Bei dem Klappentext MUSS man ja neugierig werden. Da heißt es so schön: "In Berlin verschwinden Kinder von Spielplätzen. Genauer: Sie stürzen in riesige Krater, die sich urplötzlich dort auftun." --- Was mag da wohl Unvorstellbares vor sich gehen? Das konnte ich mir nicht entgehen lassen. (Ich sag's gleich vorab: Das Ding ist echt lesenswert!)
Dabei empfand ich den Einstieg in KLEINE BIESTER sogar als etwas anstrengend. Wie in einem Wimmelbuch für Kleinkinder geschildert, gestaltet sich - in epischer Breite -, eine Szene auf einem Kinderspielplatz, ehe es zu dem ersten Krater-Vorfall kommt. Gefühlte hundert Personen werden vorgestellt. Eltern und Kinder. Mehr oder weniger kurze Abrisse der Familienverhältnisse.
Mit der Spielplatzidylle ist es jedoch rasch vorbei, als sich auf selbigem in einem Sandkasten ein Krater auftut und sich schreckliche Szenen abspielen. Ein Mädchen verschwindet spurlos! Jetzt fängt das Gewusel erst richtig an. Ameisenhaufen, quasi Hilfsausdruck! Schaulustige, Polizei, THW, Sanitäter... Ein Alptraum beginnt.
Der schöne Frühlings-Sonntag nimmt auch für Kriminalhauptkommissar Paschulke ein jähes Ende. Seine Gedanken kreisen um einen erst halbfertigen Vortrag, den er anderntags am Rosenhof-Gymnasium in Kreuzberg halten sollte. Thema: Zeitgemäßes Fahrradfahren dank Sicherheit und Gesetzestreue. In Berlin ist Wahlkampf angesagt, die Polizei soll helfen - und zwar mit Präventions-Vorträgen in Schulen!
Kann ja niemand ahnen, dass sich der übereifrige Beamte Dorfner berufen fühlt einer Schulklasse Geiselnahme-Situationen anhand konkreter Beispiele zu demonstrieren. Das sind die Stellen in KLEINE BIESTER an denen man um Gnade winselt. Hochkomik vom Feinsten!
Irgendwie verknüpfen sich diese interessanten, spannenden bisweilen regelrecht unglaublichen Handlungsstränge. Paschulke, seine taffe Kollegin Zabriskie und der erwähnte total unberechenbare Möchtegern S.W.A.T - Kollege Dorfner ("The Dorfner"), sind Ruckzuck in der Bredouille in mehreren Fällen zu ermitteln, die allesamt irgendwie mit den beiden Schulen, bzw. Schülern in der Gegend um den Siegespark zu tun haben.
Bis es zu einem roten Faden kommt, dauert es zwar fast ein wenig zu lange, denn es geht trotz einiger Todesfälle unklar unsystematisch vonstatten bei den Ermittlungen - originell und unterhaltsam werden jedoch die Verhältnisse in den Schulen dargestellt. Und eigentlich kann man den Kommissaren gar nicht einmal so arge Vorwürfe machen, denn richtig logisch und nachvollziehbar ist das alles nicht, was da vor ihren Augen passiert.
Für das ermittlungstechnische Puzzlespiel ergibt sich ein grandioser Spannungseffekt, der in einem furiosen Underground-Spektakel endet, das ich auf diese Art nur von amerikanischen Thriller-Autoren kenne. Hammer!
Spannende Unterhaltung, mit grandiosen Slapstick-Szenen und gruseligen Schock-Effekten zum Luftanhalten, ist hier definitiv garantiert! Ein etwas anderer Kriminalroman, der sich vom Stil her nicht so ernst nimmt, wie man vielleicht annehmen könnte. Wie auch - um wieder zum Klappentext zurück zu kommen - wenn sich mitten in der Idylle Krater auftun, die ganze Menschen verschlucken?!