Egal, ob einen das Fernweh packt, man sich verliebt oder gerade getrennt hat, die Sonne des Lebens ganz klar scheint oder hinter dunklen Wolkenbergen versteckt ist: in jedem Fall kann man sich getrost von dem wunderbaren Roman der seit einigen Jahren in London lebenden 35jährigen chinesischen Filmemacherin und Schriftstellerin Xiaolu Guo "Kleines Wörterbuch für Liebende" begleiten lassen. Dort erzählt die junge Chinesin Zhuang in herrlich radebrechenden Sätzen von ihren Abenteuern mit dem Erlernen der englischen Sprache, ihrem ersten Freund und den vielfältigen kulturellen Unterschieden, die bei dieser gar köstlich geschilderten Melange aufeinander treffen. In der Einsamkeit eines Londoner Kinos trifft Zhuang ihre erste große Liebe. Aber wie soll sie sich merken englische Name von Mann und wie sein Antlitz, wo doch diese europäischen Menschen sehen alle so gleich aus. Aber das die denken ja auch von uns asiatische Menschen. Voller Humor, Warmherzigkeit und intensiver Entdeckerfreude notiert sich Zhuang in ihr kleines Notizbüchlein alle interessanten neuen Worte, die sie lernt, in der großen Stadt aufschnappt oder die ihr einfach in den Mund kullern. Stück für Stück entsteht so das Porträt einer jungen Frau, die in der Fremde Fuß fassen möchte, von ihrem Freund auf Entdeckungsreise geschickt wird und dabei nicht nur halb Europa kennen lernt sondern auch sich selbst ein gutes Stück näher kommt. Ganz zu schweigen von der Entdeckung der eigenen Körperlichkeit und der Notwendigkeit, noch viele Dinge über die Fremde zu lernen um von dieser nicht verschluckt zu werden. Xiaolu Guo ist ein ganz und gar mitreißendes Stück allerschönster Literatur gelungen, das niemanden ratlos zurücklässt und die Sonne auch dort in die Herzen zaubert, wo gerade dichte Wolken sind.