Dürfen wir das Heil für alle erhoffen, oder müssen wir davon ausgehen, dass manche ausgeschlossen sind? Hans Urs von Balthasar, mit Sicherheit einer der gebildetsten Theologen des letzten Jahrhunderts und einer der Lieblingsautoren Papst Benedikts, wagt sich in diesem kleinen Büchlein an diese schwierige und existentielle Frage. Balthasar begeht hier einen intellektuellen Drahtseilakt, der ihm, finde ich, gelingt. Sein Ergebnis: wir dürfen nicht nur, sondern wir haben die Pflicht, für alle zu hoffen. Gleichzeitig müssen wir die Warnungen der Hl. Schrift und der Tradition absolut ernst nehmen, und sie dabei als an uns selbst gerichtet begreifen als Aufforderung zur Umkehr, und nicht dazu verwenden, den anderen innerlich zu verurteilen.
Balthasar argumentiert, finde ich, auf dem soliden Fundament der Hl. Schrift, der Schriften der griechischen und lateinischen Väter und der Heiligen der Kirchengeschichte überhaupt, in denen er sich souverän auskennt wie wohl kaum ein anderer. Im Gegensatz zu manchen anderen Büchern von Balthasar ist dieses auch für Nicht-Spezialisten verständlich.