am spannendsten. Wissenschaftler haben gezeigt, dass Pflanzen, wenn sie z.B. verletzt werden, ein elektrisches Signal abgeben, das mit einer Geschwindigkeit von 1mm/Sekunde Richtung Wurzel verläuft. Warum ist das so? Pflanzen haben keine Nerven und vor allem kein Gehirn, wo sie diese Informationen auswerten können. Ich bin gespannt, welche Antworten uns zu diesem Thema noch gegeben werden, neben den Erklärungsversuchen von Arzt.
Leider ist dem Buch kein Literaturverzeichnis beigegeben. Das ein oder andere hätte ich gerne vertiefend noch einmal nachgelesen. Dafür ist im Buchdeckel eine DVD festgeklebt. Sie beinhaltet zwei Teile einer TV-Dokumentation zum Thema. Ich finde das einen echt netten Services.
Leider fehlt ein Tier, das im Buch erwähnt wird: in Afrika gibt es eine Froschart, die in der Nähe eines Wasserfalls lebt. Aufgrund des Lärmpegels quakt der Frosch nicht, sondern macht durch Winken seiner Hand die Partnerin auf sich aufmerksam ' das hätte ich gerne einmal im Bild gesehen.