Das Büchlein hält, was der Titel verspricht. Auf knapp 135 Seiten (plus Bibliographieanhang) rollt Theo Stemmler die Geschichte des Fußballspiels auf. Er beginnt bei den Azteken im alten Mexiko und im China der mythischen Vorzeit, wo der Ballsport eine hochgradig symbolische, eine kultische Bedeutung innehatte. Das Spielfeld entsprach der Erde, der über den Platz beförderte Ball dem Lauf der Sonne.
"Der Prototyp des europäischen Fußballspiels ist in Frankreich und England entstanden", schreibt Stemmler. Er spielt dabei auf hochmittelalterliche Quellen an, die von einer sportlichen Betätigung namens "soule" (frz.) bzw. "chulle" (engl.) sprechen. Es handelte sich um ein wildes, archaisches Spiel, an dem manchmal ganze Dörfer teilnahmen, bei dem Waffen getragen wurden und wo Verletzte oder Tote keine Seltenheit waren. 1314 verbot der Londoner Bürgermeister diese Frühform des Fußballs auf allen öffentlichen Plätzen seiner Stadt, 1364 erließ die Synode von Ely ein Verbot, das es Priestern untersagte, am Ballspiel teilzuhaben. 1410 verhängte König Henry IV. hohe Geldstrafen über all jene Gemeinden, die das Fußballverbot nicht umsetzten. Der Kirche war der körperbetonte Zeitvertreib ohnehin ein Dorn im Auge, zumal er auch noch gerne sonntags praktiziert wurde, dem Monarchen missfiel er, weil dadurch das Üben mit Pfeil und Bogen ins Hintertreffen kam, was zur militärischen Pflicht jedes Engländers gehörte.
Dennoch war das Spiel nicht tot zu kriegen, es fand bei Chaucer ebenso Erwähnung wie in "Jeu de Robin et de Marion". Richtig, sogar Robin Hood wurde damit in Verbindung gebracht. 1633 hieß es in einem Theaterstück zeitgeistig "football is the sport nowadays", und selbst der ansonsten wenig verspielte Diktator Oliver Cromwell zeigte einen Hang zum Ballsport. Theo Stemmler hat diese historischen Zusammenhänge, die sonst kaum wo zu lesen sind, auf kurze und bündige Weise herausgefiltert.
Einigen Raum widmet er dem 19. Jahrhundert, wo Fußball durch Sportlehrer in den elitären neun public schools ('sacred nine') wie Eton, Harrow, Westminster oder Rugby erstmals mit einem Regelwerk unterlegt worden war ("The Laws of Football as Played at Rugby School", 1846). Stemmler spannt den Bogen weiter zur Gründung der Football Association (1863) und zur letztendlichen Trennung zwischen Soccer und Rugby, da sich die einzelnen Schulen über Regeln wie Handspiel oder Treten nicht einig werden konnten. 1871 spielte man in England den ersten Cup-Bewerb aus, 1888 entstand die erste Soccer-Liga der Welt. Damit war der moderne Fußballsport geboren.
Im Schlusskapitel geht der Autor auf die Ursprünge des deutschen Fußballs ein, der lange Zeit als "englische Krankheit" demagogisiert worden war, schließlich aber doch Fuß fassen konnte.
Ein willkommenes Buch für alle jene, die an mehr interessiert sind als welches Aftershave David Beckham gerade aufträgt. Schließlich ist Fußball laut Stemmler "ein Bedürfnis zweckfreier, nicht notwendiger Betätigung", ein Zeichen von Kultur also.