1951 marschierte die Armee der Volksrepublik China in Tibet ein, um den buddhistischen Staat zu annektieren. Seitdem ist Tibet als autonome Region Teil der Volksrepublik. Dabei kommt es immer wieder zu Protesten, Aufständen und Zusammenstößen von Tibetern mit chinesischen Soldaten. Der 14. Dalai Lama, der eigentliche Führer der Tibeter, kämpft aus dem Exil gegen die Besatzungsmacht.
So kennt man Tibet am Anfang des 21. Jahrhunderts. Weniger bekannt ist die Vorgeschichte dieses Staates am Himalaya. Die "kleine Geschichte Tibets" von Karénina Kollmar-Paulenz, Professorin an der Universität Bern und Expertin für Religions- und Kulturgeschichte Tibets und der Mongolei, soll hier Abhilfe schaffen. Auf rund 150 Seiten wird die Geschichte des Landes vom 7. Jahrhundert bis heute nacherzählt. Aufgrund der schon im Titel angesprochenen kürze des Buches kann natürlich lediglich ein grober Überblick über die Geschichte des Landes gegeben werden.
In der Einführung erhält der Leser auf rund 10 Seiten eine kurze Übersicht über Geographie, Völker, Sprachen und Erforschung Tibets. Anschließend folgen im ersten Drittel des Buches die frühen Jahre bis ins 12. Jahrhundert. Über Tibet in dieser frühen Zeit ist jedoch relativ wenig bekannt, und so beschränkt sich die Geschichte hier mehr oder weniger auf eine Auflistung der jeweiligen Herrscher und ihr Verhältnis zur Religion. Interessanter wird es ab dem 13. Jahrhundert, wenn Tibet in ständigem Konflikt mit der Mongolei und China steht, der Aufstieg des Buddhismus und die Epochen der Dalai Lamas beginnen. Die letzten rund 20 Seiten des Buches beschäftigen sich schließlich mit den Jahren nach 1950 und der chinesischen Annektierung des Landes.
Im Anhang befinden sich neben Quellen, Anmerkungen und Registern drei zu vernachlässigende Karten, eine gute Zeittafel und Auflistungen der Dalai Lamas und Panchen Lamas, sowie wissenschaftliche Transliterationen von tibetischen Namen und Worten.
Die kleine Geschichte Tibets von Karénina Kollmar-Paulenz hilft, einen groben Überblick über die Geschichte Tibets zu bekommen, und erfüllt somit ihren Zweck. Allerdings kommt, obwohl das Buch nur rund 150 Seiten umfasst, besonders im ersten Teil gelegentlich Langeweile auf. Zum Teil mag dies daran liegen, dass gerade über die frühen Jahrhunderte zu wenig Informationen über Tibet vorliegen, um eine spannende Geschichte zu erzählen, doch streckenweise verstärkt der etwas trockene Schreibstil dieses Gefühl auch noch weiter. Und so erfüllt die kleine Geschichte Tibets zwar ihren Zweck, macht aber leider nicht immer Spaß.