Der junge finnische Pianist Antti Siirala gewann die (im Booklet falsch deklarierte) 4. London World Piano Competition im Jahre 2000, für deren Finale er eigentlich gar nicht qualifiziert war, sondern nur für einen erkrankten Finalisten einsprang. Obwohl seinerzeit die Entscheidung der Jury nicht unumstritten war (insbesondere im Hinblick auf den zweitplazierten Simon Trpceski), zeigt die vorliegende CD, dass sie nicht grundlos erging. Die in der Preisträger-Serie von Naxos veröffentlichte Einspielung zeigt ein vielversprechendes Talent, von dem man hoffentlich noch öfter hören wird.
Dem Titel zufolge widmet sich die Aufnahme ausschließlich Werken von Franz Schubert, die für das Klavier transkribiert wurden; im Hinblick auf das längste und - jedenfalls meiner Ansicht nach - pianistisch interessanteste Stück ist diese Bezeichnung allerdings eigentlich fehl am Platze: Die "Passacaglia" von Godowsky basiert zwar auf einigen Takten der Unvollendeten Sinfonie, geht aber so weit über diese hinaus, dass man von einer Originalkomposition reden muß. Selten aufgenommen, ist dieses Werk kaum einmal im Konzertsaal zu hören - nur Marc-André Hamelin und Severin von Eckardstein haben es in letzter Zeit einmal live dargeboten. Das mag einmal mit dem von Puristen (zu Unrecht) als leerer Virtuose verschmähten Komponisten zu tun haben, sicherlich aber auch mit der ungeheuren Schwierigkeit dieses Werkes. Siirala hat offensichtlich das nötige technische Rüstzeug, um die Passacaglia nicht nur zu bewältigen (wie etwa Grante), sondern es auch zu beherrschen und ein kohärentes, musikalisches Erlebnis daraus zu formen. Dabei - und auch in den übrigen Stücken - gefällt der Finne durch eine erfrischend spontane, energiegeladene Herangehensweise sowie eine klare, die äußerst polyphone Textur des Godowsky'schen Tonsatzes sehr gut darstellende Tongebung. Positiv hervorzuheben ist insbesondere die sehr gut gelungene Balance in der Dynamik bei der Stimmführung - nie ertränkt eine Melodielinie die andere, alles bleibt durchsichtig. Dieses Merkmal fällt auch bei anderen Werken - etwa der "Guten Nacht" aus der "Winterreise" auf, wo Siirala auch im piano noch sehr gut differenziert. In der "Passacaglia" vermag er zwar in vollendet müheloser Virtuosität und vollständiger Durchdringung nicht ganz an die Referenzeinspielung Marc-André Hamelins (Hyperion) heranreichen - nichtsdestotrotz schlägt sich Siirala hervorragend.
Die restlichen, deutlich kürzeren Stücke sind ebenfalls auf interpretatorisch sehr hohem Niveau eingespielt. Der junge Finne beweist ein untrügliches Gespür für den Aufbau von Spannungsbögen, sein Anschlag wirkt trotz umfassender Ausnutzung der dynamischen Bandbreite des Konzertflügels nie angestrengt oder hart. Auch der sattsam bekannte "Erlkönig" in der Bearbeitung von Liszt kann dem Vergleich mit bekannteren Einspielungen wie etwa Kissin (Sony) durchaus standhalten. Von den restlichen Werken dürften vor allem die von Prokofiev transkribierten Walzer zumindest melodisch bekannt sein.
Die exzellente Klangqualität der Aufnahme - bei Naxos nicht immer eine Selbstverständlichkeit - und der konkurrenzlos günstige Preis sind neben der hohen künstlerischen Qualität eine uneingeschränkte Kaufempfehlung wert.