Zu den Lieblingsbüchern meiner Kindheit gehörte "Die Welt von A-Z". Daher erstaunt es nicht, dass ich eine genaue Vorstellung davon habe, wie ein Lexikon aussehen und was es leisten soll. Wenn sich der studierte Gartenbauer, Literaturwissenschaftler und Philosoph Michael Breckwoldt an anderen Bildern orientiert, kann ich ihm dies nicht übel nehmen. Trotzdem blieb die Befremdung, in diesem Buch eher Essays als Lexikonartikel nach klassischem Muster vorzufinden. Zumindest hätte ich erwartet, dass wenigstens das Register so konzipiert wäre, dass es meine lexikalischen Gelüste befriedigt. Aber die Stichworte auf den gut drei Seiten sind in einer so kleinen Schriftgrösse gedruckt, dass sie nur mit einer Leselupe zu entziffern sind. Und hat man ein solches Hilfsgerät endlich zur Hand, stellt man fest, dass die Suche nach bestimmten Kategorien und Begriffen gar nicht so einfach ist.
Seltsamerweise gibt es in diesem Lexikon der Gartenirrtümer weder ein Vor- noch ein Nachwort, in dem nachzuvollziehen wäre, wovon sich der Autor bei seiner Auswahl und Gewichtung der Irrtümer leiten ließ. Denn einige Fragen, die ich gerne an einen solchen Fachmann gestellt hätte, bleiben unbeantwortet. Dafür klärte er mich über Dinge auf, die wahrscheinlich auch andere Leser nicht groß interessieren. Der Text setzt gleich mit der Widerlegung der Behauptung ein, man spare in den in den Folgejahren den Schnitt, wenn der Apfelbaum einmal kräftig geschnitten werde. Danach erklärt uns Michael Breckwoldt, warum sechs Apfelsorten im Angebot nicht genügen und weshalb Bambus nicht die ideale Gartenpflanze in Siedlung mit Reiheneinfamilienhäusern ist. Um dem Konzept eines Lexikons von A-Z gerecht zu werden, musste der Autor Konzessionen beim Inhaltsverzeichnis machen. Da nach D bekanntlich E folgt, heißt es dann "Frisch eingetopfte Pflanzen müssen gut feucht gehalten werden", wobei das Adjektiv "eingetopft" dann fett hervorgehoben wird.
Mein Fazit: Hätte man den klugen Betrachtungen und fachkundigen Hinweisen für Gartenfreunde einen anderen Titel gegeben, wäre ich auch zu einer anderen Bewertung gekommen. Denn Michael Breckwoldt schreibt lesenswerte Essays, die hartnäckige Irrtümer beseitigen können, aber keine Artikel für ein Lexikon.