Kurzbeschreibung
Seit dem 10. Jahrhundert wohnen Juden ununterbrochen auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Besonders ihre mittelalterliche Geschichte war bestimmt von Selbstbehauptung und Verfolgungen. Als Waren- und Geldhändler lebten sie vor allem in den Städten, nach ihrer Vertreibung im 15. Jahrhundert auf dem Land, wo in der Neuzeit die Landesjudenschaften entstanden. In ihrer großen Mehrheit waren sie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts Hausierer und Viehhändler. Im 17./18. Jahrhundert entwickelten sich in Mannheim und Karlsruhe städtische Gemeinden. Das 19. Jahrhundert war geprägt vom Kampf um Gleichberechtigung auch im scheinbar so liberalen Baden und von heftigen Debatten über die Modernisierung des Judentums. Zu Beginn des 20. Jhds. entwickelten sich neue Identitätsformen, die auf die zunehmende Verweltlichung reagierten. Diese Renaissancebewegung fand 1933 ein abruptes Ende. Wer konnte, emigrierte. Nachdem 1945 neue jüdische Gemeinden quasi aus dem Nichts aufgebaut worden waren, entstand eine neue Situation nach 1989 mit der Zuwanderung von Juden aus den Nachfolgestaaten der UdSSR.
Über den Autor
Uri R. Kaufmann, Jahrgang 1957, war nach einem Studium an der Hebräischen Universität in Jerusalem und seiner Promotion von 1988-1997 wissenschaftlicher Mitarbeiter für jüdische Geschichte an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg. Seitdem freischaffender Historiker u. a. als Konzeptentwickler für die Dauerausstellung des Jüdischen Museums Berlin 000/ 001.