Klinik unter Palmen
Ich habe sie mir im Urlaub angetan. Ich habe schon eine Menge Serien gesehen, aber noch keine, die dermaßen unlogisch aufgebaut und schlecht gespielt ist. Hoffmann alias Wussow soll gefühlvoll rüberkommen, reagiert aber auf so ziemlich jede Nachricht gleich. Kurze, sanfte Überraschung auf dem Gesicht, dann wird weiter den Strand entlang geschlendert im gemächlichen die-Kamera-folgt-uns-Schritt.
Ob nun ein Kollege oder Freund stirbt, seine Geliebte draufgeht oder er rausfindet, dass er eine Tochter hat, von der er nichts wusste ... egal. Ein kurzer Kuss auf die Stirn der neugefundenen Tochter, dann wird weiter geschlendert, als wäre nichts gewesen. Das hat bei mir ebenso gemächliches Kopfschütteln ausgelöst.
Abgesehen davon, sollte keiner die Serie schauen, der wirklich Plan von Medizin hat oder im Krankenhaus arbeitet. Nur ein paar Beispiele:
Die Tür zum OP steht einfach offen und die eigentlich sterilen OP-Kittel hängen unverpackt an der Wand.
Während einer hochansteckenden "Seuche" im Krankenhaus, trägt niemand vom Personal Handschuhe und der Mundschutz wird im Beisein der Infizierten ständig abgenommen.
Ein Kind mit Herzstillstand, wird halbherzig dreimal wiederbelebt, dann bleibt Wussow untätig neben dem Bett stehen und tut nichts mehr, anstatt es nochmal zu versuchen, was man in jeder Klinik machen würde. Der Junge stirbt natürlich (vorher wurde er von einem Schwertfisch mit der Nase durchbohrt...äh ja).
Dann trieft die Handlung von Unlogik und peinlichen Szenen, bei denen man sich fremdschämt.
Auf einer thailändischen Insel sagt ein Einheimischer :"In der Klinik arbeiten Deutsche und Ausländer." Aha, also der Deutsche ist auf der Insel ein Deutscher und die Thailänder sind die Ausländer? Oder ist jeder Nicht-Deutsche ein Ausländer? Die Thailänder arbeiten ständig mit "chinesischer Medizin", keine Ahnung, ob das normal ist, aber man kapiert es nicht.
Auch Dr. Hoffmanns bester Freund Hannes, dessen hochschwangere Frau von Hoffmann samt Baby gerettet wird, ("Helfen Sie ihr! Ich kann nicht ohne sie leben!!") wird schon in der nächsten Folge von Hannes im Stich gelassen, der Hoffmann auf eine andere Klinikinsel folgt. Dort flirtet Hannes mit jedem Rock, der rumläuft. Frau und Kind sind vergessen und er holt sich bei Hoffmann sogar Rat, wie er die Oberschwester rumkriegen könnte, was Hoffmann nicht weiter schlimm findet.
In der Serie sterben Menschen wie die Fliegen und nie scheint sich die Polizei ernsthaft für die Toten und explodierenden Fahrzeuge zu interessieren. Nur Hoffmann kann gegen die Bösen kämpfen, die Drogen verbreiten, die sie aus "Chemiekalien" herstellen. Es wurde nicht mal die Mühe der Recherche in Angriff genommen, um den Chemiekalien einen Namen zu geben. Es ist einfach lächerlich, wenn der eine Boss zum anderen Drogenboss sagt: "Wann liefern Sie die Chemikalien?"(gerne gesprochen "Kemikalien")
Nach einer wilden Verfolgungsjagd zu Wasser haben die Bösen die Polizistin mit unschuldigem Opfer fast eingeholt ... Schnitt ... die Klinik ... Schnitt ...die Polizistin steigt aus dem Boot, umgeben von anderen Polizisten und die Verbrecher sind schon in Gewahrsam. Wie das passiert ist, bleibt geheim.
So könnte man endlose Liste erstellen. Nach ein paar Folgen ist man geradezu dankbar für jeden flotten Spruch oder pfiffige Szene (auch wenn mir spontan keine einfällt).
Fazit: Schöne Inselbilder, unlogischer Plot. Für Wussow-Fans okay. Der Rest sollte sich das nicht antun.