Anne Tylers Roman startet mit einer denkwürdigen Vermisstenmeldung: Die Vermisste, Delia Grinstead, 40, Ehefrau eines Arztes und Mutter von drei fast erwachsenen Kindern, ist nach Auskunft ihrer Familie eine schlanke Frau mit blonden bis hellbraunen Locken, zwischen 1,58m und 1,65 m groß und wiegt 50 bis 60 kg. Augen blau, grau oder auch grün, Bekleidung wahrscheinlich irgend etwas in Rosa oder Hellblau.
Offenbar hat ihre Famlie Delia länger nicht mehr richtig angesehen. Das ist sicher der eigentliche Grund, warum Delia eines Tages nach einem Streit einfach auf und davon geht und sich von dem nächstbesten Autofahrer zur nächstbesten Kleinstadt mitnehmen lässt. Dort beginnt sie ein neues Leben, von dem überlastete Mütter mittleren Alters nur träumen können: ein nicht zu anstrengender, aber bezahlter Job, ein Zimmer für sich allein, eine Katze und jeden Abend ein gutes Buch. Leider dauert diese paradiesische Zeit nur kurz: ihr Mann schreibt ihr vorwurfsvolle Briefe, aus denen hervorgeht, dass er, wenn überhaupt, nur ihre Arbeitskraft vermisst, aber nicht sie als Ehefrau. Außerdem gibt Delia ihren ruhigen Bürojob auf, um in einer Familie, bei der die Ehefrau und Mutter ebenfalls geflüchtet ist, die Stelle einer Haushälterin anzunehmen, weil sie der Bedürftigkeit des verlassenen Ehemannes und des verlassenen Kindes nicht widerstehen kann. Immerhin wird sie jetzt für ihre Arbeit bezahlt, und, da sie jederzeit kündigen kann, auch mehr geschätzt. Delia hat schon beinahe mit ihrem alten Leben abgeschlossen, als sie hört, dass ihre Tochter heiraten möchte. Sie macht sich auf den Heimweg, um bei der Hochzeit dabei zu sein...
Was in der Rezension verbiestert klingt, wird von Anne Tyler humorvoll und spannend geschrieben, ohne jemals ins Seichte abzugleiten. Vielleicht findet Delia ihre Jobs wirklich zu schnell, aber ansonsten ist der Roman und vor allem sein Ende glaubwürdig und stimmig. Sicher ist dieses Buch keine große Literatur, aber ein toller, nachdenklich stimmender Unterhaltungsroman: daher fünf Sterne.