In seinem Buch "Kleine Bibliotheksgeschichte" widmet sich Uwe Jochum mit nunmehr 14 Kapiteln der Bibliotheksgeschichte von der Antike bis zum modernen Informationszeitalter.
Das letzte, den jüngsten Entwicklungen im Bibliothekswesen geschuldete Kapitel XIV ("Hybride Bibliotheken") ist erst ab der 3. Auflage Bestandteil des Buches. In diesem neuen Kapitel spannt der Autor auf nur wenigen Seiten - jedoch durchaus in die Tiefe gehend - thematisch einen beeindruckend weiten Bogen. Dabei behandelt er unter anderem die Integration ostdeutscher Bibliotheken in westdeutsche Bibliotheksverbünde, die RAK-vs.-AACR-Debatte, Fragen des Urheber- und Verwertungsrechtes sowie verschiedene, im Zusammenhang mit elektronischen Ressourcen auftretende Probleme. Um sich dieses höchst informative Kapitel nicht entgehen zu lassen, sollte man unbedingt darauf achten, die 3. Auflage des Buches zu lesen.
Insgesamt ist zu Uwe Jochums Buch "Kleine Bibliotheksgeschichte" zu sagen, dass es sich hierbei - anders, als der Titel vielleicht suggerieren mag - nicht um eine zusammenhängende Darstellung der Bibliotheksgeschichte handelt. Vielmehr hat jedes Kapitel den Charakter eines in sich geschlossenen Essays, so dass man einzelne Abschnitte gewinnbringend auch gesondert und/ oder in loser Reihenfolge lesen kann. Unterstützt wird die Möglichkeit, das Buch in dieser Art querzulesen, durch Uwe Jochums angenehm flüssige Sprache sowie seine oft pointierte Ausdrucksweise.
Inhaltlich überzeugt das Buch durch viele originelle Thesen. Dadurch, dass Uwe Jochum - ganz im Stile eines Essayisten - immer wieder eine einzelne These zum Mittelpunkt eines ganzen Kapitels macht, vernachlässigt er jedoch leider bisweilen wichtige historische Ereignisse, da sie nicht zur Stützung dieser These beitragen würden. So finden z. Bsp. ab Kapitel VIII ("Barock und Aufklärung") Klosterbibliotheken keine Erwähnung mehr, obwohl es etliche historische Quellen gibt, die von einer ausgeprägten barocken Klosterkultur zeugen. In Kapitel XI ("Die öffentlichen Bibliotheken") werden konfessionelle Bibliotheken und Arbeiterbildungsvereine nur am Rande erwähnt, obgleich sie nachweislich eine nicht unerhebliche Rolle bei der Entwicklung öffentlicher Bibliotheken im heutigen Sinne spielten.
Auch ist kritisch anzumerken, dass die in diesem Buch getroffenen Aussagen zur Ausbildung von Bibliothekar/innen - nicht nur angesichts der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge - hoffnungslos veraltet sind und daher dringend einer Aktualisierung bedürfen.
Resümierend lässt sich sagen, dass jene, die keine vollständige, zusammenhängende Bibliotheksgeschichte auf aktuellstem Stand erwarten, sondern einfach nur eine kurzweilige, auch für den Laien leicht verständlich und interessant geschriebene Abhandlung über einzelne Etappen der Bibliotheksgeschichte suchen, an Uwe Jochums Buch "Kleine Bibliotheksgeschichte" zweifellos ihre Freude haben werden.