Mia ist ein selbstbewusstes Mädel aus einem Provinzkaff im bayrischen Pfaffenwinkel und lebt für Partys, Alkohol, Drogen und schnellen Sex. Für gewöhnlich bekommt sie auch was sie will und hat meist ihren Spaß dabei. Gelegentliche Momente der Reue und Selbstreflexion vergehen schnell und sie lebt ihre Neigungen weiter aus.
Bis da dieser Kerl auftaucht, Noah. Klar will sie mit ihm ins Bett. Doch könnte sie sich mehr als eine Nacht mit ihm vorstellen, eine Beziehung mit ihm erscheint erstmalig interessant. Doch Noah widersteht auch über längere Zeit all ihren Annäherungsversuchen, hält sie auf Distanz und irgendwann spricht er dann sogar von Freundschaft. Dermaßen gekränkt sucht Mia das Weite und fällt in alte Gewohnheiten zurück. Ein plötzlicher Unglücksfall bringt Mia und Noah einander wieder näher, doch finden sie diesmal ihr Glück?
Mirjam Dreer beschreibt mit klaren und spritzigen Worten das schnelle Leben der Jugendlichen. Mit welchem Selbstverständnis und gleichzeitiger Hilflosigkeit sie Halt, Nähe, Wärme und Liebe suchen. Ganz offen und unverblümt wird mit der offen ausgelebten weiblichen Sexualität umgegangen, die Promiskuität nicht verherrlicht, aber auch nicht verteufelt. So provokativ das Buchcover auch sein will, so wenig hat mich der Inhalt schockiert. Kenne ich doch aus dem Freundeskreis einige Frauen, die sehr genaue Vorstellungen von ihrem Sexualleben haben und das auch für sich passend gestalten ' das gehört zum heutigen Leben dazu. Interessanter als eine wild ausgelebte Sexualität ist in diesem Buch jedoch das teilweise Unvermögen, sich seiner Gefühle klar zu werden und diese nach außen hin in eine Beziehung einzubringen. Zu groß der öffentliche Druck und der eigene Wunsch nach Mr. und Mrs. Right und noch größer die Versagensängste. So treten am Ende die sexuellen Eskapaden in den Hintergrund und man stellt sich die Frage, wo in den jeweiligen Abschnitten dieser Geschichte die Weichen richtig oder falsch gestellt wurden.
So offen, spötisch und ungefiltert Mirjam Dreer so manche Szene ganz treffend beschreibt, so hölzern und gestelzt wirken leider manche Dialoge, wenn sie versucht, zu viele Aussagen in knappe Jugendsprache zu verpacken. Dennoch bleibt sie an vielen Punkten authentisch und sorgt für ein flottes und humorvolles Lesen. Manchen mögen diverse sexuelle Beschreibungen zu explizit sein, sie verdeutlichen jedoch, dass Sex eben manchmal nichts mit Romantik zu tun haben muss um trotzdem schön zu sein. Sehr schön sind auch die diversen Songs gewidmeten Kapitel - einfach eine Playlist aus allen Titeln erstellen, es wirken manche Begebenheiten mit Musikuntermalung noch realistischer. Wenn ich auch Weilheim nicht kenne, so sind mir doch die hier genannten Clubs und das jeweilige Publikum in München bestens bekannt. Diese realen Orte geben der Geschichte einen zusätzlich authentischen Anstrich, machen die Charaktere noch lebendiger.
Ein offenes Buch über die heutige Jugend und ihrer Suche nach sich selbst und der richtigen Beziehung, eine aufrichtige Momentaufnahme des Hier und Jetzt. Ein gutes Debüt.