Der erste Roman des sanftmütigen, gleichfalls des IQ-Dünkels bezichtigten Roger Willemsen brachte so einige Erwartungen mit sich. Hinter dem niedlichen Buchtitel verbirgt sich eine Liebesgeschichte im wahrsten Sinne des Wortes: Es gibt praktisch keine aktuelle Handlung; erzählt wird, aus der Sicht einer Frau, von vergangenen Szenen einer Beziehung, in welcher der Mann gegenwärtig im Koma liegt. Vor allem erzählt wird aber von der Liebe. Nicht nur erzählt, sondern philosophiert, theoretisiert, ja seziert, bis einem zeitweilig die Liebe ein bisschen zum Hals heraushängt. Der Versuch, etwas Immaterielles, Hochsubjektives in Kleinstteilchen auseinanderzusetzen, dazu noch in der Rolle des anderen Geschlechtes ist naturgemäss schwierig, ist allerdings beträchtlich gut gelungen. Willemsen ist ja auch nicht irgendwer. Er nimmt sich der Irrungen und Wirrungen des Herzens leidenschaftlich an, er verleiht Valerie eine durch Schmerz und Verzweiflung geläuterte Stimme, die zumeist ehrlich klingt (wenn Männer in Frauenrollen schreiben und umgekehrt, ist dies oft durchsichtig), er beantwortet Fragen, die man sich niemals gestellt hätte, und er hinterlässt das Gefühl, nach dem Lesen schöngeistiger zu sein als vorher. Allein dafür verdient er eine gute Note.