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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Kurz und durchaus ausführlich, mit einigen Auslassungen,
Von Klaus Grunenberg (97447 Gerolzhofen, Bayern) - Alle meine Rezensionen ansehen (VINE®-PRODUKTTESTER) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Kleine deutsche Literaturgeschichte (Gebundene Ausgabe)
Nicholas Boyle ist "Schröder Professor of German" an der Universität Cambridge und Mitglied der British Academy, also ein angesehener Germanist aus der angelsächsischen Welt.Dieses Buch ist demnach eine "Kleine deutsche Literaturgeschichte", die es in sich hat. Von Beginn dessen an, was wir über deutsche Literatur wissen, versucht unser Autor der deutschen Literatur das mitzugeben, was man Literatur so zutraut, nämlich etwas auszusagen über den Charakter eines Volkes. Dabei meint Boyle, auch neben dem Liedhaften Dramatik zu erkennen und etwas Eigentümliches, fast Religiöses. Leider werden neben der Erwähnung unseres ältesten germanischen Kulturbeispiels in der Literatur, dem HILDEBRANDSLIED, keine weiteren Beispiele aufgeführt, es gibt ja auch wenige. Wenn mich nicht alles täuscht, hat Ludwig, der Fromme, als Nachfolger Karls des Großen alle germanischen Dichtungen vernichten lassen und nur einem Zufall ist eine Abschrift des erwähnten Hildebrandsliedes zu verdanken, die in Fulda gefunden wurde. Gut und gelungen die philosophischen Gedanken zu Beginn des Buches, gleichsam als Einleitung gedacht mit vielen Verweisen und geschichtlichen Daten. Boyle stellt die Entwicklung von Bürgertum und Beamtentum gegenüber und lässt das Beamtentum sich zu dem entwickeln, was endlich zu einem wohl typischen deutschen Ergebnis führte, Gehorsam bis zum Ende. Faustisches bei Goethe, und nicht nur da, wird sichtbar in unserer deutschen Literatur. Aber auch das Zeitalter des Idealismus bekommt seine Bedeutung zugesprochen, wobei die protestantische, modernere Haltung (Luther, Klopstock, Lessing, Hegel) wohl ausschlaggebend für den Erfolg der deutschen Literatur war. Das katholische Element kam dann mehr über Österreich (die schlesischen Mystiker, Eichendorff oder Hofmannsthal) zur Geltung. Wenn man das Buch genau liest, ist der Kern der Erkenntnisse schon getroffen, deutsche Literatur ist schon eigenartig und zum guten Teil großartig, vor allem, wenn man die eigentlich musische Literatur (Musik, Musikdrama, hier Wagner!) mit einschließt. So ist das Buch, diese "Kleine deutsche Literaturgeschichte" ein interessanter Weg, der Spuren aufdeckt und von frühester Zeit übers Mittelalter, den Simplicissimus, über die Barockdichter, Goethe, Heine, Schiller, Hölderlin, Mörike, Hegel, Nietzsche, Heidegger, Benn, Brecht, die Brüder Mann und Döblin bis zu Böll und Grass führt. Kleist und Heinrich Heine werden gebührend beachtet, das freut mich. Leider aber werden viele und mir persönlich am Herzen liegende Poeten nicht aufgeführt (es heißt daher wohl: "Kleine deutsche Literaturgeschichte"), wie Martin Walser, Botho Strauss, Erich Kästner und Wolfgang Borchert mit seinem Drama "Draußen vor der Tür". Vor allem Borchert schreibt gegen den vorangegangenen (militaristischen) Zeitgeist, gegen die Zeit also und verdammt (wohl ab und an im Fieberwahn!) den unmenschlichen Krieg, das Verderben schlechthin. Das allein hätte es verdient gehabt, erwähnt zu werden, auch wenn es nur ein schmales Werk ist, das von ihm stammt, so ist es doch wichtig im Sinne von wirklich wichtig. Deswegen nur 4 Sternchen, sonst wären sicherlich fünf angebracht gewesen. Am Schluss des Buches werden Literaten aus Österreich und der Schweiz aufgeführt (oder auch aus ehemals deutschsprachigen Regionen, hier soll nur Celan als Beispiel genannt werden), weil sie gleichfalls zum deutschen Sprachraum gehören, sofern sie in deutscher Sprache schreiben. Also Hofmannsthal, Adalbert Stifter, Rilke, Kafka, Jeremias Gotthelf, Gottfried Keller, Max Frisch, Dürrenmatt werden erwähnt wie auch Ingeborg Bachmann, Handke und Elfriede Jelinek (Nobelpreis). Gerade aus diesen Ländern, das sei erlaubt zu sagen, kommen immer wieder hervorragender Literaten. Literaten aus der Zeit des "Dritten Reiches", das sei noch vermerkt, werden nicht beleuchtet, so wird z.B. Ernst Jüngers "Auf den Marmorklippen" nicht erwähnt, "das kühnste Erzeugnis der Schönen Literatur" (Dolf Sternberger, FAZ) dieser Zeit mit mutiger Geste gegen Tyrannei. Auch das gehört zur Geschichte eines Landes. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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