Weihnachten naht und wieder gibt es ein frohsinniges Buch über den Berufstand der Juristen, der zugleich eine anvisierte Zielgruppe sein dürfte. Oft handelt es sich leider um einander sehr ähnliche "Wiedergänger". Das vorliegende Buch verhehlt diesen Charakter bei näherem Hinsehen wenigstens nicht und gibt an, aus welchen anderen ähnlichen Büchern es abgeschrieben ist (vor allem Guinessbuch, Teubner, Lenz, für das Zivilrecht Wesel). Nur leider hat der Verfasser dabei recht alte Sekundärliteratur, meist vom Anfang der 90er Jahre (Start des Projekts?), verwendet und dies ungeprüft. Dadurch enthält das Buch gar nicht kuriose juristische Unwahrheiten in Masse, die allesamt aufzuzählen ermüdend wäre. Aber um die Behauptung ein wenig zu untermauern: z.B. ist die Schuldrechtsreform, die immerhin 8 Monate vor Erscheinen des Buches (August 2002) bereits in Kraft war, nicht verarbeitet, ebensowenig wie die Mietrechtsreform vom 19.6.2001.
Noch armseeliger ist der Anstrich des Gebildeten, nämlich wenn Historisches (vor allem aus dem römischen Recht) präsentiert wird. Beispielhaft sei hier das angeblich sklavenfreundliche Schmerzensgeld (S. 48) genannt. Wenn man hingegen weiß, dass das Geld an den Herrn des Sklaven ging und dass das Ganze grundsätzlich diskriminierend war (Sklave=Sache, Verletzung eines Freien in Geld nicht meßbar), sieht es doch etwas anders aus. Auch die Quellenangabe (D.9.3.7) dazu ist mindestens unpassend, gibt sie doch gerade einem Freien bestimmte Ansprüche (im Text zu Schmerzensgeld steht, das habe es nie gegeben), was eine spätere Entwicklung war. Alles nachzulesen bei Kaser (nicht wie S. 47 "Kaiser"), § 51 II. Und wenn wir schon mal dabei sind: der Familienvater hieß nicht "Pater Farmilias" (S. 34) und "cic" (S.59) ist nicht die korrekte Abkürzung für Corpus Iuris Civilis.
Zusammenfassend fragt man sich, wie der Autor bei so schlampiger Arbeit seinen am Ende des Vorwortes behaupteten Doktortitel erlangt hat.