Volker Spierling: Kleines Schopenhauer Lexikon, Reclam jun., Stuttgart 2003,2010
Ich war ja sehr skeptisch, was ich hier vorfinden würde: der Philosoph, den ich als sprachlich "etwas" weitschweifig -um nicht zu sagen: abschweifend- empfinde in lexikalischer, stichworthafter Kurzform ?
Das hätte Schopenhauer selbst, der sogar strenge Anweisungen an den Schriftsetzer seiner Werke verfaßt hat, sein Werk in keinster Weise "zu verunstalten", sicher nicht gefallen !
Ich kann nur sagen: absolut gelungen, vielen Dank Herr Spierling !
(Danke, Reclam-Verlag, daß ihr nach der
Basis Bibliothek Philosophie: Hundert klassische Werke wieder etwas Philolexikalisches veröffentlicht habt !)
Besonders gewinnt für mich das Buch dadurch, daß zu jedem Stichwort Schopenhauer selbst zu Wort kommt (durch teilweise seitenlange Original-Zitate).
Beispielhafte Stichwörter sind "Grundwahrheiten meiner Lehre", "Lebenslauf" , "Beweis der Idealität des Raumes", "Mitleid", "Ding an sich", "Reines Subject des Erkennens" etc etc.
und so bekommt man beim Blättern und Festlesen an den einzelnen Begriffen und dem Folgen der Querverweisen
(das macht dies Buch so modern: vernetztes Denken !)
ein gutes Bild von Schopenhauers Leben, Denkweise und Philosophie.
Amüsant wird es auch bei Begriffen wie "Gesch*ss*** Sch**ss*", "Geschlechtstrieb", "Bart","Gebet eines Skeptikers", "Wassersuppen", "Sprachverhunzung", "Schimpfwörter" uswosf...
aber es gibt auch Tragisches und Rührendes ("Jammer des Lebens").
Natürlich gibt V. Spierling auch Definitionen und sehr hilfreiche Erklärungen wo nötig, stellt Zusammenhänge her und gibt Lesehilfestellungen (siehe z.B. "Zugänge").
Ein Lexikon für alle, die sich mit Schopenhauer und/oder seinem Werk beschäftigen wollen, eine Fundgrube für Interessierte & ein Lesebuch, denn
man wird immer wieder finden, daß man sich festgelesen hat.
(Und wer sich dann noch in erzählerischer Form mit Schopenhauer auseinandersetzen will,der lese doch noch
Die Schopenhauer-Kur: Roman)