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Kleine Geschichte Kubas
 
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Kleine Geschichte Kubas [Taschenbuch]

Michael Zeuske
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Produktinformation


Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Kuba – auf den Boden geholt

Zweieinhalb neue Bücher über Geschichte und Gegenwart

In einer Zeit, da der Kuba-Boom weiterhin seine Blüten treibt und sich vornehmlich in den Bereichen Massentourismus und Begeisterung für traditionelle Musikstile manifestiert, ist es nur allzu berechtigt, dass auch Politik und Geschichte dieser ungewöhnlichen Inselrepublik wieder ihren gebührenden Platz bekommen. Gleich drei neue Bücher, zwei davon vom selben Autor, sind in kurzer Folge hintereinander erschienen und vermögen in unterschiedlicher Weise eine Lücke zu schliessen, die bezüglich auf den aktuellsten Stand gebrachter politischer Literatur zu Kuba existierte. In den Bereichen Tourismus und Musiktradition dagegen ist der Überblick allein bei neueren deutschsprachigen Büchern kaum mehr möglich. Das Bild, welches Titel wie «Gebrauchsanweisung für Kuba» oder «Magisches Kuba» vermitteln, ist meist dasjenige eines in leuchtenden Farben erstrahlenden und spannend zu durchwandernden Freilichtmuseums: Die Zeit ist stehengeblieben, und fröhlich musizierende und tanzende Menschen haben sich unter dieser Zeitglocke in pittoresker Armut eingerichtet.

Mehrfacher politischer Ausnahmefall

«Nicht der grundsätzlichen Änderung des Kubabildes in Westeuropa, wohl aber seiner Entpolitisierung» wolle er entgegensteuern, schreibt Michael Zeuske an einer Stelle seines Buches «Insel der Extreme – Kuba im 20. Jahrhundert». Der 1952 geborene Autor ist Professor für iberische und lateinamerikanische Geschichte mit Spezialgebiet Kolonial- und Sklavereigeschichte an der Universität Köln. Er stammt aus der damaligen DDR, war schon zu jenen Zeiten Professor – an der Universität Leipzig – und stellt insofern eine Ausnahme dar, als er es geschafft hat, in der neuen Bundesrepublik seine akademische Karriere fortzusetzen. Nun legt er im deutschsprachigen Raum das erste Buch vor, das die Geschichte Kubas im gesamten Zeitrahmen des 20. Jahrhunderts darzustellen versucht. Diese hundert Jahre entsprechen nahezu exakt der Zeit, seit der Kuba als unabhängiges Land existiert. Trotzdem haben alle bisher auf Deutsch erschienenen Publikationen zu Kuba stets entweder den Gesamtüberblick seit Kolumbus oder dann das revolutionäre Kuba und damit meist die offizielle Geschichtsschreibung Kubas – in affirmativem oder verneinendem Sinne – ins Zentrum gestellt.

Drei Merkmale der Geschichte dieser Insel, «die für ihre eigene Geschichte zu klein ist» (François Maspero), hebt Zeuske für diese vergangenen hundert Jahre als «extrem» hervor: Frühe Globalisierung, Amerikanisierung und Entnationalisierung in der ersten Hälfte des Jahrhunderts waren genauso beispiellos in der westlichen Welt wie dann 1960 die Hinwendung des revolutionären Kuba zum Kommunismus sowjetischer Prägung. Und als drittes extremes Element nennt Zeuske die Tatsache, dass sich Kuba als letztes Land der westlichen Hemisphäre heute noch «sozialistisch» nennt.

Drei Republiken

Zeuske teilt diese hundert Jahre in drei Republiken ein, in denen zwei Revolutionen stattfanden. Die erste Republik war die von 1902. Sie endet mit dem Sturz des damaligen Diktators Gerardo Machado (1933), was Zeuske die erste, jedoch unvollendete Revolution im Kuba des 20. Jahrhunderts nennt. Die Zeit von 1933 bis 1959, die mit der erfolgreichen Revolution Fidel Castros endet, nennt er die zweite Republik, während bisherige Geschichtsbetrachtungen diese beiden Perioden eigentlich immer zusammen schlicht als «die Zeit der Republik» abhandelten.

Zeuskes eigenwilliger Ansatz birgt den Vorteil, dass er auf diese Weise zahlreiche Charakterisierungen und Erscheinungsformen des seit nunmehr 42 Jahren herrschenden Regimes von Fidel Castro plausibel als tief in Kultur und Mentalität der Kubaner verwurzelt darzulegen vermag. Dies ganz im Gegensatz zur Tendenz mancher heutiger Kubaner, das Regime nur noch als aus dem Nichts entstandenes oder vom Himmel gefallenes Unglück zu sehen. Zeuske vermag so einer Schwarzweissmalerei zu entgehen, wenngleich an einigen Stellen eine Tendenz zur Übernahme offiziöser Sichtweisen aufscheint. Etwa dann, wenn er bei krassen Manifestationen des totalitären Charakters des Regimes, wie der verhärteten Kulturpolitik der siebziger Jahre oder der Erschiessung des Generals Ochoa im Jahr 1989, mit Einleitungen und Windungen wie: «Folgt man der Darstellung von Literaten und Künstlern . . .» oder: «Im Volksmund freilich hiess es . . .» der Kritik die Spitze zu brechen versucht.

Trotzdem macht sich Zeuske bezüglich der Gegenwart keinerlei Illusionen: Seine Bestandesaufnahme ist hier nüchtern und vorurteilsfrei, wenn er etwa die äusserst prekären Zustände in den Landschulen oder die Mangelsituation im Gesundheitswesen beschreibt. Er wehrt sich allerdings gegen apokalyptische Szenarien für die Zeit nach Fidel Castro, wie sie bisweilen in kubanischen Exilkreisen kursieren, und betont die Lebensfreude und Aktivität der Kubaner, die Derartiges zu verhindern vermöchten. Man kann nur auf die Richtigkeit dieser Prognose hoffen.

Historischer Überblick

Bei einem kurz vor «Insel der Extreme» erschienenen Buch von Michael Zeuske, «Kleine Geschichte Kubas», behauptet der Klappentext, der historische Streifzug münde in die Frage: Wie wird es nach Fidel Castro mit Kuba weitergehen? Der Band umfasst die ganze Geschichte Kubas von der präkolumbianischen Zeit bis zur Gegenwart. Einige Kapitel von «Insel der Extreme» sind hier in geraffter Form (60 statt 180 Seiten) vorhanden, allerdings ohne die explizite Ausformulierung seiner These. Interessant sind besonders die Kapitel über die Sklaverei. Sonst aber bietet für das Verständnis der kubanischen Gegenwart «Insel der Extreme» mit seinen umfassenderen Kapiteln über das revolutionäre Kuba mehr. Und die im Klappentext angesprochene Frage wird gar nie explizit gestellt, geschweige denn beantwortet, was wohl auch nie die Absicht von Michael Zeuske war.

Herzstück Kultur

Im gleichen Verlag ist schliesslich noch ein ganz anders geartetes Buch zu Kuba erschienen: «Kuba» des an der FU Berlin lehrenden Politologen Bert Hoffmann (vgl. NZZ vom 25./ 26. 11. 00). Der 1966 geborene Autor ist durch zahlreiche Zeitungsartikel und Reportagen zu Kuba in der «Zeit», der «Tages-Zeitung» und hierzulande auch in der «Wochen-Zeitung» bekannt geworden. Im Gegensatz zu den beiden Büchern von Michael Zeuske ist «Kuba» mit keinerlei wissenschaftlichem Ballast versehen, vielmehr ein spannend zu lesender und mit einigen originellen Fotos illustrierter Überblick über verschiedene Bereiche der kubanischen Gegenwart mit einem eher kurzen historischen Teil. Das Herausragendste sind allerdings die zahlreichen in den Text eingestreuten Dokumente (Liedtexte, Gedichte, Buchauszüge, Fragmente aus Reden usw.) und ein nützlicher, knapper Anhang, in dem auch eine Seite «Kuba im Internet» nicht fehlt. Breiten Raum, rund ein Drittel, nimmt ein äusserst informatives Kapitel über die kubanische Kultur ein, das so auch die Dimensionen eines «Buena Vista Social Club» zurechtrückt und den ungeheuren kulturellen Reichtum Kubas angemessen zum Ausdruck bringt. Den zentralen Stellenwert der Kultur betont auch Michael Zeuske, wenn er am Ende seiner beiden Bücher Fernando Ortíz zitiert: «In Kuba, mehr als bei andern Völkern, bedeutet die Verteidigung der Kultur die Rettung der Freiheit.»

Geri Krebs -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Die Zeit, 04.05.2000
Einige Vorkenntnis wären nicht schlecht beim Lesen dieses "informativen Streifzugs durch die kubanische Geschichte", meint Frank Niess in seiner kurzen Besprechung. Besonders gefallen haben ihm Einblicke in die Geschichte der Plantagenwirtschaft und Sklaverei, der Befreiungskriege gegen Spanien und last but not least natürlich die Analyse der Karibikinsel seit Fidel Castros Revolution. Zur "Strandlektüre" eignet es sich nicht unbedingt, dafür fehlen illustrative Darstellungen der konkreten Lebenswelt damals wie heute, findet der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
gelungen 11. Dezember 2011
Von Mario Koch TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Wim Wenders hat mit seinem erfolgreichen Film "Buena Vista Social Club" eine kleine Kuba-Euphorie ausgelöst. Nach Che, der Havanna-Zigarre und den günstigen Pauschal-Reisen auf die karibische Insel ist es nun die kubanische Musik, die das Interesse der Deutschen an Kuba wach hält. Ohne Zweifel zählt die "Zuckerinsel" zu den interessantesten Ländern der Welt. Aber bis auf die kubanische Revolution, die von Fidel Castro zum Erfolg geführt wurde, und die Invasion in der Schweinebucht, die zum Deseaster der USA wurde, kennt kaum jemand ein Ereignis aus der kubanischen Geschichte. Dem kann Michael Zeuske abhelfen. Der Professor für iberische und lateinamerikanische Geschichte an der Universität Köln forscht seit Jahren zur kubanischen Geschichte. Die vorliegende Darstellung überzeugt nicht nur durch profunde Kenntnis der gesamten kubanischen Geschichte, sondern besticht am Schluss vor allem durch die mutige Analyse der derzeitigen Situation und den Ausblick auf die Entwicklung Kubas nach dem Tod des "Líder Máximo" Fidel Castro. Denn wenn sich der Historiker bei der Darstellung der Geschichte noch auf seine Aufzeichnungen verlassen kann, die er sich in den Jahren seiner Forschungstätigkeit gemacht hat, wagt er sich mit seiner politischen Hypothese auf dünnes Eis. Jedoch erscheint Zeuskes Theorie aufgrund seiner Darstellung durchaus schlüssig. Die Geschichte wird zeigen, ob er Recht hat.
Die Darstellung der "Kleinen Geschichte" beginnt mit den indianischen Ureinwohnern, den Taíno und beschreibt dann die Eroberung der Insel durch die Spanier ab 1510. Für viele Leser dürfte dabei interessant sein, dass aus der Sprache der einheimischen Bevölkerung Begriffe übernommen wurden, für die es im Spanischen keine Entsprechung gab und die noch heute verwendet werden: Cacique (Kazike), Tobaco (Tabak), Huracán (Hurrikan).
Der Hafen von Havanna, heute leider nur noch ein Schatten seiner selbst, entwickelte sich schon bald zum wichtigsten Hafen des spanischen Imperiums, denn dort sammelten sich jedes Frühjahr die Schiffe der Silberflotte, bevor sie die Reise nach Spanien antraten, um die riesigen Mengen geraubten Edelmetalls nach Spanien zu bringen. Das wurde vorher aus den Silberminen von Potosí in Peru und aus Zacatecas und anderen Minen in Mexiko zusammen getragen und dann mit einer stark bewachten Flotte nach Spanien geschafft. Viele der voll beladenen Schiffe wurden Opfer von Stürmen oder Piraten. Trotzdem lieferten die amerikanischen Provinzen noch genügend Reichtümer nach Spanien, um die Kriege in Europa zu finanzieren.
Kuba war vor allem auf Grund seiner strategischen Lage über Jahrhunderte hinweg ein wichtiger Besitz der spanischen Krone. Jedoch konnte der "Erzfeind" England im Jahre 1762 Havanna erobern. Es gelang den Spaniern, die Stadt im Austausch für Florida zurück zu bekommen.
Von 1868 bis 1878 kam es zum Zehnjährigen Krieg um die Unabhängigkeit von Spanien, diesem folgte von 1895 bis 1898 der zweite Unabhängigkeitskrieg, der in die Intervention der USA gipfelte und das Ende der spanischen Vorherrschaft bedeutete. Dafür begann die Phase der Abhängigkeit von den USA, die eigentlich erst 1959 endete, als Fidel Castros Rebellenarmee in Havanna einmarschierte. Aufgrund der folgenden Enteignungen amerikanischer Firmen kam es zum Bruch mit den USA, der in die Wirtschaftsblockade gipfelte. Dadurch verlor Kuba seinen wichtigsten Markt, dessen Verlust es durch die Zusammenarbeit mit dem sozialistischen Wirtschaftssystem des RGW (engl. CMEA, Council for Mutual Economic Assistance) zwar halbwegs kompensieren, aber nie ersetzen konnte.
Trotzdem nahm Kuba einen gewaltigen Aufschwung. Es entwickelte ein exzellentes Gesundheits- und Bildungswesen, die Raten für Analpabetismus, Lebenserwartung und Säuglingssterblichkeit glichen denen einer entwickelten Industrienation und riefen die Bewunderung der Dritte Welt ' Staaten hervor. In Kuba gab es keinen Hunger und keine Armut mehr. Doch Anfang der 80er Jahre fielen die Zuckerpreise auf dem Weltmarkt und Kuba war sechs Jahre später de facto zahlungsunfähig. Zwar half die damalige Sowjetunion mit Krediten und Erdöl, jedoch machte sich Kuba damit abhängig und geriet in internationale Isolierung ' bedingt dadurch, dass auch die UdSSR infolge des Afghanistan-Krieges in internationale Isolation geriet.
Kuba selbst lebte über seine Verhältnisse, denn die kostenlose Verteilungspolitik wurde beibehalten. Die wirtschaftliche Entwicklung hielt mit den Erfordernissen nicht Schritt. Unter dem Eindruck der Perestroika rief Castro zur Berichtigung der Fehler auf, aber nicht etwa ökonomische Änderungen wurden vorgenommen, sondern politische. Diese "antimarktwirtschaftlichen" Reformen dauern bis heute an.
Besonders aufschlussreich dürfte für viele Leser das letzte Kapitel sein, denn hier beschreibt der Autor die Entwicklung seit dem Zusammenbruch des sozialistischen Weltsystems. Seine Analyse ist dabei treffend und verständlich. Wie bereits erwähnt, wagt er auch einen Ausblick auf Kubas Entwicklung nach dem Tod des "Líder Máximo" Fidel Castro, der von vielen als das letzte Hindernis Kubas auf dem Weg in die Marktwirtschaft angesehen wird. Aber egal ob Castro stirbt oder zurück tritt, solange die Bevölkerung nicht in Massen eine radikle Veränderung erzwingt hält Zeuske eine Weiterführung des kubanischen Sozialismus für möglich. Statt demokratischer Öffnung wird es eine "Stabilisierung durch eine Kombination personalistischer und struktureller Machtelemente" geben. Sofern das Militär, dessen Akzeptanz bei der Bevölkerung immer noch sehr groß ist, die Unterstützung der Massen behält ist eine Rückkehr der Exilkubaner aus Miami kaum möglich. Denn dann wären auch die noch verbliebenen Errungenschaften der kubanischen Revolution zunichte. Und die Kubaner sind viel zu stolz auf ihre nationale Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, als dass sie darauf so ohne weiteres verzichten würden.
Bei der Qualität des Textes sollte sich der Verlag entschließen, ein ordentliches Glossar zu erstellen und das Buch mit Illustrationen und Karten versehen in einer Hardcoverausgabe auf den Markt zu bringen.
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1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Die kleine Geschichte Kubas hat 134 Seiten (von etwa 1500 bis zur Gegenwart (2007)), und im Anhang 3 Landkarten. Ich habe nur die 2. Hälfte des Buches gelesen, ab dem Unabhängigkeitskrieg. Ich fand das Buch informativ, und werde sicher immer wieder darin nachschlagen; allerdings fand ich es als Einführungsbuch an manchen Stellen überladen mit zu vielen Details, und an anderen Stellen wiederum unverständlich, weil es zu abstrakt war und zu wenige Details bot. Außerdem fand ich es ärgerlich in seiner Parteilichkeit für die Castro-Diktatur.

Ein Beispiel fürn abstrakte Sprache und fehlende Details (S. 168/ 69): "Die seit den frühen zwanziger Jahren heranwachsende neue nationale Bewegung lieferte die Leitideen in unterschiedlicher Färbung und verband sich mit zeitgenössischen Ideologien und politischen Strömungen." Leider wird nicht erläutert, welche Leitideen, welche Ideologien und welche politischen Strömungen gemeint sind. Es werden wohl Trägergruppen spezifiziert, die Sowjets ausriefen, aber insgesamt bleibt mir das zu abstrakt. Allgemein arbeitet der Autor wenig mit direkten Quellenzitaten - eigentlich erstaunlich für einen Historiker - und so bleibt die Geschichte Kubas relativ blutleer.

Beispiele für unangenehme Parteilichkeit (S. 182): "Camilo und Che übernahmen die Führung über den M-26-7..." - Nachnamen würden mehr Distanz in den Text bringen. Die Perspektive des kubanischen Exils wird sehr schnell kriminalisiert: "Nach Playa Giron gab es im Innern kaum noch militärischen Widerstand, dafür aber Sabotage, Infiltration von Exilkubanern an den Küsten und Terrorakte." (S. 189) Ich kann nachvollziehen, dass diese Leute gegen eine Bewegung kämpfen, die sie enteignet und quasi aus ihrem Land vertrieben hat, und würde mir hier neutralere Begriffe wünschen. Auf S. 195 steht, dass um 1965 Regimegegner, Künstler und Homosexuelle in Rehabilitationslagern zu "nützlicher Arbeit" (auch im Buch in Anführungsstrichen) gezwungen wurden. Darüber würde ich gern mehr wissen! Wie viele Menschen betraf das, wie muss man sich die Behandlung in den Lagern vorstellen, und bis wann existierten sie? Etwa bis heute?! Und ist "Rehabilitations"lager ein präziser Begriff dafür oder ein Euphemismus?
Der Begriff "Menschenrechtsverletzungen" fällt ein einziges Mal, auf der vorletzten Seite: "Insofern verwandelt sich Fidel Castro zur rechten Zeit (...) in einen globalisierten Mythos, der die vielen Momente des realen Scheiterns, des Autokratismus und der Menschenrechtsverletzungen auf Kuba überstrahlt." (S. 233) Wo bleibt da die geschichtswissenschaftliche Distanz zu diesem Mythos? Wo bleibt die Verteidigung der Menschenrechte?? Dazu heißt es aber nur lapidar: "Das Staatsproblem in Lateinamerika und Kuba muss historisch ganz anders diskutiert werden als in einer heutigen Debatte über absolute Werte, m.E. vor allem mit der Legitimität eines kleinen Staates unter Bedinungen der Globalisierung." (S. 233) Soll wohl auf Deutsch heißen: die Unabhängigkeit des Staates Kubas - allein die Tatsache seiner Existenz - ist wichtiger als die Menschenrechte seiner Bürger, ihrer Freiheit zu wählen, zu reisen, zu entscheiden, wie sie leben wollen. Jetzt mal ehrlich, bei aller Sympathie für Fidel und die Revolution: diese Argumentation ist doch ein Skandal.

Der gesamte letzte Teil über die Castro-Regierung bis heute erscheint als ein verschlüsselter Abwehr-Diskurs, der Vorwürfe widerlegt, die nicht explizit genannt werden. Man nehme diese verschachtelte Stelle (S. 230): "Die Armee-Angehörigen bzw. ehemaligen Armee-Angehörigen zählen zumindest nicht zu den Verlierern der "permanenten Revolution". Sie leben - (...) - zwar keineswegs viel besser als der Rest der Bevölkerung. Aber sie werden aus den Beständen der Armee (...) kontinuierlich versorgt." Das heißt wohl im Klartext: Gewinner der Revolution sind u. a. diejenigen, die mit Castro gekämpft und der Armee die Treue gehalten haben. Diese Leute sind quasi lebenslänglich versorgt und es geht ihnen besser als dem Rest der Bevölkerung. - Man muss aber schon sehr genau lesen, um das zu verstehen, und ich würde mir für ein Einführungsbuch mehr Klarheit im Ausdruck wünschen - auch oder gerade wenn es um solche sensiblen Fakten und unbequemen Wahrheiten geht.
Während viele Fakten und Namen an manchen Stellen verwirren, wird andernorts Insider-Wissen nicht erklärt ("Erst seit der sogenannten Elián-Affaire (1999) und der wirtschaftlichen Stabilisierung flossen wieder Investitionen in den Bildungsbereich." S. 219). Da ich nicht weiß, was die Elián-Affaire war, kann ich bei solchen Sätzen die Zusammenhänge nicht verstehen - das ist natürlich schwer, ich weiß, aber genau das sollte ein gutes Einführungsbuch leisten.
Und natürlich ist der Kapitalismus die Wurzel alles Bösen auf Kuba: "Der Tourismus, die Verwandtenbesuche aus Miami, und die Dollarwelt haben zu einer erheblichen Erosion der Grundwerte Solidarität, Familiensinn, Ehrlichkeit, Unbestechlichkeit, Disziplin und Würde geführt. Prostitution, Bettelei, Alkoholismus Drogensucht, Betrug und Korruption sind Folgeerscheinungen (...) (S. 216) Die Kubaner müssen vor 1990 wahre Übermenschen gewesen sein.

Trotzdem gibt das Buch einen detailreichen Einblick in die Geschichte Kubas, ist nur etwas anstrengend zu lesen.
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