Pressestimmen
Rezension der Stuttgarter Zeitung vom 3.11.2005 Liegt das Paradies auf dem Grund des Persischen Golfes? Zwei Wissenschaftler aus dem Rems-Murr-Kreis verorten den Garten Eden neu - Klimawandel als Ursache ausgemacht Temperatur stark angestiegen - Übeltäter ist die Natur REMSHALDEN. Wo ist die Wiege der Menschheit, wo lag das Paradies? Norbert und Elmar Buchner - Geologe der eine und Techniker mit Hang zu Mythen der andere - haben sich dem Thema mit Hilfe der Klimaforschung genähert. Von Harald Beck Noah ist mit seiner Arche wohl doch nicht auf dem Berg Ararat gelandet. Und die 1998 von den US-Amerikanern Pitman und Ryan präsentierte dramatische Version einer Sintflut, die eine schlagartige Überflutung des im zuvor trockenen Schwarzmeerbecken gelegenen Paradieses durch das Mittelmeer gewesen sei, ist zwar faszinierend, gilt aber als widerlegt. Wo war es also, das Paradies auf Erden? Und weswegen ist der Mythos von einer Sintflut weltweit, in vielen verschiedenen Kulturkreisen zu finden? Der Winnender Technikprofessor Norbert Buchner und sein Sohn Elmar, ein Geologe, der Dozent an der Universität Hohenheim ist, haben sich jahrelang mit der Frage nach der Wiege der Menschheit und dem Weg ins Paradies beschäftigt. Der populärwissenschaftliche Lösungsvorschlag des Rätsels liegt seit Neuestem als 262-seitiges Buch vor, das die beiden Wissenschaftler aus dem Rems-Murr-Kreis im auf Archäologie und Volkskunde spezialisierten Remshaldener Verlag Greiner veröffentlicht haben. "Klima & Kulturen - Die Geschichte von Paradies und Sintflut" nennt sich das Werk, das sich in recht anschaulicher Weise auf die Suche nach dem nachweislich wahren Kern der Mythen über die Sintflut und das verlorene Paradies macht. Der Mann der Mythen ist dabei Norbert Buchner. Von Haus aus ist er Realist, einer, der sich im Berufsleben um Forschung und Entwicklung in einem weltweit agierenden Unternehmen gekümmert hat und zugleich als Professor an der Uni Hohenheim dozierte. Doch er pflegte jahrzehntelang die Vorliebe für die frühmenschliche Kultur - familiäre Prägung, sagt er bei einem Pressegespräch. Der einstige Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Edmund Buchner, war nicht nur sein Cousin, sondern auch ein Vorbild. Und Buchners Sohn Elmar, der Geologe, sei beim Familienprojekt derjenige gewesen, der das gemeinsame Werk wieder auf den Boden nachweisbarer Zusammenhänge zurückgeholt hat, wenn die Begeisterung den Herrn Papa etwas zu heftig mitgerissen habe. Am Anfang, sagt Norbert Buchner, habe allerdings nicht ein Buch, sondern schlicht die Neugierde der Autoren gestanden: Wo hat die Kultur angefangen? Und was steckt hinter der Klimadiskussion? Entstanden ist ein Werk, das die Mythen über die Sintflut durchaus nachvollziehbar mit geografischen und klimatologischen Erkenntnissen in Übereinstimmung bringt. Die Sintflut beschreibt demnach die Folgen jener klimatischen Veränderungen, die in der Zeit zwischen 18 000 und 9000 Jahre vor Christi Geburt dafür gesorgt haben, dass die zunächst fruchtbaren Ebenen auf dem Grund des heutigen Persischen Golfes nach und nach überflutet wurden. In jenem Zeitraum ist auf Grund des Temperaturanstiegs um vier bis acht Grad Celsius der Meeresspiegel um 130 Meter angestiegen, 40 Meter allein in einem Jahrhundert vor knapp 11 000 Jahren. Ganze Siedlungen im Gebiet der Wiege unserer Kultur, dort, wo die Autoren auch jenes Fleckchen Erde vermuten, das dann als Garten Eden in die Mythen einging, liegen unter Wasser begraben. Mit Erläuterungen zur Klimatologie und ausführlichen Erörterungen über Eiszeiten sowie die Ursachen und Folgen von Klimaänderungen in der Früh- und Vorgeschichte führen die Autoren ins Thema ein. Von der Wiege der Menschheit in Afrika über den persischen Paradiesmythos samt biblischer Übertragung und die Ursprünge der Landwirtschaft in jener Gegend führen die Spuren zu ebenjener Stelle, an der Euphrat und Tigris zusammenfließen. Dort kommen auch sonst all jene Faktoren zusammen, die dann als wahrhaft paradiesisch in die Erinnerung der Menschheit eingingen. Die vier Überflutungsphasen, die sich bis in die Zeit vor 9000 Jahren für jenes Gebiet nachweisen lassen, passen ebenso ins Bild wie die Temperaturentwicklung. Und ganz nebenbei hat das Buch auch eine Botschaft für die heutigen Diskussionen um den Klimawandel. Das Klima ist nicht stabil, sondern wandelbar. 0,5 Grad Erwärmung, sagt Elmar Buchner provozierend mit Verweis auf die Geschichte, "die kann man im Prinzip in der Pfeife rauchen". Die Natur habe da auch ohne Zutun des Menschen weit heftigere Klimasprünge zu Stande gebracht. Und der Dammbau hat langfristig auch beim Garten Eden nicht geholfen. Norbert Buchner und Elmar Buchner Klima & Kulturen - Die Geschichte von Paradies und Sintflut Greiner Verlag, Remshalden ISBN 3-935383-84-3 19,80 Euro.
Über den Autor
Dr. Elmar BUCHENER, Jahrgang 1965, ist Geologe und Dozent an den Universitäten Stuttgart und Stuttgart-Hohenheim. Nach einer preisgekrönten Dissertation erhielt er vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft ein Stipendium für eine Forschungsdozentur. Prof. Dr. Norbert BUCHNER, Jahrgang 1931, war Leiter von Forschung und Vorentwicklung in einem weltweit tätigen Unternehmen und Dozent an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Weitere Tätigkeiten galten UNO und Entwicklungshilfe und einer Mitarbeit in Regierungsdelegationen. Er ist Autor eines technisch-wissenschaftlichen Standardwerkes und Mitautor mehrer Bücher. Daneben richtete sich sein besonderes Interesse auf die Frühgeschichte der menschlichen Kultur. So führte ihn schon vor vielen Jahrzehnten eine Reise zusammen mit seinem Cousin Prof. Dr. Edmund Buchner, den späteren Präsidenten des Deutschen Archäologischen Institutes, in mehrere Länder des Orients. Nach weiteren Reisen an Stätten der Vor- und Frühgeschichte verdichtete sich dieses Interesse zum vorliegenden Buch.