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Wissenschaftstheorie
Dass «Wissenschaft Treiben als Forschen, als Lehren, als Anwenden von Resultaten usw. immer menschliches Handeln» sei und dass sich «Wissenschaften allmählich aus dem täglichen Leben heraus» entwickelt hätten, erläutert in seinem neuesten Buch der Marburger Philosophieprofessor Peter Janich. Das Buch heisst zwar «Kleine Philosophie der Naturwissenschaften», aber in seiner Diktion und seiner Erklärungsrhetorik wendet es sich mehr an Philosophen als an Naturwissenschafter. Janich beschreibt, was Wissenschaftstheorie ist und welche Richtungen und Modelle es gibt, und er zeigt, wie die Einschätzung von Forschungsergebnissen vom Wissenschaftsverständnis und wie dieses vom Wissen abhängt. Wissensbildung als gesellschaftsimmanentes Merkmal und die Wissenschaften überhaupt sieht Janich als «zweckrational»: «Naturwissenschaften beziehen ihre Gegenstände aus vor- und ausserwissenschaftlichen Praxen und entwickeln sie durch Verfeinerung von Methoden im technischen wie im begrifflichen Bereich zweckrational weiter.» Die Zweckgebundenheit der Forschung fasst er so weit, dass auch die Grundlagenforschung darin Platz hat, denn auch sie verfolgt schliesslich, wenn auch längerfristig, einen Zweck. Nach «Kriterien der Zweckrationalität» unterliegen Forschung und Wissenschaft der Kritik und werden dadurch in die Kultur eingebunden. Auch die Naturwissenschaften sind «Kulturleistungen», weil «sie immer schon auf einer bestimmten Kulturhöhe technischen und begrifflichen Verfügens als Mittel für (dieser Kulturhöhe angemessene) Zwecke entwickelt werden». Ob das Buch tatsächlich dazu befähigt, «über Wissenschaften kompetent mitreden zu können», wie der Autor möchte, hängt sicher noch vom Leser ab.
Stefana Sabin
Peter Janich: Kleine Philosophie der Naturwissenschaften Becksche Reihe, Band 1203, München 1997. 208 S.
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Seine kulturalistische Wissenschaftstheorie hat darin Recht, dass selbst die Naturwissenschaften ihre Methoden und Praktiken aus vor- und ausserwissenschaftlichen Wissensfromen beziehen und entwickeln, indem sie sie technisch wie begrifflich verfeinern und verbessern. Deswegen ist aber nicht alles an einer seriösen Forschung reine Zweckgebundenheit und insbesondere nicht die Grundlagenforschung.
Auch wenn wissenschaftliche Forschung und Lehre gewissen Kriterien der Zweckrationalität unterliegen, orientieren sich seriöse Forscher immer auch an gewissen Kriterien der epistemischen und ethischen Rationalität, die nicht rein zweckrational sind. Von ihnen hängt es sogar ab, ob wir es tatsächlich mit seriöser Forschung zu tun haben. Es mag in der Tat sein, dass die meisten Wissenschaftler und die sog. normale Wissenschaft in der Verfolgung von externen Zwecken und heteronomen Zielen aufgeht, aber wissenschaftliche Entdeckung im eigentlichen Sinne transzendiert diese soziale und kulturelle Ebene der wissenschaftlichen Praxis.
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