Mit Kleinasien wird im Allgemeinen eine Landschaft bezeichnet, nicht ein Staat oder ein politisches Gebilde. Die Geschichte Kleinasiens - so wie diese von Schwertheim hier nachgezeichnet wird - ist wesentlich gepägt durch die geopolitische Lage. Kleinasien bildet eine Brücke zwischen den Hochkulturen Vorderasiens, des Orients und den europäischen Kulturen (v.a. Griechen und Römern). Mit dieser die Hochkulturen verbindenden Funktion ist Kleinasien ein wichtiger Schauplatz für die Entwicklung des Mittelmeerraumes. Entscheidend ist, dass Kleinasien im weitesten Sinne keine eigene Geschichte geschrieben hat, sondern eher als "multikulturell" und "kosmopolitisch" beschrieben werden kann. So sieht es Schwertheim als seine Aufgabe, Personen, Sachverhalte und Ereignisse darzulegen, die für die Brückenlandschaft Kleinasien typisch sind. Dies gelingt ihm in einem chronologischen kursorischen Überblick, angefangen bei den ersten Anzeichen der Sesshaftigkeit von Menschen vom 10. bis zum 3. Jahrtausend v. Chr. in diesem Gebiet. Ab dem 2. Jahrtausend v. Chr. treten dann die Assyrer und Hethiter auf die Bühne Kleinasien und drücken dieser ihren Stempel auf. Wesentlich wird Kleinasien ab dem 1. Jahrtausend im Westen aber bestimmt durch die Kolonisierung durch die Griechen sowie durch die Herrschaft der Perser im Osten. Kleinasien wird dann mehr und mehr Schauplatz zur Auseinandersetzung zwischen diesen beiden Völkern, die mit dem Feldzug Alexanders ihr Ende findet. Die Nachfolger Alexanders - die Diadochen - werden ebenfalls auf kleinasiatischem Boden ihre Machtkämpfe austragen. Ab Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. betritt dann mit Rom eine neue Macht den Schauplatz Kleinasien, die dieses über Jahunderte nicht mehr loslassen wird. Schwertheims Darstellung der Geschichte Kleinasiens endet noch während der römischen Herrschaft in der Zeit Konstantins im 4. Jahrhundert. Neben der politischen Geschichte Kleinasiens stellt Schwertheim immer wieder auch dessen religiöse Geschichte dar. So wird Kleinasien z.B. ein frühes Zentrum des Christentums. Wie gewohnt, so bietet auch dieser Band der Reihe "C.H. Beck Wissen" insgesamt einen informativen - wenn auch sehr knappen - Überblick, der sich als Einstieg ins Thema eignet und darüber hinaus angenehm zu lesen ist.