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In solchen, aber nicht nur solchen Fällen, hilft das von Dieter Nohlen herausgegebene Kleine Lexikon der Politik schnell weiter. In 274 Beiträgen vermitteln ausgewiesene Experten einen einführenden Überblick zu den zentralen Problemen und Themen der Politikwissenschaft. Was genau versteht man eigentlich unter einem politischen System? Was machen die OSZE, die NATO und die EU? Wie funktioniert das deutsche Sozialversicherungssystem? Womit beschäftigt sich die Friedens- und Konfliktforschung? Und was besagt die Elitentheorie? Von Abrüstung bis Zivilgesellschaft bietet das Lexikon einen ersten Einstieg in die wichtigsten Fragen des Faches.
Die einzelnen Artikel sind allesamt klar gegliedert und auch für Studienanfänger oder interessierte Laien leicht verständlich gehalten. Nach einer einführenden Definition beziehungsweise Eingrenzung des jeweiligen Stichwortes folgen Ausführungen zu Begriffsgeschichte, Forschungskontroversen, verschiedenen Theorieschulen, aber auch der politischen Entwicklung im jeweiligen Politikfeld, die eine grundlegende Orientierung innerhalb des Themas ermöglichen. Erfreulich ist hierbei die Aktualität sowohl der jeweils angeführten wissenschaftlichen Publikationen als auch der politischen Ereignisse und Probleme, auf die im Text Bezug genommen wird. Am Ende jedes Beitrages verweist eine Literaturliste auf Standardwerke und neueste Forschungsliteratur, ein umfangreiches Sachregister ermöglicht einen einfachen und treffsicheren Zugriff auf das jeweils gewünschte Thema.
Ein ideales Buch also -- für all diejenigen, die sich studienhalber oder professionell mit Politik im weitesten Sinne befassen, sich rasch in neue Politikfelder einarbeiten wollen und bei alldem nicht allzu viel Geld erübrigen können: Für wenig Geld erspart man sich viele orientierungslose und verzweifelte Stunden in der Universitätsbibliothek -- und das nicht nur bei dieser, sondern auch bei allen weiteren Hausarbeiten. --Anneke Hudalla
Neue Zürcher Zeitung
Kleine Enzyklopädie der Politik
Wie doch die Zeit vergeht! Und die Verhältnisse sich ändern! Gerade auch Herausgeber von Lexika müssen mit dieser Erfahrung leben; besonders wenn es sich um ein Lexikon der Politik handelt. Sehr schnell kann ein Schlagwort wie das von der New Economy (N. E.), das in der wirtschaftspolitischen Debatte der späten neunziger Jahre auftauchte, zu lexikalischen Ehren gelangen; und zwar selbst dann, wenn es bis heute lediglich den Charakter einer Hypothese hat, die hauptsächlich im Journalismus eine Rolle spielt, aber offensichtlich von akademischen Ökonomen eher mit Skepsis betrachtet wird. Skeptisch sieht denn auch Andreas Busch, der Autor des entsprechenden Artikels im «Kleinen Lexikon der Politik», die Zukunft der New Economy: «Ob die Hypothese von der N. E. einen eventuellen ökonomischen Abschwung überstehen wird, bleibt abzuwarten.» Dann könnte auch das Schicksal des Schlagworts als Stichwort besiegelt und seine lexikalische Karriere zu Ende sein. Im Fünf- bis Zehnjahresrhythmus, bemerkt Dieter Nohlen, der Herausgeber des Nachschlagewerks, seien Neubearbeitungen und Aktualisierungen lexikalischer Informationen vor allem über grosse Politikfelder notwendig. Die Neubearbeitungen des kleinen Lexikons erfolgten auf der Basis der Informationen eines grossen: des siebenbändigen «Lexikons der Politik», das von 1992 bis 1998 veröffentlicht worden war und bereits vergriffen ist. Zu den besonderen Neuerungen des kleinen Lexikons, das als Auszug aus dem siebenbändigen Werk angesehen werden kann, gehört neben dem zu dokumentierenden Wechsel vom Keynesianismus zum Neoliberalismus vor allem die stärkere Berücksichtigung der europäischen Ebene, die seit Maastricht in vielerlei Hinsicht grössere Bedeutung für die nationale Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gewonnen hat und gewinnt. Dennoch wurde der Kanon von Stichwörtern zur internationalen Politik nicht eingeschränkt, sondern ausgeweitet.
Rainer Hoffmann