Mein Titel umfasst ungefähr den Film in seiner chronologischen Reihenfolge, was die Stimmung, bzw. das jeweilige Genre anbelangt:
Eine Wohnung wird zu 3/4 bereits von zwei Männern und einer Frau bewohnt, bleibt also noch Platz für eine letzte Person. Der Film beginnt recht heiter - mitunter reichlich schadenfreudig - mit den Auditions der WG-Bewohner für die interessierten Mitbewohner, wobei trotz offensichtlicher Imkompabilität mit den potentiellen Nachzüglern (zu spiessig, zu hässlich, zu brav, zu langweilig, zu jung, zu wenig hip...) diese weiterhin mit extrem verwirrenden Fragen belästigt und auf englisch-schadenfreudige Art verulkt werden. Mit dem Eintreffen eines tatsächlich sich als kompatibel erweisenden Interessenten beenden sie ihre Auditions, womit der Film den ersten Schritt in eine etwas andere Richtung macht und somit das Genre langsam wechselt. Nicht zum letzten mal, muss man sagen, und so gedeiht die Geschichte und eskaliert die Situation nach und nach, um am Ende an vollkommen anderer Stelle mit einem ultrabösen Klimax aufzuwarten.
SHALLOW GRAVE lief mal vor vielen Jahren in einem independant-Kino, meine Freundin und ich hatten recht kurzfristig diesen Film gewählt. Wir hatten keine Ahnung, um was es dabei ging. "Schwarzer Humor" war so etwa der einzige Hinweis, in Sachen Story waren wir vollkommen unwissend. Und das ist bei diesem Film die absolut perfekte Ausgangslage, denn welch Tour-de-Force hier auf einen wartet! Der Film bedient sich nicht (selbst damals nicht) allzu originellen oder neuen Zutaten, aber die Mischung der Genres sowie die gekonnten, unmerklichen, perfekt integrierten Genre-Wechsel machen diesen Film zu dem besonderen Streifen, der er meines Erachtens ist. Ich staune immer noch, wie wenig Begeisterung der Film bei meinen Bekannten auszulösen vermag, aber ich befürchte mal, der Film verlangt zu viel von ihnen ab. Die extreme, unaufhaltsame, unheilverkündende Entwicklung der Geschichte und der Charakteren ist brutal eindrücklich und kann durchaus zu verstören wissen, stellt für mich aber eben die grosse Stärke des Films dar.
Der Film bedient sich mit fortlaufender Dauer auch nihilistischen Elementen, grundsätzlich ist der Film jedoch mal eine Komödie und eine Charakterstudie, mal ein Krimi, mal ein Krimi-THRILLER, später ein PSYCHO-Thriller, ebenso ein Psycho-DRAMA, ein Action-Film... am Ende des Filmes, während den Credits, erinnert uns der Film anhand eingespielter Szenen wie unbeschwert das ganze eigentlich mal begonnen und sich in den absoluten Alptraum verwandelt hat. Spätestens dann fühlt man sich allenfalls schon ein wenig mulmig angesichts der Tatsache, dass man soeben den ultimativ schmerzvollen, konsequenten Fall einer Mini-Gesellschaft miterlebt hat.
Also im Idealfall einfach schauen und so wenig wie möglich davor über die Geschichte in Erfahrung bringen. Es lohnt sich absolut.