ganz schumann nahe, könnte man literarisch von (liebes)lyrik, einem poetischen, un-
ausgedrücktem subjektivem rest zwischen den zeilen, hier: den noten, sprechen -
wenn rein musikalisches nicht sprachlich adäquat fassbar ist, was genre-malerisch
als valeurs heftig-kräftiger pinselstriche über pastell-aquarellhaftem mit pointilistischen details
umschreibbar wäre -.
es bleibt solcherart rest eines immateriellen und doch hörbar persönlichen (schumann)
gehalts, einer tiefer liegenden romantischen wahrheit, die der pianist piotr anderszewski
so bewegt und unvergleichbar kunstvoll durchformuliert ausdrückt.
alles pianistische, manuell trainierte, scheint völlig irrelevant hinter solcher fülle
von musikalischen gesten und dynamischen nuancen seines höchst subtilen gestaltungs-
vermögens: kein musikalischer gedanke wird hier nur einfach so pauschal wie
gekonnt heruntergespielt.
anderszewski, mit durchweg schlank-differenzierter, eher verhaltener und stellen-
weise leicht-pointilistischer tongebung, erspührt die klanglichen frei- und feinheiten
der kapriziösen >humoreske<-variationen noch zwischen einfach, zart und innig und
erspielt schattierungen selbst in den schneller bewegten verläufen, nach ruhevollem
piano-einklang. klang-rhythmische spielkunst vom feinsten.
auch die wenig bekannten >studien fürs pedalklavier< (einst eigene pedal-besaitung)
und die schlicht texturierten späten >gesänge der frühe< erfahren durch den
hypersensiblen klangsinn anderszewskis eine höchst seriöse, stimmungsvolle,
poetische aufwertung als ein vollgültiges schumann werk.
nach seinem fulminanten schumann debut, dem >faschingsschwank<, in carnegie,
At Carnegie Halllive-2008, schenkt uns der grosse variationskünstler (bach-beethoven) und idiomatische
chopin-pianist ein superb klingendes schumann-album.