Mit diesem Buch wollen die Autoren, zwei Koreanistik-Professoren aus Deutschland, einen kompakten Überblick über die koreanische Geschichte liefern. Frühere und neuere Geschichte werden chronologisch gleich behandelt, so dass auf den knapp 200 Seiten ein Ereignis dem anderen folgt.
Leider sieht man so den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr, von einem Überblick kann keine Rede sein. Das hört sich im Original so an (S. 93): "Als Chongjo schließlich im Jahre 1800 verfrüht starb und sein Sohn Sunjo (r. 1800-1834) erst zehnjährig auf den Throm kam, geriet die politische Macht am Hofe ganz in die Hand von dessen Schwiegerfamilie, dem Andong Kim-Clan. Während der Herrschaft Honjongs (r. 1834-1849) mußte der Kim-Clan seine starke Position zwar an den Clan der Mutter des Königs, einer P'ungyang Cho, abtreten'" usw. usf. So geht es seitenweise.
Doch selbst die Fakten sind fragwürdig in diesem Buch. So bezeichnen die Autoren den Unabhängigkeitskämpfer und Präsidenten Koreas Kim Ku als "antijapanischen Terroristen" (S. 153). Nach dieser Logik könnte man auch Graf Stauffenberg und Nelson Mandela Terroristen nennen, Kim Ku wird das sicherlich nicht gerecht.
Über den Koreakrieg heißt es "Die USA konnten freilich dem Fall ihres Bollwerks gegen den Kommunismus nicht tatenlos zusehen...' An diesem Punkt indes mußte China seine Sicherheitsinteressen bedroht sehen und eingreifen" (S. 154). Millionen von Koreanern sterben als Ergebnis des Krieges der Großmächte, und vier Seiten weiter ist von der "US-amerikanischen Schutzmacht" die Rede. Was ist das für eine "Schutzmacht", die das Land gerade weitgehend zerstört hatte? Von Historikern sollte man erwarten, dass sie solch eine beschönigende Bezeichnung nicht einfach übernehmen.
Im Gegensatz dazu hat Dong-Choon Kim in
Der Korea-Krieg und die Gesellschaft gezeigt, dass es möglich ist, den Korea-Krieg verständlich zu machen. Eine gute Alternative zu diesem Buch ist
Im Brennpunkt: Korea: Geschichte - Politik - Wirtschaft - Kultur.
Von Bertolt Brechts "Fragen eines lesenden Arbeiters" dürften diese Professoren noch nie gehört haben. Nicht einmal die Rechtschreibung ist reformiert, der Kalk rieselt aus allen Ecken.