Bekanntermaßen unterscheidet Badiou in seinem Hauptwerk "Das Sein und das Ereignis" vier generische Wahrheitsprozeduren: Wissenschaft (Gott ist tot Les Nombres et le Nombres usf), Politik (Über Metapolitik), Kunst (das vorliegende Buch) und Liebe (Conditions, noch nicht dt.). Zu allen Prozeduren hat Badiou ein Buch geschrieben. Das vorliegende formalisiert also die Kunst als generische Wahrheitsprozedur. Hier wie bei allen Büchern muss der unerfahrene Leser vor der strengen Axiomatik dieses Autors gewarnt werden. Doch hier mildert sie sich ein wenig ab, weil ein jeder schon Erfahrungen mit der Kunst hat. Es hat also universellen Wert.
Der erste Aufsatz beschreibt die drei wesentlichsten Modelle der Kunstverständnisses: didaktisch, klassisch und romantisch und führt Badious generische Deutung der Kunst ein. Der zweite Aufsatzt setzt seine begriffliche Diffrenzierungsarbeit mit der Unterscheidung von Mathem und Poem fort, in der Badiou die Geschichte der Philosophie wie in einem Brennglas fokussiert sieht. Bekanntlich hatte schon Platon mit einer harschen Kritik des Dichters und dem Lob der Axiomatik also des Mathems aufgewartet. Vor allem geht es hier um das Unnennbare der Mathematik (hier: die Unmöglichkeit der Mathematik ihre eigene Konsistenz mathematisch zu beweisen, n. Gödel) und das Unnennbare des Poems, das es nicht schafft die Unendlichkeit der Sprache selber zu Sprache zu bringen. Auf Grund dieses Mangels kann überhaupt nur die Philosophie existieren, die eine Art Wahrheitfilter wirkt.
Der dritte Aufsatz differenziert anhand von Mallarmé und Celan: Dichtung und Poesie. Und weist den Hermetismus-Vorwurf entschieden zurück. Dichtungen sind innersprachliche Operationen und kein Abmalen der Wirklichkeit. Der vierte Aufsatz kümmert sich um die Frage ob Pessoa, die Umkehrung des Platonismus projektiert habe. Badiou kommt zum Resultat, dass er weder platonisch noch anti-platonisch sein, sondern ein Dichter, der sich auf der Höhe von Cantor bewegt.Der fünfte Aufsatz zeigt Badious poetische Axiomatik noch deutlich natürlich wieder anhand von Mallarme, der diesen Band auch beschließt (Aufsatz 8).
Ab diesem Aufsatz wird es leider ein wenig merkwürdig, denn nun folgen nur noch Exkurse zum Theater, Tanz und Kino. Von anderen Künsten ist nicht mehr die Rede. Hier steht Badiou Heidegger wohl näher als er zugeben will, denn die Fundierung der Kunst im Ereignis der Sprache ist ein genuin heideggerianisches Thema.
Dann folgt noch eine schöne Lektüre von Becketss "Wortsward Ho" ein fligraner Exkurs über das Denken der Leere bei Beckett.
Fazit: Ein wichtiges Buch. Jedoch wie üblich ist die Übersetzung nicht auf der Höhe von Badious kristalliner Prosa. 4 Steren