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Kleiner Mann, was nun?
 
 
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Kleiner Mann, was nun? [Taschenbuch]

Hans Fallada
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (26 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Warmherzig und voller Dramatik erzählt dieser Eheroman von einem kleinen Angestellten und seinem -Lämmchen-, einer Frau von beherzter Lebenskraft, die im Kampf gegen eine unfriedliche Welt, Mißgunst und wirtschaftliche Not ihr zärtlich-idyllisches Glück behaupten.

Über den Autor

Hans Fallada (1883 - 1947); Erzähler, Journalist und auch einmal Bürgermeister von Feldberg. Schrieb für Kinder und Erwachsene und schuf unvergessene Gestalten und Geschichten für beide.

Auszug aus Kleiner Mann, was nun? von Hans Fallada. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Ehe fängt ganz richtig mit einer Hochzeitsreise an,
aber - brauchen wir einen Schmortopf?

Der Zug, der um vierzehn Uhr zehn an diesem AugustSonnabend von Platz nach Ducherow fährt, befördert in einem Nichtraucherabteil dritter Klasse Herrn und Frau Pinneberg, in seinem Packwagen einen "ganz großen" Schließkorb mit Emmas Habe, einen Sack mit Emmas Betten - aber nur ihr Bett, "für sein Bett kann er selber sorgen, wie kommen wir dazu" - und eine Eierkiste mit Emmas Porzellan.
Der Zug verläßt eilig die große Stadt Platz, am Bahnhof war keiner, die letzten Vorstadthäuser bleiben zurück, nun kommen die Felder. Eine Weile noch geht es an dem Ufer der glitzernden Strela entlang, und nun Wald, Birken an der Bahnlang.
Im Abteil sitzt außer ihnen nur noch ein grämlicher Mann, der sich nicht entschließen kann, was er nun eigentlich tun soll: Zeitung lesen, die Landschaft besehen oder das junge Paar beobachten. Überraschend geht er von einem zum anderen über, und immer, wenn die beiden sich gerade ganz sicher glauben, werden sie von ihm erwischt.
Pinneberg legt ostentativ seine rechte Hand aufs Knie. Der Reif schimmert freundlich. Jedenfalls sind es vollständig legitime Dinge, die dieser Grämling beobachtet. Er sieht aber nicht den Ring an, sondern die Landschaft.
"Macht sich gut, der Ring", sagt Pinneberg zufrieden. "Kann man überhaupt nicht sehen, daß er nur vergoldet ist."
"Weißt du, ein komisches Gefühl ist es doch mit dem Ring, ich fühl ihn immerzu und muß ihn ewig ansehen."
"Bist ihn eben noch nicht gewöhnt. Alte Eheleute spüren ihn überhaupt nicht. Verlieren ihn, merken es gar nicht."
"Das sollte mir passieren", sagt Lämmchen entrüstet. "Ich werd ihn merken, immer und immer."
"Ich auch", erklärt Pinneberg. "Wo er mich an dich erinnert."
"Und mich an dich!"
Sie neigen sich gegeneinander, immer näher, immer näher. Und fahren zurück, der Grämliche starrt geradezu schamlos.
"Keiner aus Ducherow", flüstert Pinneberg. "Müßte ihn kennen."
"Kennst du denn alle bei euch?"
"Was so in Frage kommt, natürlich. Wo ich früher bei Bergmann Herren- und Damenkonfektion verkauft habe. Da kennt man alles."
"Warum hast du denn das aufgegeben? Das ist doch eigentlich deine Branche."
"Hab mich verkracht mit dem Chef", sagt Pinneberg kurz.
Lämmchen möchte weiterfragen, sie spürt, hier ist noch ein Abgrund, aber lieber läßt sie es. Alles hat Zeit, jetzt, wo sie richtig standesamtlich getraut sind.
Er hat anscheinend auch gerade daran gedacht. "Deine Mutter sitzt nun längst wieder zu Haus", sagt er.
"Ja", sagt sie. "Mutter ist böse, deswegen ist sie auch nicht mit zur Bahn gegangen. 'ne Hundehochzeit ist das, hat sie gesagt, wie wir weggegangen sind vom Standesamt."
"Soll ihr Geld sparen. So 'ne Festfresserei, wo alle nur dreckige Witze reißen, ist mir gräßlich."
"Natürlich", sagt Lämmchen. "Mutter hätte es nur Spaß gemacht."
"Haben nicht geheiratet, damit Mutter Spaß hat", sagt er kurz angebunden.
Pause.
"Du", fängt Lämmchen wieder an, "ich bin so schrecklich gespannt auf die Wohnung."
"Na ja, hoffentlich gefällt sie dir. Viel Auswahl ist nicht in Ducherow."
"Also, Hannes, beschreib sie mir noch mal."
"Schön", sagt er und erzählt, was er schon öfter erzählt hat. "Daß sie ganz draußen liegt, hab ich schon gesagt. Ganz im Grünen."
"Das finde ich grade so fein."
"Aber es ist ein richtiger Mietskasten. Maurermeister Mothes hat ihn da draußen hingesetzt, hat gedacht, da kommen noch mehr. Aber keiner kommt und baut da."
"Warum nicht?"
"Weiß ich nicht. Ist den Leuten zu einsam, zwanzig Minuten von der Stadt. Kein gepflasterter Weg."
"Also die Wohnung", erinnert sie ihn.
"Ja, also, wir wohnen ganz oben, bei der Witwe Scharrenhöfer."
"Wie ist sie denn?"
"Gott, was soll ich sagen. Sie tat ja sehr fein, sie hat auch mal bessere Tage gesehen, aber die Inflation ... Na, sie hat mir tüchtig was vorgeweint."
"O Gott!"
"Sie wird ja nicht immer weinen. Und überhaupt, das ist ausgemacht, nicht wahr, wir sind schrecklich reserviert! Wir wollen keinen Verkehr mit andern Leuten haben. Wir sind für uns genug."
"Natürlich. Aber wenn sie aufdringlich ist?"
"Glaube ich nicht. Ist 'ne richtige feine alte Dame mit ganz weißen Haaren. Und sie hat schreckliche Angst um ihre Sachen, es sind doch noch die guten Sachen von ihrer Mutter selig, und wir sollen uns immer langsam auf das Sofa setzen, weil das noch die gute alte Federung hat, die verträgt keine plötzliche Belastung."
"Wenn ich da man nur immer dran denke", sagt Lämmchen bedenklich. "Wenn ich mich freue oder wenn ich schrecklich traurig bin und rasch mal heulen möchte, und ich setz mich hin, dann kann ich doch nicht an die gute alte Federung denken."
(...) -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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