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Klick: Zehn Autoren erzählen einen Roman [Gebundene Ausgabe]

Nick Hornby , David Almond , Eoin Colfer , Roddy Doyle , Deborah Ellis , Margo Lanagan , Gregory Maguire , Ruth Ozeki , Linda Sue Park , Tim Wynne-Jones , Birgitt Kollmann
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Man merkt die Begeisterung, mit der diese literarische Komposition die Autoren beflügelte. Auf ganz unterschiedliche Weise entwickeln sie um die Figur des Fotografen Gee kurze, oft sehr emotionale Episoden, die Jugendliche an Wendepunkten ihres Lebens zeigen. Die Autoren spielen raffiniert mit einzelnen Motiven - KLICK fasziniert durch die variantenreiche Vielfalt des Erzählens, die, im Jugendbuch ungewöhnlich, auf Interpretationshilfen verzichtet. Zehn Autoren erzählen einen Roman, ihre Leser haben sie damit gefunden." (Roswitha Budeus-Budde, Süddeutsche Zeitung, 03.04.09)

"Den Autoren ist das Wunder gelungen, dass der Roman wie aus einem Guss ist. Eine faszinierende Collage aus Erzählungen - nicht nur für Jugendliche!" (Gabriela Wenke, Eselsohr, April 09)

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1

MAGGIE

»Also ehrlich, wieso packst du denn nicht aus?«, fragte Jason. »Willst du nicht wissen, was drin ist?« Maggie umklammerte das in braunes Papier gewickelte Päckchen auf ihrem Schoß. Es war nur wenig kleiner als ein Schuhkarton. Klar – natürlich wollte sie wissen, was darin war –
Aber nicht hier. Nicht hier, wo alle sie anstarrten, Mom und Dad und Jason… Ich muss allein sein. Und ich muss dabei auf der Couch sitzen.
»Komm schon, Mags.« Jason versuchte es jetzt auf die sanfte Tour. »Du musst dir mal meins angucken.«
Er hatte sein Geschenk sofort ausgepackt, einen Stapel Fotos berühmter Spitzensportler. Richtig berühmter Leute wie Tiger Woods und Lance Armstrong und Michael Jordan, und jedes Foto trug ein Autogramm mit einer persönlichen Widmung für Jason. Gee musste sie über Jahre hinweg gesammelt haben.
Grandpa Gee, der Fotoreporter. An die fünfzig Jahre war er durch die ganze Welt gereist und hatte fotografiert. Krieg. Natur. Menschen. Sportereignisse. Das Thema, an dem er nicht in teressiert war, gab es nicht. Sein richtiger Name war George – George Keane –, aber seine Fotos hatte er immer mit »G. Keane« signiert, weswegen ihn jeder Gee nannte.
Jason und Maggie hießen Henschler – Gee war Moms Vater –, aber Gees Name kam in ihrem eigenen trotzdem vor: Jason Keane Henschler und Margaret Keane Henschler. Maggie fand es schön, Keane als Mittelnamen zu haben, ohne Bindestrich. Dads Familie liebte sie auch, aber in ihrem Herzen – tief in sich drin – war sie doch hauptsächlich eine Keane.
Mom und Dad waren bei Gees Anwalt gewesen und hatten die Geschenke mitgebracht, die Gee Jason und Maggie testamentarisch vermacht hatte.
»Jason«, sagte Dad. »Das ist ganz allein Maggies Entscheidung.« »Ist ja gut«, murmelte Jason.
Maggie sah Dad dankbar an. Dann nahm sie ihr Päckchen und ging zur Couch im Arbeitszimmer, wo sie seit der Beisetzung einen Großteil ihrer Zeit verbracht hatte.
Nach der Trauerfeier war das Haus voller Menschen und Essen gewesen – wieso brachten die Leute immer Essen mit, wenn jemand gestorben war? Dabei war Essen das Letzte gewesen, wonach Maggie zumute war. Es war nett gemeint, sicher, aber sie hatte es nicht mehr ausgehalten unter all den Menschen mit ihren kummervollen Blicken und den mitleidig gemurmelten Bemerkungen wie Maggie und er hingen wirklich sehr aneinander. Arme Kleine. Also hatte sie sich unauffällig ins Arbeitszimmer verdrückt und die Tür geschlossen. Dort war sie auf der Couch eingeschlafen, und als sie am nächsten Morgen aufwachte, merkte sie, dass irgend jemand sie zugedeckt hatte, vermutlich Mom. Ansonsten hatte man sie aber in Ruhe gelassen.
Jetzt, drei Tage nach der Beisetzung, lebte Maggie mehr oder weniger auf der Couch. Natürlich nicht den ganzen Tag. Sie musste die Couch verlassen, um zur Schule oder ins Bad zu gehen oder um irgendwelche Dinge aus anderen Zimmern zu holen. Aber ansonsten kauerte sie auf immer demselben Polster, rechts, auf Gees altem Platz. Da machte sie ihre Hausaufgaben, hörte Musik oder las, und wenn sie von Zeit zu Zeit die Hintertür hörte, wusste sie, dass Jason gerade kam oder ging. Das Essen bekam sie auf einem Tablett serviert. Jeden Abend steckte Mom den Kopf zur Tür her ein und fragte: »Alles in Ordnung mit dir?« Dann nickte Maggie stumm, und Mom sah sie ein Weilchen an, bevor sie seufzend verschwand.
Maggie legte das Päckchen behutsam auf das Tischchen mit der Lampe neben der Couch. Dann setzte sie sich und zupfte an einem losen Faden des durchgesessenen Tweed-Polsters.
Die verstehen mich einfach nicht. Keiner von denen.
Nicht Mom, die wieder arbeitete, seit Maggie vor Kurzem auf die Junior High gewechselt hatte und alt genug war, um auf sich selbst aufzupassen. Nicht Dad, der seit seiner großartigen Beförderung nur noch auf Konferenzen oder Sitzungen war. Und auch nicht der coole Jason, der in seinem letzten High-School-Jahr immer beschäftigt war – mit seinen Freunden oder seinem Nachmittagsjob – und nie einfach mal zu Hause bleiben konnte. Gee war der Einzige in der Familie gewesen, der Maggie zuhörte, wirklich zuhörte. Mit ihm Geschichten auszutauschen, das war immer das Schönste für sie gewesen.
Und ausgerechnet er musste sie verlassen.
Ein Herzinfarkt, ohne Vorwarnung. Zumindest hatte sie von nichts gewusst. Mom hatte irgendwann gesagt, Gee habe am Telefon erwähnt, dass er sich müde fühle, aber Maggie hatte sich deswegen keine Gedanken gemacht. Eine Woche später war er tot.
Maggie saß auf der Couch und starrte auf das Päckchen. Sie nahm es in die Hand und schüttelte es sacht, bis ein leises Klappern darin zu hören war. Dann drehte sie es um und zog den ersten Klebstreifen ab.
Nein. Wenn ich es aufmache, dann ist es wie mein allerletzter Kontakt mit Gee.
Noch nicht.
Sie drückte den Klebefilm wieder fest an.

Maggie konnte sich nicht an eine Zeit ohne Gees Besuche erinnern. Von Zeit zu Zeit hatte Mom gesagt: »Gee kommt heute Abend rüber.« Wann immer Gee von einer seiner Reisen in ferne Gegenden zurück war, kam er gleich am ersten Abend Maggies Familie besuchen, stets so gegen acht.
Maggie hielt dann schon Ausschau nach ihm. Als kleines Mädchen hatte sie sich auf die Couch gestellt, um über die Lehne hinweg durchs Fenster schauen zu können. Als sie dann älter wurde, kletterte sie hinauf und setzte sich auf die Polster der Rückenlehne – aus jener Zeit war das mittlere noch immer leicht eingedellt.
Sobald sie seinen Wagen auf der Straße kommen sah, sprang sie vom Sofa und rannte zur Haustür. Sie musste auf der Veranda stehen, bevor Gee ausgestiegen war, das war eine eiserne Regel. Sie gingen zusammen ins Haus, wo Gee die übrige Familie begrüßte und mit ihnen redete, während Maggie wartete.
Dann gingen Gee und Maggie ins Arbeitszimmer und setzten sich zum Geschichtentauschen auf die Couch. Gee wusste immer viele Geschichten zu erzählen von den schönen Orten in der Fremde, an denen er gewesen war. Aber bevor er erzählte, musste Maggie ihm eine Geschichte erzählen über irgendetwas, das sie getan oder gesehen oder gelesen hatte, seit sie das letzte Mal zusammengesessen hatten.
Früher war auch Jason immer mit von der Partie gewesen, aber das war vorbei. Seit vielleicht einem Jahr wollte Jason überhaupt nichts mehr mit der Familie zu tun haben; fast schien es, als könnte er ihren Anblick nicht ertragen.
Maggie hatte eine ganze Weile gebraucht, bis sie sich an den Geschichtentausch ohne Jason gewöhnt hatte. Erst im Nachhinein wurde ihr klar, dass er dabei oft Dinge erzählt hatte, die er sonst nie erwähnte. Sie konnte es nicht verstehen – Jason hatte den Geschichtentausch genauso geliebt wie sie selbst. Okay, er hatte nicht mehr so viel Zeit, weil er jetzt regelmäßig jobbte, aber deswegen musste er sich doch sonst nicht so blöd aufführen! Was war bloß los mit ihm? Immerhin war der Geschichtentausch auch ohne ihn weitergegangen. Während Gee unterwegs war, tat Maggie ihr Bestes, um nichts zu verpassen. Sie hielt Augen und Ohren auf, probierte Neues aus und merkte sich, was sie las, damit sie eine gute Geschichte parat hatte, wenn Gee zurückkam. Ob Maggie von einem Erlebnis in der Schule erzählte, einen Film beschrieb, den sie gesehen hatte, oder eines ihrer Fußballspiele ausführlich schilderte, Gee hörte immer ganz genau hin.
Wenn Maggie fertig war, kam Gee an die Reihe. Seine Geschichten begannen fast immer mit einem Foto oder einem kleinen Gegenstand, den er aus der Tasche zog. »Rate mal, was ich hier habe«, sagte er dann.
Einmal war es ein zierlicher Käfig aus Drahtgeflecht und Bambus, so klein, dass er mühelos auf Gees Handfläche passte. »Ein Grillenkäfig«, sagte Gee. »In Japan und China gibt es Menschen, die Grillen als Haustiere halten. Um sie singen zu hören.« Ein anderes Mal zeigte er ihr das Bild eines Mädchens, etwa in Maggies Alter, völlig durchnässt, das Gesicht mit einem breiten Lachen dem...

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1

MAGGIE

»Also ehrlich, wieso packst du denn nicht aus?«, fragte Jason. »Willst du nicht wissen, was drin ist?« Maggie umklammerte das in braunes Papier gewickelte Päckchen auf ihrem Schoß. Es war nur wenig kleiner als ein Schuhkarton. Klar – natürlich wollte sie wissen, was darin war –
Aber nicht hier. Nicht hier, wo alle sie anstarrten, Mom und Dad und Jason… Ich muss allein sein. Und ich muss dabei auf der Couch sitzen.
»Komm schon, Mags.« Jason versuchte es jetzt auf die sanfte Tour. »Du musst dir mal meins angucken.«
Er hatte sein Geschenk sofort ausgepackt, einen Stapel Fotos berühmter Spitzensportler. Richtig berühmter Leute wie Tiger Woods und Lance Armstrong und Michael Jordan, und jedes Foto trug ein Autogramm mit einer persönlichen Widmung für Jason. Gee musste sie über Jahre hinweg gesammelt haben.
Grandpa Gee, der Fotoreporter. An die fünfzig Jahre war er durch die ganze Welt gereist und hatte fotografiert. Krieg. Natur. Menschen. Sportereignisse. Das Thema, an dem er nicht in teressiert war, gab es nicht. Sein richtiger Name war George – George Keane –, aber seine Fotos hatte er immer mit »G. Keane« signiert, weswegen ihn jeder Gee nannte.
Jason und Maggie hießen Henschler – Gee war Moms Vater –, aber Gees Name kam in ihrem eigenen trotzdem vor: Jason Keane Henschler und Margaret Keane Henschler. Maggie fand es schön, Keane als Mittelnamen zu haben, ohne Bindestrich. Dads Familie liebte sie auch, aber in ihrem Herzen – tief in sich drin – war sie doch hauptsächlich eine Keane.
Mom und Dad waren bei Gees Anwalt gewesen und hatten die Geschenke mitgebracht, die Gee Jason und Maggie testamentarisch vermacht hatte.
»Jason«, sagte Dad. »Das ist ganz allein Maggies Entscheidung.« »Ist ja gut«, murmelte Jason.
Maggie sah Dad dankbar an. Dann nahm sie ihr Päckchen und ging zur Couch im Arbeitszimmer, wo sie seit der Beisetzung einen Großteil ihrer Zeit verbracht hatte.
Nach der Trauerfeier war das Haus voller Menschen und Essen gewesen – wieso brachten die Leute immer Essen mit, wenn jemand gestorben war? Dabei war Essen das Letzte gewesen, wonach Maggie zumute war. Es war nett gemeint, sicher, aber sie hatte es nicht mehr ausgehalten unter all den Menschen mit ihren kummervollen Blicken und den mitleidig gemurmelten Bemerkungen wie Maggie und er hingen wirklich sehr aneinander. Arme Kleine. Also hatte sie sich unauffällig ins Arbeitszimmer verdrückt und die Tür geschlossen. Dort war sie auf der Couch eingeschlafen, und als sie am nächsten Morgen aufwachte, merkte sie, dass irgend jemand sie zugedeckt hatte, vermutlich Mom. Ansonsten hatte man sie aber in Ruhe gelassen.
Jetzt, drei Tage nach der Beisetzung, lebte Maggie mehr oder weniger auf der Couch. Natürlich nicht den ganzen Tag. Sie musste die Couch verlassen, um zur Schule oder ins Bad zu gehen oder um irgendwelche Dinge aus anderen Zimmern zu holen. Aber ansonsten kauerte sie auf immer demselben Polster, rechts, auf Gees altem Platz. Da machte sie ihre Hausaufgaben, hörte Musik oder las, und wenn sie von Zeit zu Zeit die Hintertür hörte, wusste sie, dass Jason gerade kam oder ging. Das Essen bekam sie auf einem Tablett serviert. Jeden Abend steckte Mom den Kopf zur Tür her ein und fragte: »Alles in Ordnung mit dir?« Dann nickte Maggie stumm, und Mom sah sie ein Weilchen an, bevor sie seufzend verschwand.
Maggie legte das Päckchen behutsam auf das Tischchen mit der Lampe neben der Couch. Dann setzte sie sich und zupfte an einem losen Faden des durchgesessenen Tweed-Polsters.
Die verstehen mich einfach nicht. Keiner von denen.
Nicht Mom, die wieder arbeitete, seit Maggie vor Kurzem auf die Junior High gewechselt hatte und alt genug war, um auf sich selbst aufzupassen. Nicht Dad, der seit seiner großartigen Beförderung nur noch auf Konferenzen oder Sitzungen war. Und auch nicht der coole Jason, der in seinem letzten High-School-Jahr immer beschäftigt war – mit seinen Freunden oder seinem Nachmittagsjob – und nie einfach mal zu Hause bleiben konnte. Gee war der Einzige in der Familie gewesen, der Maggie zuhörte, wirklich zuhörte. Mit ihm Geschichten auszutauschen, das war immer das Schönste für sie gewesen.
Und ausgerechnet er musste sie verlassen.
Ein Herzinfarkt, ohne Vorwarnung. Zumindest hatte sie von nichts gewusst. Mom hatte irgendwann gesagt, Gee habe am Telefon erwähnt, dass er sich müde fühle, aber Maggie hatte sich deswegen keine Gedanken gemacht. Eine Woche später war er tot.
Maggie saß auf der Couch und starrte auf das Päckchen. Sie nahm es in die Hand und schüttelte es sacht, bis ein leises Klappern darin zu hören war. Dann drehte sie es um und zog den ersten Klebstreifen ab.
Nein. Wenn ich es aufmache, dann ist es wie mein allerletzter Kontakt mit Gee.
Noch nicht.
Sie drückte den Klebefilm wieder fest an.

Maggie konnte sich nicht an eine Zeit ohne Gees Besuche erinnern. Von Zeit zu Zeit hatte Mom gesagt: »Gee kommt heute Abend rüber.« Wann immer Gee von einer seiner Reisen in ferne Gegenden zurück war, kam er gleich am ersten Abend Maggies Familie besuchen, stets so gegen acht.
Maggie hielt dann schon Ausschau nach ihm. Als kleines Mädchen hatte sie sich auf die Couch gestellt, um über die Lehne hinweg durchs Fenster schauen zu können. Als sie dann älter wurde, kletterte sie hinauf und setzte sich auf die Polster der Rückenlehne – aus jener Zeit war das mittlere noch immer leicht eingedellt.
Sobald sie seinen Wagen auf der Straße kommen sah, sprang sie vom Sofa und rannte zur Haustür. Sie musste auf der Veranda stehen, bevor Gee ausgestiegen war, das war eine eiserne Regel. Sie gingen zusammen ins Haus, wo Gee die übrige Familie begrüßte und mit ihnen redete, während Maggie wartete.
Dann gingen Gee und Maggie ins Arbeitszimmer und setzten sich zum Geschichtentauschen auf die Couch. Gee wusste immer viele Geschichten zu erzählen von den schönen Orten in der Fremde, an denen er gewesen war. Aber bevor er erzählte, musste Maggie ihm eine Geschichte erzählen über irgendetwas, das sie getan oder gesehen oder gelesen hatte, seit sie das letzte Mal zusammengesessen hatten.
Früher war auch Jason immer mit von der Partie gewesen, aber das war vorbei. Seit vielleicht einem Jahr wollte Jason überhaupt nichts mehr mit der Familie zu tun haben; fast schien es, als könnte er ihren Anblick nicht ertragen.
Maggie hatte eine ganze Weile gebraucht, bis sie sich an den Geschichtentausch ohne Jason gewöhnt hatte. Erst im Nachhinein wurde ihr klar, dass er dabei oft Dinge erzählt hatte, die er sonst nie erwähnte. Sie konnte es nicht verstehen – Jason hatte den Geschichtentausch genauso geliebt wie sie selbst. Okay, er hatte nicht mehr so viel Zeit, weil er jetzt regelmäßig jobbte, aber deswegen musste er sich doch sonst nicht so blöd aufführen! Was war bloß los mit ihm? Immerhin war der Geschichtentausch auch ohne ihn weitergegangen. Während Gee unterwegs war, tat Maggie ihr Bestes, um nichts zu verpassen. Sie hielt Augen und Ohren auf, probierte Neues aus und merkte sich, was sie las, damit sie eine gute Geschichte parat hatte, wenn Gee zurückkam. Ob Maggie von einem Erlebnis in der Schule erzählte, einen Film beschrieb, den sie gesehen hatte, oder eines ihrer Fußballspiele ausführlich schilderte, Gee hörte immer ganz genau hin.
Wenn Maggie fertig war, kam Gee an die Reihe. Seine Geschichten begannen fast immer mit einem Foto oder einem kleinen Gegenstand, den er aus der Tasche zog. »Rate mal, was ich hier habe«, sagte er dann.
Einmal war es ein zierlicher Käfig aus Drahtgeflecht und Bambus, so klein, dass er mühelos auf Gees Handfläche passte. »Ein Grillenkäfig«, sagte Gee. »In Japan und China gibt es Menschen, die Grillen als Haustiere halten. Um sie singen zu hören.« Ein anderes Mal zeigte er ihr das Bild eines Mädchens, etwa in Maggies Alter, völlig durchnässt, das Gesicht mit einem breiten Lachen dem...

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