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Kleine Literaturgeschichte der Heiterkeit
 
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Kleine Literaturgeschichte der Heiterkeit [Taschenbuch]

Harald Weinrich


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Harald Weinrich
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Wetten, dieses Buch wird ganz häufig zusammen mit einer Flasche Wein verschenkt werden? Wie gemacht scheint es dazu: Titel, blauer Einband, großzügiger Satzspiegel und schönes Papier. Schon das Äußere wirkt heiter, ein ideales Mitbringsel. Tipp: Lesen sie es vorher selbst und sie verbringen einen Abend in angenehmstem Gespräch.

Heiterkeit also gleich Lebensgenuss? Wie man es nimmt. Wir, dem 20. Jahrhundert entronnen, können es kaum glauben: "Allerheiterster" lautete einst die korrekte Anrede für allerhöchste Herrschaften: "Serenissimus". Ob deutscher Fürst oder die Lagunenstadt an der Adria, alle legten Wert auf diese Titulierung. Kann man sich das von Hitler oder Stalin vorstellen?

Heiterkeit, Weinrich lehrt es uns, war ursprünglich eine Eigenschaft der Götter: Eine wolkenlose Aufgeräumtheit des Gemütes, die unangefochten von Kümmernissen des Lebens in die Weite eines ewig sonnigen Tages blicken darf.

Sie merken schon, wo das hin läuft: Ein, zwei schnelle Schritte und Weinrich ist bei Johann Wolfgang, dem Aufgeräumtesten aller jemals Aufgeräumten. Fast ein Drittel der Seiten widmet der Verfasser Goethe: "Heitern Sinn und reine Zwecke / Nun! Man kommt wohl eine Strecke." Nicht mehr allzu weit ist es von ihm zu Thomas Mann und der etwas unbelebten Heiterkeit seiner Ironien.

Aber auf diese Weise fehlt doch so manches: Wo bleiben Lessing, Lichtenberg und Jean Paul? Wo die Heiterkeit Kafkas? Muss man immer noch Günther Eich zitieren? Und ist nicht manches Lustige der "Neuen Frankfurter Schule" eben auch heiter? Auf die beiden Mitscherlichs hätte ich dagegen gern verzichtet. So, jetzt müssen sie nur noch den Wein aussuchen. --Michael Winteroll

Kurzbeschreibung

Heiterkeit, ursprünglich ein Schönwetterwort und Ausdruck sorgloser Entrücktheit in Götterhimmeln, war für manchen Serenissimus unter den Fürsten ein quasi-göttlicher Zustand, in dem sich festlich regieren und "jovial" repräsentieren ließ. Dann griffen die Dichter nach der Heiterkeit und erwählten sie sich, dem "Ernst des Lebens" zum Trotz, als sublimes Attribut der klassischen Kunst und Literatur. So begann, dunkel grundiert, die glanzvolle literarisch-philosophische Karriere der Heiterkeit, die der deutschen Literatur für zwei Jahrhunderte einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt hat. Harald Weinrich skizziert in seinem brillant geschriebenen Essay die herausragenden Stationen dieses Weges durch die Geschichte. Er führt uns in die Gesellschaft von Goethe und Schiller, wir begegnen Kant, Hegel, Schopenhauer und Nietzsche, die alle der Heiterkeit auf je eigene Weise noch tiefer auf den Grund gegangen sind. Im zwanzigsten Jahrhundert erwarten uns dann solche Gegensätze wie Thomas Manns "höhere Heiterkeit", Ernst Jüngers angestrengt soldatische und Günter Eichs längst nicht mehr "güldene" Heiterkeit. Der schwärzeste Schatten ist jedoch von Auschwitz her auf die Heiterkeit gefallen. Ob damit für immer der Stab über sie gebrochen ist, bleibt eine offene Frage. Zu ihrer Beantwortung sind unerläßlich solche literarisch-philosophischen Erkundungen wie diejenigen dieses nachdenklichen Essays, der gleichwohl wieder zur Heiterkeit ermutigen will, mehr denn je auf dunklem Grund.

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