Gute Idee, leichtfüssig geschrieben, spannende Geschichten, schönes Cover, ungenügender Anhang. Der Basler Kognitionspsychologe war auch in den USA tätig, bevor er im norwegischen Bergen eine Professur annahm. Der Austausch mit seinen amerikanischen Kollegen hat ihm den Entschluss bestimmt erleichtert, wissenschaftliche Erkenntnisse in populärer Form einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Leser aus der Schweiz kennen vielleicht bereits seine Kolumnen in der Zeitung "Der Bund".
Das Rezept, welches diesem Buch zugrunde liegt, ist einfach. Man stöbere im riesigen Haufen wissenschaftlicher Studien, picke diejenigen mit einer guten Geschichte heraus, ordne sie sinnvoll gewählten Kategorien zu und kommentiere das Wesentliche in verständlichen Sätzen. Aber weil einfache Rezepte gerne kopiert werden, steht Rolf Reber damit nicht allein auf dem Podium. Links und rechts von ihm warten die Zeitschriftenredakteure von Mens Health, Psychologie heute, Gehirn & Geist, Spektrum der Wissenschaft, Zeit Wissen, PM und weiteren Publikationen auf ihre Auftritte. Für das Publikum mit Dauerkarten bedeutet dies, dass es mit Wiederholungen rechnen muss. Und da ich eine solche Karte besitze, kam ich weniger in den Genuss von Erstaufführungen, als ich es mir gewünscht hätte. Viele der von Rolf Reber vorgestellten Studien kannte ich schon. Leider suchte ich dann im dürftigen Anhang vergeblich nach Hinweisen auf weitere Quellen. Noch trister war das Literaturverzeichnis, das lediglich sieben Titel aufführt, wobei es sich dabei nicht einmal um die "Best of-Liste" handelt.
Mein Fazit: 77 Lektionen, die all jene das Staunen lernen, die zum ersten Mal in einer solchen Vorlesung sitzen. Der Autor stellt wissenschaftliche Studien vor, die menschliches Verhalten erklärbarer machen und malt so ein Gemälde, das vielen Wunschvorstellungen über die Natur des Homo oeconomicus widerspricht. Wer sich allerdings bereits in der Materie auskennt, wird vom Neuigkeitswert enttäuscht sein.