Um es auf den Punkt zu bringen: Die Einspielung des Trio ist musikalisch sehr engagiert und verdient als solche 5 Sterne. Den Abzug nehme ich hier wegen des Repertoires vor und will dies gerne näher begründen.
Ich bin selbst ein großer Liszt-Fan, aber den hier vorgestellten Werken merkt man einfach an, dass es sich nicht um originäre Kammermusik handelt. Hervor sticht zunächst Tristia, die Bearbeitung von Vallée d'Oberman für Klaviertrio. Die Fassung für Klaviertrio stammt von Eduard Lassen und wurde von Liszt praktisch dadurch autorisiert, dass Liszt Ergänzungen und Änderungen in Lassens Version vornahm. Mir geht es bei dem Stück jedoch ähnlich wie bei diversen Chopin-Bearbeitungen: Sie reichen nicht an das Original heran, weil dieses einfach perfekt für das Klavier komponiert ist. Beim Klavierstück Vallée d'Oberman hört man in der Tat einen Dialog einer Sopran (Violine) und einer Tenorstimme (Cello). Diese Assoziationen erfolgen jedoch artifiziell verfremdend und entrückt. Sie wirken vor allem dadurch besonders stimmig. Wird man hingegen unvermittelt mit Violine und Cello konfrontiert, geht dieser Zauber des Verschleierten, Verträumten verloren. Hinzu kommt, dass Lassen zu Beginn einen Cello-Seufzer komponiert hat, der einfach nicht passt. Verstehen Sie mich jedoch bitte richtig: Die vorliegende Einspielung ist sehr engagiert und versucht die verschiedenen Stimmungen Melancholie, Verklärung, Verzweifelung deutlich gegeneinander abzusetzen, aber sie reicht nicht an eine interessante Interpretation des Klavierstücks (wie die von Volodos) heran. Die Bearbeitung von "Die Zelle im Nonnenwerth" ist ein elegisch schönes Stück, aber wie Tristia tritt hier ein weiterer Einwand hinzu: Es ist keine Kammermusik. Der Satz ist dafür schlicht zu simpel gearbeitet und das liedhaft-melodramatische Original schimmert einfach hier durch. Dies gilt auch für die beiden Elegien und die Trauergondel (gelegentlich 3. Elegie). Gerade die Trauergondel wirkt durch den herben Klavierklang. Der Streicherklang erscheint mir viel zu warm.
So bleibt das Klaviertrio von Smetana, für das das Trio Wanderer musikalisch wirklich alles gibt (man höre nur den Cello-Einsatz am Anfang des ersten Satzes). Das Stück steht in innerer Beziehung zu Liszt, weil dieser sich öffentlich für das Trio stark gemacht hat. Wie beim berühmteren Streichquartett Smetanas liegt ein einschneidendes Erlebnis (Tod eines Kindes) als Auslöser zugrunde. Allerdings erreicht das Werk die emotionalen Dimension des Streichquartetts nicht. Immerhin handelt es sich hier um herbe und authentische Kammermusik.
So bleibt der Eindruck einer engagierten Einspielung bei problematischem Repertoire!