Es überraschen Ereignisse, die dem Zeitgeist nicht zu entsprechen scheinen. Und daß eben Zeitloses manchmal über das Zeitliche zu siegen vermag, weiß ein im Josef Fink Kunstverlag erschienenes Buch über das Ereignis des Wiederaufbaus von Kloster Helfta zu dokumentieren.
Nach vierzig Jahren Sozialismus ersteht im sächsischen Mansfelder Land das Jahrhunderte alte Zisterzienserinnenkloster Helfta aus Trümmern.
Ein Bauvorhaben, das gewagt ist, sich von Spendengeldern finanziert und in breiten Kreisen auf Unverständnis stößt. „Klöster werden dicht gemacht, und ihr wollt ein Neues bauen?". Die verständlich verständnislose Frage bekam der Autor, Josef Hochenauer, mehr als einmal zu hören. Pfarrer Hochenauer selbst war und ist an den vielen mühsamen Schritten des Wiederaufbaus maßgeblich beteiligt. Daher vermag er auf sehr persönliche Weise auch von der Geschichte seines Engagements für Helfta zu berichten.
Dokumente - Gesuche, Bestätigungsschreiben, Schecks - veranschaulichen die oft schwierigen Maßnahmen dieser ,Neugründung'. Briefe und Schreiben von Persönlichkeiten aus Kirche und Politik demonstrieren andererseits ein Echo, das von einem außerordentlichen, befürwortenden Bewußtsein für das Projekt Helfta spricht.
Fotos von Helfta ,vorher' und ,nachher', Aufnahmen von Heiligen Messen, Firmungen und Weihen bekunden das einkehrende (spirituelle) Leben im Kloster.
Wie es dazu kam, daß eine Sprengung der historischen Stätte verhindert werden konnte -, daß da ein Ort, an dem ein enormes geistiges und historisches Vermächtnis hängt, neu aufleben konnte, stellt das reich bebilderte Buch dokumentarisch und chronologisch dar.
Daß es dabei um das Vermächtnis der drei wohl bekanntesten deutschen Mystikerinnen - Mechtild von Magdeburg, Mechtild von Hackeborn und Gertrud der Großen - geht, kann im Buch leider nur sehr am Rande vermittelt werden. In Anbetracht der so spannenden Ereignisse in den letzten Jahren kann dies aber auch gar nicht sein Anspruch sein.
Im Anhang allerdings zeichnet Heinrich Spaemann einen hervorragenden historischen Abriss der fast 800-jährigen Geschichte Helftas nach, und porträtiert die drei heiligen Mystikerinnen.
Das aufwendig gestaltete Buch ist ein Überblick über die jüngste Geschichte Helftas. Die persönliche Schreibart Hochenauers, mit dem er die Ereignisse rekapituliert, scheint vor allem an jene gerichtet zu sein, die dieses Wagnis miterlebt haben. Die Leserschaft könnte indes mit einem sachlicheren Stil eine größere sein. Dennoch ist dieses Buch, das „Kloster Helfta - dem Geschenk des Ostens an unser wiedervereinigtes Deutschland, an Europa und die Christenheit der Welt" - gewidmet ist, das beeindruckende Zeugnis eines „Abenteuer Gottes.