Die Verliebtheit ins Internet mit all den digitalen Angeboten kann man wohl am besten mit dem alten Song vergleichen "und es hat ZOOM gemacht". Eigentlich wollte man nur den Datenverkehr erleichtern und beschleunigen, doch dann hat es "Klick" gemacht - und schon ist aus einer Idee, einem Nutzen eine Gefahr geworden.
Man kann dies nun allzu kulturkritisch sehen und sollte es auch; denn viel zu wenig erforscht und hinterfragt ist es, wie die rasche Verbreitung von Bildern und Texten über den ganzen Globus mit einem Klick das Denken und Handeln der Menschen auch in Bezug auf ihre persönliche Identität hin verändert.
Ein besonderer Verdienst von Susanne Gaschke ist es in diesem Buch, das kritiklose Verbreiten digitaler Zugänge aufzuzeigen. Nur weil man in der Berufswelt ohne PC und oftmals Internet nicht mehr auskommt, heißt dies noch lange nicht, dass schon von frühen Kindesbeinen an in den vor- und schulischen Bildungseinrichtungen (bei Kindergärten spricht man ja schon seit einigen Jahren weniger von eienr pädagogischen Einrichtung!) die Kinder mit diesen Medien vollends vertraut gemacht werden müssen - oder wie es manchmal heißt: den spielerischen Umgang mit Medien erlernen sollen.
Wirtschaftliche Interessen stehen hier oftmals im Vordergrund, was beispielsweise das Nutzen von PC-Programmen und Internetzugängen angeht. Zudem wird mittels Suchmaschinen und digitalen Lexika eine Auswahl von Wissenszugängen geschaffen, was im negativen Sinne zu einer Konzentration von Wissen führen kann, wie es oftmals heute schon durch Konzentrationsbemühungen von Medienkonzernen passiert.
Wer nicht gelernt hat, über einem längeren Zeitraum zu lesen, aus unterschiedlichen Quellen das Wissen zu erschließen, sich ein persönliches und differenziertes Bild anzueignen, der wird Mühe haben, dem trendigen Schnellinformationweg unserer Zeit sich zu entziehen.
Die vielen Beispiele der Autorin zeigen auf, dass man hier wachsam sein sollte, ohne direkt das Internet zu "verteufeln"; aber es als ein engelsgleiches Geschenk schlechthin anzusehen, wird ihm auch nicht gerecht. So ist Susanne Gaschkes Weckruf eine gelungene Mahnung zur Wachsamkeit, zur Kritik und zum vorsichtigen Umgang mit den digitalen Medien.
Ihre "Strategien gegen die digitale Verdummung" hätten aber insgesamt ausführlicher und konkreter sein können. So fehlt es an Hinweisen - beispielsweise für Jugendliche und Eltern - an welchen Kriterien sie sich ausrichten sollten, wenn sie sich in Internetforen bewegen oder Informationen aus zum Beispiel "Wikipedia" nutzen. Hier wäre es gut gewesen, auf einschlägige Internetseiten hinzuweisen bzw. auf Institutionen und Beratungsstellen, die für einen sorgsamen Umgang mit dem Internet bzw. in Foren Unterstützung anbieten, hinzuweisen.
Ein Buch, das allen Verantwortlichen in Politik, Erziehung und Bildung sowie den Eltern sehr ans Herz zu legen ist.
Die virtuelle Welt ist eine IN dieser Welt und NICHT NEBEN der realen Welt.
Und so sollte das Buch helfen - pointiert formuliert - rechtzeitig den Verstand einzuschalten, und nicht nur den Zugang zum Internet!