Nicht zum ersten Mal beschäftigt sich Hermann Glaser mit der Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland. Seine "neue" Kulturgeschichte ist eine lesenswerte Ergänzung zu seinen früheren Arbeiten. Wer bei Glaser eine Beschreibung der "hohen" Kultur sucht, wird vielleicht enttäuscht sein. Glasers Kulturgeschichte ist eher eine Geschichte politisch-kultureller Strömungen in den beiden deutschen Staaten. Dieses Thema behandelt der Autor mit Einfühlsamkeit und Präzision. Kriegsende, Nachkriegszeit und die Gründung der beiden deutschen Staaten sind Wendepunkte, ohne die die weitere Entwicklung der beiden deutschen Staaten und auch der heutigen Bundesrepublik nicht zu verstehen sind. Diesen Entwicklungen widmet Glaser fast die Hälfte seines Buches. Besonders gründlich ist Glasers Beschreibung der 68er Generation, wobei deutlich wird, wie das Fehlen einer entsprechenden anti-autoritären Bewegung in der ehemaligen DDR eben zu den heute beobachtbaren Phänomen in Ostdeutschland geführt hat. Zum Schluß widmet sich Glaser der Postmoderne. Dieser häufig inflationär benutzte Begriff bekommt bei Glaser Kontur. Auch sein Ausblick auf die zukünftige Entwicklung Deutschlands enthält viele Ansatzpunkte, die eine gründliche Diskussion wert sind. - Ein lesenswertes Buch, auch für diejenigen, die meinen, schon alles über die geschichtliche Entwicklung Deutschlands nach 1945 zu wissen!