Klaus Bringmann hat mit seiner Kleinen Kulturgeschichte der Antike ein kleines Meisterwerk geschaffen. Der beneidenswert belesene Autor, dessen unaufdringlich eleganter Sprache man noch den klassischen Philologen anmerkt, informiert gleichermaßen umfassend und anregend über eines der komplexesten Gebiete des Altertums ' und zwar über dessen materielle und geistige Kulturentwicklung im Laufe von mehr als 1500 Jahren. In dem mit Abbildungen, Karten und Plänen gut ausgestatteten Buch bietet Klaus Bringmann seinen Lesern ein umfassendes Panorama, wobei er zunächst die altorientalischen Einflußsphären der griechischen und römischen Welt in den Blick nimmt und dann durch die Zeit der kretischen und mykenischen Palastkulturen zu den homerischen Epen vordringt. Sodann rücken das Individuum, seine Freiheitsvorstellungen und seine Kunst ' in Plastik und Dichtung ' ins Zentrum der Darstellung, aber auch bereits die Stellung der Frau am Beispiel der Dichterin Sappho von Lesbos. Aus dem klassischen Griechenland werden die Idee der Demokratie, die Auswirkung der Geldwirtschaft auf die Hochblüte der Architektur, ferner Sophistik, Rhetorik, Philosophie und die Anfänge der Geschichtsschreibung thematisiert. Im Hellenismus geht es um die Kultur an den Höfen hellenistischer Herrscher, aber auch um die Rolle von Schule und Gymnasium für die Bürgergesellschaft sowie um den Kontakt mit der orientalischen Welt im Zuge der Entwicklung der hellenistischen Reiche der Seleukiden im Osten und der Ptolemäer in Ägypten. Die Zeit der römischen Republik betrachtet der Autor unter der Fragestellung nach kultureller Eigenständigkeit der Römer bzw. nach ihrer Abhängigkeit von der griechischen Kultur. Die Kaiserzeit wird beschrieben als Entwicklung neuer Repräsentationsformen in Literatur und Architektur und damit einhergehend als Epoche des Aufstiegs und der Selbstdarstellung Roms als Zentrum der Welt. Je ein weiteres Kapitel ist dem Export der römischen Kultur im Rahmen der Ausweitung des Imperiums gewidmet sowie der Veränderung der Kultur durch das Aufkommen des Christentums. Besonders erfreulich sind die zahlreich eingesetzten und in Übersetzung gebotenen Quellenstellen, die dem Band besondere Lebendigkeit verleihen. Eine kluge Konkordanz am Ende des Buches, welche die jeweiligen politischen und kulturellen Entwicklungen übersichtlich parallelisiert, ist sehr hilfreich. Vielleicht hätte man sich ein wenig mehr Information über die Eßkultur der Antike wünschen können, die im Rahmen der jeweiligen Epochen eher am Rande mitbehandelt wird, aber das schmälert nicht das Lesevergnügen, das dieser Band beschert. Dieser schöne Band schließt für die an der Antike Interessierten eine wirkliche Lücke.