Dieses Buch wurde Ende der vierziger Jahre geschrieben. Also in einer Zeit, als sich der Erfolg des kleinen Wagens noch nicht abzeichnen konnte.
Das Buch handelt vordergründig von dem kleinen Wagen, es ist aber viel mehr geworden: Eine Bestandsaufnahme des Momentes als sich den Menschen in Deutschland wieder eine Zukunftsperspektive bot. - Es ist gleichermaßen bezeichnend für diese Zeit, dass die unrühmliche Vergangenheit die soviel Schwärze in die Vergangenheit gebracht hatte, mit keinem Wort, keiner Andeutung Erwähnung findet. - Der Blick bleibt (starr) nach Vorne gerichtet; in eine bessere Zukunft...
Lassen wir den Autor Heinz Todtmann einmal selbst zu Wort kommen, in seinem Vorwort schreibt er:
"Dieses Buch handelt von einem kleinen Wagen. Von dem großen Werk, das seine Heimat ist. Und von den Menschen, die ihn bauen und die ihn fahren. Es sollte ein Bericht werden - (...). Im Schreiben und Fotografieren ist aus diesem Bericht ein Bekenntnis geworden - ein Bekenntnis zu den echten Werten dieses Landes und dieses Volkes, für deren Aufstieg aus der Tiefe der kleine Wagen und sein Werk das überzeugendste Sinnbild geworden sind. So widmen wir dieses Buch allen, die an diesem Aufstieg mitarbeiten - und denen, die uns geholfen haben, es zu schaffen."
Mit dem Fotografen Alfred Tritschler fand sich dazu ein kongenialer Partner, der jedem zeigt, wie aussagekräftig (nur) Schwarzweißaufnahmen sein können. Zwei Bilder sind mir in steter Erinnerung geblieben: Auf dem einem gehen Menschen im Sonntagsstaat über eine Strasse die in weiter Ferne in Wiese und Wald mündet und an deren Seiten sich lediglich Bauparzellen befinden. Die Gebäude links und rechts der Strasse, die Kinos, Theater, Cafés, Schaufenster sind auf dem Papier geblieben, nur die Menschen sind wirklich da. Das andere zeigt ein Dorf, wie man es heutzutage allenfalls noch im Freilichtmuseum findet, vor dem Haus den Acker für den Selbstversorger, hinten die Wiese mit den Obstbäumen darauf - und hinter all dieser dörflichen Idylle erwächst wie ein riesiger dunkelgrauer Meteor das Werk in seinen gigantischen, unbegreiflichen Dimensionen aus der Landschaft.
Erinnern Sie sich noch an die Szene in Stanley Kubricks "2001 - Odyssee im Weltraum" als fremde Mächte diese riesigen schwarzen Steine auf der Erde installierten?
Aber der Autor (be)wertet nicht, er berichtet sachlich und nüchtern, wenngleich nicht immer ohne den zeitgeistigen Pathos jener Jahre. Er vermeidet gleichwohl aber die Glorifizierung der Arbeitswelt, wie sie einige Jahre zuvor noch an der Tagesordnung war. Die Fotografien unterstützen und ergänzen den Text. Der Mensch als Maschinenbediener wird hierbei noch als Mittelpunkt, als Maschinenerzeuger im Produktionsablauf begriffen.
Es ist also auch ein philosophisches Buch. Ein Buch, dessen Aussage aus der Vergangenheit bis in unsere heutige Zeit reicht. Dazu angetan, den rechten Wert der Arbeit wieder zu erkennen. Das auch lehrt, den Menschen in seiner ganzen Vielfalt zu lieben und zu verstehen. Ohne erhobenen Zeigefinger. - Ein den Menschen wohlwollendes Buch ist es.