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Nunmehr lebt Kenneth J. Hsü im Ruhestand, aus dem er sich nun mit obigem Buch zurückmeldet. "Klima macht Geschichte" lautet das Motto des Autors, und dies versucht er auf 334 Seiten zu belegen. Eines sei gleich vorweg gesagt: Das Ergebnis dieser schriftstellerischen Arbeit überzeugt in dieser Form nicht. Von den zwölf Kapiteln des Werkes haben vielleicht die Hälfte mit dem Klimathema unmittelbar zu tun, der Rest beschäftigt sich im wahrsten Sinne des Wortes mit Gott und der Welt, und das Klima bildet nur den Aufhänger für Geschichtstheorie, Linguistik, Anthropologie, Zivilisationskritik, Theologie, Gaia-Hypothese und diverse autobiographische Anmerkungen - ein etwas zweifelhaft mundendes Eintopfgericht aus Dutzenden von Zutaten. Besonders die persönlichen Einlassungen sind bestens dazu geeignet, den Leser zu nerven. Permanent verweist Mr. Hsü auf die Überlegenheit seiner Gedankengänge, stellt sich und seine Reputation unermüdlich in den Vordergrund und schildert (was in dem Zusammenhang wirklich niemand interessiert) die Spannungen zwischen "guten" und "schlechten" Familien in der chinesischen Gesellschaft.
"Klima macht Geschichte" ist somit alles andere als eine empirische Untersuchung, sondern eher eine lose Aneinanderreihung von Anekdoten, Essays, Kurzbeschreibungen - eine Tour de force durch alle Zeiten und Kontinente. Das Klima am Ende der Bronzezeit wird darin ebenso behandelt wie die süd- und mittelamerikanischen Kulturen oder die ehemaligen Seen der Sahara. "Vor 4000 Jahren gab es keine alpinen Gletscher" verkündet beispielsweise ein Zwischentitel. Allerdings basiert diese sensationelle Aussage lediglich auf einer regionalen Schweizer Stichproben-Untersuchung. Wenige Seiten später kommt die Rede auf "Ötzi", den berühmten, 5300 Jahre alten Gebirgsbewohner, der sein "Überleben" dem dauerhaften Verharren im Permafrost verdankt. Allerdings nicht in einem Gletscher, sondern in einem "Eisfeld". So kann man's eben auch sehen. Und so sieht der Autor leider nur das, was in seine Denkschablonen passt. Im Schnellverfahren fällt er ein Urteil nach dem anderen, unabhängig davon, ob die behandelten Themeninhalte faktisch gesichert sind oder nicht.
Es gibt in der Klimatologen-Gemeinde zwei Fraktionen. Die eine ist überzeugt, dass die sprunghafte Zunahme der Emissionsgase in der Atmosphäre einen rapiden Klimawandel hervorrufen wird, während die andere betont, dass es wechselnde klimatische Bedingungen schon immer gegeben hat. Kenneth J. Hsü geht noch einen Schritt weiter. Für ihn ist das Schlagwort vom Treibhaus-Effekt nicht nur leeres Gerede, sondern ein politisches Manöver der Kernkraft-Industrie, die auf diese Weise, indem sie Zweifel und Ängste schürt, ihre Interessen gegenüber herkömmlichen Energieerzeugern durchsetzen will. Damit ist der Fall für den Verfasser mehr oder minder erledigt. Seriös ist dieses Vorgehen gewiss nicht. Wenn für ein endgültiges Verdikt keine ausreichenden Fakten vorliegen, sollte man daran gehen, diese Fakten zu sammeln und auszuwerten, und das so lange, bis Klarheit herrscht. Das ist die wissenschaftliche Methode. Alles andere ist Ideologie. Und diese Art von Ideologie nimmt gegen Ende des Buches leider überhand. Selbst wenn die Erde wider Erwarten einer globalen Erwärmung ausgesetzt sein sollte, ist dies laut Mr. Hsü kein Grund zur Beunruhigung. Denn erstens wird der Planet als sich selbst steuerndes System (Gaia-Hypothese) die Dinge irgendwann wieder regeln, und zweitens war ein wärmeres Klima dem kulturellen Aufschwung schon immer förderlicher als ein kühles. Dass die natürliche Selbstregelung nicht unter die Rubrik "rasche Lösungen" fällt und oft Millionen Jahre beansprucht, scheint für den Autor keine Rolle zu spielen. Auch nicht, dass viele Inselstaaten und Küstenregionen von einer Erwärmung in katastrophalem Maße betroffen wären. Schließlich wird der Homo sapiens früher oder später sowieso von der Erde verschwinden.
Fazit: Ein ideologisches, einseitiges und stellenweise peinliches Buch. Zum Thema Klima gibt es wesentlich bessere Werke, zumal Abbildungen, Diagramme und Zeittafeln ebenso fehlen wie ein Register.
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